Blutzucker-Spürsinn: Diabetes-Experten leben ohne Blutzuckermessgerät?

Zeichen deuten: Manchmal gar nicht so einfach!

Zeichen deuten: Manchmal gar nicht so einfach!

Bitte was? Ja, es gibt wirklich Typ-1-Diabetiker, die ohne Blutzuckermessgerät leben und sich voll und ganz auf ihren Blutzucker-Spürsinn verlassen. Als ich von diesen „Diabetes-Experten“ (so bezeichnen sie sich selbst ;)) Wind bekommen habe, habe ich auch mal ein bisschen mehr in mich hineingehorcht und einige feine Körperzeichen auch ganz gut deuten können.

  • Kennt ihr dieses energiegeladene Hochgefühl kurz vor der Unterzuckerung im Sport? Plötzlich kann man viel schneller laufen als gewohnt. Dieser Energieschuss ist einmalig. Man fühlt sich so stark, könnte Bäume ausreißen. Bedeutet bei mir: Hypo naht!
  • Schlappe Arme, heißer Kopf, das Gefühl, nicht aufstehen zu können, man ist so realitätsfern und in einem Erzählfluss, manchmal aber auch ganz still, der Bauch ist flach 😉 (na ja fast ;D). Bedeutet bei mir: Hypo ist da!
  • Bekommt ihr auch Hitzewallungen, wenn sich der Blutzuckerwert gerade ganz schnell nach oben oder unten bewegt? Und wenn man dann noch wie durch Nebel sieht und der Bauch runder wird… bedeutet bei mir: Blutzucker erhöht sich!
  • Und wenn ich mit Hitzewallungen fernab in andere „Welten“ rausche… bedeutet das bei mir: Blutzucker sinkt!
  • Ein dicker Bauch trotz dem ich gar nicht zu viel gegessen habe, lustlos, depressiv, Beine schwellen an, es fehlt der Lebensmumm… bedeutet bei mir: Hoher Blutzucker!

Euch kommen die genannten Anzeichen nicht bekannt vor? Nun ja, jeder hat halt seine eigenen „diabetischen, feinen Zeichen“, die sich teils auch Situations-, Zeit- und Raum-bedingt wieder anders anfühlen und äußern, mit denen Wunderwerk Körper uns netterweise aber rechtzeitig warnen möchte. Ich meine damit nicht etwa die offensichtlichen, „groben“ Hinweise, wie Zittern, Schwitzen, Müdigkeit, Heißhunger, Aggressivität, … Nein, sondern eben diese individuellen Anzeichen, die sich kaum in Worte fassen lassen.

Ich übe mich, wie oben angedeutet, jedenfalls gerade darin, noch etwas mehr in mich hineinzuhorchen. Die Zeichen zu deuten und mich selbst zu fragen „Was läuft hier gerade anders?“. Nicht immer einfach… aber es klappt zunehmend besser und wir Diabetiker sind gute Selbstforscher, sehr gute ;D. Hey und vielleicht werde ich ja bald Expertin meines eigenen Körpers und benötige auch kein Blutzuckermessgerät mehr? Na ja gut, etwas sehr weit hergeholt, dennoch gelingt es mir teilweise sehr gut, die Zeichen richtig zu deuten. Teilweise geht es aber auch mal völlig in die Hose… Also verlassen sollten wir uns auf unseren Blutzucker-Instinkt/Diabetes-Instinkt von daher lieber nicht…

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  • Anne-Chr.

    Hallo Steffi! ich bins schon wieder. Ich hatte mal eine trotzphase, da habe ich den Zucker auch nicht gemessen und das hat gut hingehauen laut hba1c. Ich bin aber auch schon seit ich 2 bin diabetikerin. ich kann dir nicht sagen wie man sich ohne diabetes fühlt.

  • Cori

    Also ich kenne Jahre ohne Diabetes, Jahre mit Diabetes und ohne Messgerät und viele Jahre mit beidem und je seltener ich messe, desto weniger kann ich Anzeichen deuten. Ich glaube das ist wie bei dem BE-Schätzen, wenn man sich nicht irgendwann mal mit einer Waage eicht, ist die „2-BE-Brotscheibe“ nicht mehr 5mm stark sondern 15mm (hat das eigentlich schon mal jemand gemessen?? 😛 )
    Also für mich wäre Diabetes ohne Messgerät grausame Vorstellung.

  • @Anne: So eine Trotzphase hatte ich auch und möchte ich nie wieder haben ;/. Mein HbA1c war da jenseits von Gut und Böse. Aber hatten wir ja schon ausführlich drüber gesprochen ;D @Cori: Diabetes ohne Messgerät wäre für mich auch ein Graus. Finde es aber „spannend“ zu lernen die Zeichen zu deuten. Allerdings manchmal echt schwer, besonders wenn man abgelenkt ist.

  • Ich könnte das nicht. Die Hypo merkt man ja irgendwann (so bei 32, ächz), auch wenn die Zeichen bei mir stark schwanken (Sprachstörungen, Zittern, kalter Schweiß). Die hohen Werte merke ich vermeintlich bei Durst, trägem Hirn, Hitzewallungen usw.

    Dummerweise sind einige der Indizien aber abwechselnd für beides, ich würde also nicht aufs Messen verzichten. Warum auch, das Messen finde ich das leichteste beim Diabetes-Bewältigen.

  • Ohne Messen geht echt gar nicht, aber ich finde die Zeichen sehr spannend und man lernt sie im Laufe der Diabetes-Karriere immer besser zu deuten…

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