Neben Weltrekordler Christian Hottas und ohne Diabetes: ein etwas anderer Marathon!

Als erstes beantworte ich euch gern die Frage, die ihr euch sicher gerade stellt: „Warum/wie läuft sie denn einen Marathon ohne Diabetes?“ Nein, ich bin nicht wie durch ein Wunder geheilt… leider

  • Grund 1: Ich bin ganz froh wenn ich mein liebstes Hobby, den Sport, vom Diabetes trennen kann, so gut es eben geht. Beruflich, privat, der Blog, ganz nebenbei 😉 noch selbst betroffen, die besorgte Family… das ist manchmal zu viel des Guten. So viel Aufmerksamkeit hat der Diabetes nicht verdient. Beim Marathon am Sonntag in der Eskorte 2000 mit Christian Hottas in Hannover wollte ich ihn also einfach mal nicht beachten in den Mittelpunkt rücken, den Doofen. 
  • Grund 2: Ich mag keine Extrawürste, die schmecken mir nicht. Ihr wisst was ich meine, oder? Sorge, dieses „Das darfst du doch nicht“ oder „Das hier ist besser für dich“… Nöö das nervt mich genauso wie dieses „Wir haben das extra für die Diabetiker so gemacht…“
  • Grund 3: Ich bin auch noch die Steff und nicht nur DIE Diabetikerin.

Über die Diabetes-Probleme während des Marathons

Der Doofe ist manchmal nicht ganz so doof und hat Sonntag scheinbar schnell gemerkt, dass er mal nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen sollte (siehe Grund 1). Als könnte der Diabetes böse Pläne schmieden ;/…

Mit dabei trotz expliziter Ausladung: Mein Diabetes!

  • Erst wollte das CGMS nicht mitspielen, so zeigte es mir eine Stunde lang ohne den gewohnten Trend-Pfeil ein und denselben Blutzuckerwert von 121 mg/dl an. Ich wollte eine Gegenmessung machen, allerdings hab ich meine  
  • Stechhilfe in meinem Laufgurt  wegen der vielen Taschen und des Krams darin nicht gefunden. Gut, dass ich Jens, einen hilfsbereiten Sportfreund neben zahlreichen anderen Zuschauern erblickte. Zufall? Er zückte jedenfalls das RIESIGE Messer (was Männer so bei sich führen ;)) und zack zarapp floss das Blut, was wahrscheinlich noch für 1.978.935… weitere Blutzckermessungen gereicht hätte, wenn es nicht so schnell geronnen wäre ;). Alles wieder gut. Danke Jens!!! PS: Meine Stechhilfe hatte ich natürlich im Ziel in meiner Tasche wieder gefunden. Grrr…
  • Dreimal fiel mir dann noch der PDM meines OmniPods herunter. Beim dritten Mal habe ich ihn nur durch Herausnehmen und Einlegen der Batterien wieder zum Laufen 😉 bekommen. Das GOTT SEI DANK nach der Panik. 
  • Das CGMS machte keine Probleme mehr und der Blutzucker war die gesamten 42,195 km über ziemlich stabil. Bei Blutzuckertrend bergab gabs vorsorglich Kohlenhydrate in Form von Müsliriegeln und co (alles außer Obst/Bananen, die vertrag‘ ich beim Sporteln nämlich nicht). Gegen Ende des Laufes stieg der Blutzucker seltsamer Weise extrem an. Na ja irgendwann ist der Körper gestresst, der Kopf hat auch schon genervt „Stopp jetzt, kein Bock mehr, was soll das hier, bald Ende in Sicht?…“.  Das übliche „Bla-bla“ im leeren Kopf, das nach Kilometer 32 einsetzt. 
  • Noch mal zum OmniPod: er hat mich nicht im Stich gelassen und wie gewohnt nen guten Dienst erbracht!!! Hat drei Stürze überlebt, die aufgrund meiner Taschen-Rummusselei zu Stande kam. ABER und jetzt „Meckermodus“ ein: Ich konnte kaum etwas auf dem Display erkennen, da die Sonne es nicht zuließ, sich auf dem Display spiegelte. Nun habe ich doch etwas gefunden, was neben des penetranten Piepens verbessert werden müsste ;)!
Kurz vorm Ziel haben wir gestoppt und den "roten" ;) Christian Hottas selbstverständlich als Ersten einlaufen lassen :)

Kurz vorm Ziel haben wir gestoppt und den „roten“ 😉 Christian Hottas selbstverständlich als Ersten einlaufen lassen 🙂

Über den Marathon-Lauf in der Eskorte 2000

So viel zum Diabetes, nun zum Lauf in der Eskorte 2000 (hinter diesem Link verbirgt sich ein schöner Bericht darüber). Was soll ich sagen: Es war ein etwas anderer Marathon, ein ganz besonderer. Ein Marathon…

  • ohne Zeitdruck
  • mit vielen verrückten, interessanten, liebenswerten Menschen (über 80 Leute waren in der Eskorte), die unterschiedlicher nicht sein könnten,
  • die der Weltrekordler Christian Hottas die gesamte Strecke über als Team beisammenhielt.
  • Ich bin stolz diesen Marathon gemeinsam mit der verrückten Meute bestritten zu haben, die ZUSAMMENHALT und GEMEINSCHAFT riesengroß schreibt.
  • Es war ein Marathon bei dem Hand in Hand ins Ziel gelaufen wurde (Spalier vor der Ziellinie) und der genau deshalb zu Tränen rührte.
  • Aber natürlich auch, weil die Freude mit Christian Hottas riesig war, der den 2000ten Marathon/Ultra damit in der Tasche hatte!!! (Mittlerweile wahrscheinlich schon seinen 2003ten?). Damit ist er jedenfalls mehr als zwei Mal um die Welt gelaufen.
  • Wir haben uns in der Eskorte 2000 prächtig verstanden und die neuen Kontakte, die ich knüpfen konnte, sind mir Gold wert…

Eskorte 2000 wollte gezeichnet werden ;). Das Logo sollte bekannt sein. Wie war das? Rot = Super-Marathon-Mann Christian Hottas, und gelb = Eskorte 2000 😉

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  • Lilo

    Muss wahrlich Spaß gemacht haben. Sehr gut! Musste über das erste Photo schmunzeln. Beate Uhse im Hintergrund :-DDD.

    • ;). Ja es war wirklich ohne Zeitdruck, fast entspannend, sehr emotional und vor allem waren die verrückte Meute und Christian einfach super!!!

  • Anonymous

    Liebe Steff,

    meisterhaft gelaufen und gemanagt; und dies trotz der üblichen bzw. nervtötenden Diabetespannen.

    Echt spitze.

    Liebe Grüße
    Rebecca

    P.S: Schon mal daran gedacht den Pod an der Wade zu tragen? Sieht aus wie ein Schrittzähler…

    • Liebe Rebecca, bei diesem Lauf stand die Gemeinschaft im Vordergrund. Das war die Herausforderung dabei. Danke dir!

      Den Pod möchte ich nie wieder an der Wade sitzen habe, als „Bein-Bewegungstier“ führt das bei mir nur zu Problemen und kann auch schmerzhaft enden. Arm, Achsel/Brustbereich und unterer hinterer Rücken/Hüfte funktioniert, wo anderes: „no chance“ ;).

  • Anonymous

    Jeder einzelne von euch kann mehr als stolz sein, solch eine Strecke von dieser Strecke zu bezwingen.

    Aber dies auch noch, als die Stechhilfe „unauffindbar“ war. Ich werde bei solchen Vorkommnissen erst mal „wiklisch“.Respekt bei solch einer sportlichen Herausforderung.

    Ich konnte dies bisher nicht so genau aus deinen Berichten herauslesen, dass die Wade für dich keine Alternative ist. Bei mir steht an dieser Stelle der Oberschenkel und der Rücken.

  • wolpacchiotto

    Das mit den vielen Taschen und dem ganzen Sche… den man mit sich rum schleppen muss ist echt eine Katastrophe. Manchmal vergisst man auch mal was und ist dann aufgeschmissen. Das kennt ja jeder Diabetiker…
    Ich würde mir wünschen das man das CGM und die Pumpe über das Smartphone bedienen könnte. Dann würde man sich schon 2 Empfänger sparen…

    Aber worüber ich mich noch mehr freuen würde, wäre wenn man endlich sowas wie nen künstlichen Pankreas hinbekommen würde. Da wird ja schon geforscht… Der vielversprechendste Ansatz ist der Bio-Reaktor siehe:

    http://www.diabetes-kids.de/artikel/mogliche-therapieoptionen-der-zukunft-bei-diabetes-mellitus-dresdner-wissenschaftler-erforschen-bio-reaktor-3793

    Aber ich bin sehr skeptisch das da in absehbarer Zeit was passiert, besonders in Deutschland. Falls die Israelis das Ding zum laufen kriegen, würde die Erlassung einer allgemeinen Zulassung und bis die KK das Bezahlen, Ewigkeiten dauern. Die Pharmaindustrie verdient zu gut an uns…
    Die eierlegende Wollmilchsau darf man doch nicht schlachten ^^

    Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Also Kopf hoch, Zähne zusammenbeissen und weiter Daumen drücken 😉

    LG

    wolpacchiotto

    • Anonymous

      Wenn ich an die letzten dreißig Jahre zurückblicke, finde ich das med. Leistungsangebot für uns Typ-I Diabetiker mehr als dürftig. Zudem waren es nahezu ausschließlich die USA die den Markt bedient haben. Liege ich da falsch?

      Irgendwie hatte man schon das Gefühl Schattenkind zu sein….

      Es gibt aber heutzutage hochengagierte Familien,die Unmengen von Geld in optimale Therapiemöglichkeiten stecken. Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass unser Krankheitsbild in der Vergangenheit nicht großartig interessiert hat. Es ist doch viel einfacher Betroffenen einen Stempel aufzudrücken.

      Wie siehst du das?

    • Hallo Anonym,
      danke für deinen Kommentar, ich sehe das recht ähnlich. Irgendwie wird einem immer nur Hoffnung gemacht und ich frage dann immer meine Ärztin, wann kommt denn das mal bei uns an? Ich möchte das auch haben. Und meine Ärztin sagt dann, wir werden eine Heilung sowieso nicht mehr erleben und sollten uns mit den Fortschritten wie CGMS zufrieden geben, die allerdings meistens auch nicht von den KK genehmigt werden :/: Sie hat auch selbst Diabetes. Schade! Dann lese ich oft wieder in der USA-Presse, was es tolles neues gint und mache mir wieder Hoffnung und wieder und wieder :/.

    • Hallo wolpacciotto,
      ich habe mir selbst schon Gedanken gemacht, wie, was uns den weiterhelfen könnte. Welche Systeme fehlen… Danke dir auch für deinen Link… Ideen sind da, Studien und Tests laufen auch. Ich war auch schon sehr angetan vom intelligenten Insulin und sonstigen Dingen… aber ich habe die Hoffnung ehrkich gesagt aufgegeben. Glaube nicht, dass wir es noch erleben werden. Unsere Kinder vielleicht? Ich habe beim Marathon gefühlt nen Koffer mitgeschleppt, meine Arme waren verklebt, eine Seite Pod, andere CGMS. Beide Empfänger der Geräte wollten, neben Teststreifen, Stechhilfe, Handy, Müsliriegel, Schlüssel, Taschentüchern und Getränken in den Laufbelt gequetscht werden… Wobei das Handy/Smartphone, den wenigsten Platz einnahm… ohne Worte ;/.

    • wolpacchiotto

      Hi Steffi,

      in gewisser weise teile ich deine „Hoffnungslosigkeit“. Selbst wenn es in den nächsten 20 Jahren eine dauerhafte Lösung geben wird, werden wir die spätestens 10-20 Jahre später erst erhalten. Also in sehr sehr weiter Zukunft…

      Das mit dem ganzen Kram den man immer mitschleppen muss finde ich echt furchtbar. Manchmal habe ich das Gefühl das bevor ich Laufen gehe, Sport mache oder auch nur aus dem Hause will ich eine kleine logistische Meisterleistung vollbringen muss. Alles planen einpacken und dann noch rumschleppen wie ein Packesel. Wenn ich dann zurück denke an die Zeiten wo ich mir um nichts Gedanken machen musste und alles so viel einfacher war, dann kommen so einige unterdrückte Gefühle wieder hoch. Wut, Frust, Traurigkeit, Enttäuschung und noch so vieles mehr…

      Aber das kennt warscheinlich jeder Diabetiker der noch die Zeiten ohne Pen erleben durfte…

      Aber da hilft es wohl nur die Zähne zusammen zu beissen, das Leben zu geniessen und einen winzig kleinen Funken Hoffnung irgendwo ganz weit hinten in unserem Bewusstsein versteckt aufzubewahren damit das Leben einem wieder erträglicher erscheint.

    • Anonymous

      Zeit mit Pen oder Pumpe ohne hin oder her. ich finde das ich heute genauso viel rumschleppen muss wie vor 37 jahren als ich diabetes bekam. bitterbüse bin ich auch weil mein mobiltelefon übnerall hinein passt. wie steff schon andauernd schreibt. aber pumpe insulin messgerät teststreifen ersatz lanzetten notfallausweis glucose … gibts nicht wie steff das immer nennt „all-in-one“. das sollte ins handy integriert sein, wie steff das hier schon vor jahren gebloggt hat.
      viele grüße
      jan

  • wolpacchiotto

    @anonym
    Ich glaube mit einigen deiner Beobachtungen liegst du richtig. Sicherlich hat man Diabetiker früher nicht so stark beachtet wie heute.

    Der Wandel kam mit steigenden Zahl an Diabetikern(besonders Typ 2) die diesen Markt besonders attraktiv gemacht haben. Man muss immer vor Augen haben das die Pharmaunternehmen Geld verdienen wollen und die Patienten Ihnen dabei häufig scheiss egal sind. Jedenfalls scheinen einige unabhängige Studien bezüglich neuer Medikamente dies zu bestätigen…(z.B. Krebsmedikamente die keinen nutzen haben und sogar tödliche Nebenwirkungen haben und nur zugelassen worden sind weil die Kontrollen bzw. die Studien von den Pharmaunternehmen selbst durchgeführt werden müssen…)

    Wenn also geforscht wird dann nur weil man hofft Profit damit zu machen. Also ist der Anreiz eine dauerhafte Lösung zu finden sehr gering.

    Hinzu kommt das die KK ein Interesse daran haben Geld einzusparen, häufig zu Lasten von uns Patienten…(Bsp. CGM: kurzfristig Geld sparen obwohl langfristig teurer…)

    Damit sitzen wir leider in einer möglichst ungünstigen Position. Die einen wollen an uns verdienen und die anderen an uns sparen. Beide haben relativ viel macht(Lobbyarbeit…) und wir als Patienten ziehen letzendlich den kürzeren.

    Das mit dem Stempel stimmt sicherlich auch. Allerdings glaube ich das wir da auch zum Teil selber mitwirken bei der Erschaffung dieses „Stempels“. Ich glaube das wir(Diabetiker) häufig schüchternd oder nicht offen genug mit unserem Diabetes in der Öffentlichkeit umgehen. Jedenfalls war das bei mir eine ganze Zeit lang so.

    Ich wollte nicht als „der Diabetiker“ abgestempelt werden und habe es dann in gewisser Weise verheimlicht vor meinen Umfeld. Erst mit der Zeit habe ich gelernt damit offen umzugehen und habe gemerkt, dass wenn man damit offen umgeht die Leute weniger einen als „den Diabetiker“ sehen, als wie wenn man damit verschwiegen umgeht. Man erzieht mit einem offenen Umgang mit seinem Diabetes seine Mitmenschen und sorgt gerade dafür das der „Stempeleffekt“ ausbleibt oder zumindestend abgeschwächt wird.

  • Anonymous

    Lieber wolpacciotto,

    ich stimme in vielem mit Dir überein. Aber bezüglich der Offenheit mit dem Diabetes habe ich leider komplett gegensätzliche Erfahrung gemacht.

    Sofern niemand vom meiner Diagnose wusste, komme ich gut voran. Muss aber auch zugeben, dass ich sehr negative Beispiele mit einem offenen Umgang erlebt habe. In einem Unternehmen hat man mitbekommen, dass ich dieses Krankheitsbild habe. Und dann fing es mit dem übelsten Mobbing an. Obwohl ich nie großartig gefehlt habe….Das in einem der größten Krankenhäuser Deutschlands….Wenn das die Leute sind, die uns mal heilen wollen…..Schuld ist u. a. aber auch die Regierung für diese fehlerhafte Entwicklung.

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