Selbstsicher mit Diabetes – auch im Job!

Auf einer Job-Messe bei der ein kostenloser Bewerbungsmappencheck angeboten wurde, habe ich vor einiger Zeit einmal die Gelegenheit genutzt und meine Unterlagen prüfen lassen. Ein Glück, dass ich wirklich eine richtig gute Beraterin hatte, die sich viel Zeit für mich genommen hat. Eine Stunde lang hat sie mir hilfreiche Tipps gegeben auch im Hinblick auf den Diabetes. Fragen wie „Soll ich den Diabetes bereits in der Bewerbung, bzw. überhaupt, angeben?“ wollten geklärt werden. Ebenso Fragen zum Schwerbehindertenausweis. Soll man einen beantragen oder nicht?

Fragen über Fragen, Gedanken über Gedanken, die man nicht pauschal beantworten kann. Jeder muss das für sich selbst entscheiden. Ich habe für mich entschieden mit dem Doofen offen durchs Leben zu ziehen. Ich bin trotz des Diabetes eine vollwertige Arbeitskraft! Mein Lebenslauf zeigt, dass ich mir für nichts zu schade bin, meist ehrgeizig und motiviert durchs Leben gehe laufe 😉.

Pssst... Mr. Invisible - Selbstsicher mit Diabetes auch im Job!

Pssst… Mr. Invisible – Selbstsicher mit Diabetes auch im Job!

Die Beraterin auf der Messe war über Diabetes Typ 1 gut informiert und meinte, dass ich natürlich weiterhin offen dazu zu stehen sollte. Sie hatte keineswegs den Eindruck, dass ich darunter „leide“, der Diabetes mich stark einschränkt und war sich auch ziemlich sicher, dass sich auch der Arbeitgeber nicht daran stören würde. Warum auch? Oft sind vor allem Typ-1-Diabetiker beliebte Arbeitskräfte, da sie sehr diszipliniert sind und Eigenverantwortung übernehmen können. Abgesehen davon, dass ich eh mit meinem Blog in der Öffentlickeit stehe (und nicht nur mit diesem), bin ich ein offener und ehrlicher Mensch (Notlügen zählen nicht ;D) und ich glaube, es würde mir auch sehr schwer fallen, nicht ein Wort über den Diabetes auf der Arbeit verlieren zu dürfen, bzw. heimlich fix den Blutzucker messen, Traubenzucker essen oder „spritzen/pumpen“ zu müssen.

Will ein Unternehmen mich aufgrund meines Diabetes nicht einstellen (was auch schon vorgekommen ist), dann wäre diese Arbeitsstelle wohl auch nicht die richtige für mich. Es muss eben passen. Da kann man auch nichts passend machen: Der Diabetes ist nun mal mein Begleiter. Hab mir den ja auch nicht gewünscht!

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  • Finde das genau so, wie du es machst, richtig! Natürlich muss es jeder für sich selbst entscheiden. Aber ich hab auch schon jetzt in der kurzen Zeit gemerkt, dass es einfach mehr Sinn macht, offen dazu zu stehen und damit in die Welt hinaus zu gehen!
    Wieso sollte man sich mit Diabetes verstecken? Wir habens uns ja, wie du schon gesagt hast, nicht ausgesucht!

    • Danke. Ich denke auch, dass es so für mich die richtige Entscheidung war. Allerdings muss man das individuell für sich abwägen. Kommt auch auf die Arbeitsstelle und den Arbeitgeber an und auf ganz viele Faktoren. Genau wie die Entscheidung Schwerbehindertenuasweis „ja“ oder „nein“. Alles hat immer Vor- und Nachteile. Als Schwerbehinderter hat man beispielsweise ja 5 Urlaubstage mehr. Aber diese Zeit brauchst du auch mehr für Diabetesmanagement, Arztbesuche,… Du hast Kündigungsschutz, bist damit aber nicht unkündbar (Intergrationsamt muss eingeschaltet werden)… Steuervorteile… na ja solche Dinge halt. Anderseits müssen Unternehmen aber auch eine Ausgleichszahlung vornehmen, wenn sie nicht eine gewisse Quote Schwerbehinderte Menschen einstellen,… Aber ich habe mich auch so wie du für den Weg entschieden offen mit meinen nervigen Begleiter durchs Leben zu ziehen. Akzeptiere/Toleriere/Verstehe es aber auch voll und ganz, wenn es andere Diabetiker nicht so handhaben möchten. Danke für deine Meinung und liebe Grüße zu dir.

  • Danke, du hast mir wirklich Mut gemacht Steff! Deshalb liebe ich deinen Blog so sehr. Für mich gehört über den Diabetes reden, spritzen und messen genauso zum Tag wie Haare bürsten, telefonieren, essen und trinken!

    Ich werde meinen Diabetes auch weiterhin angeben. Schließlich habe ich mich ja auch in dem Bereich engagiert.

    Danke 🙂

    • Das freut mich :). Und dein Engagement im Diabetes-Bereich wissen viele zu schätzen und das kannst du definitiv auch mit im Lebenslauf aufnehmen. Du bist gerade in einer heißen Bewerbungsphase, oder?
      Ich drücke dir in jedem Fall die Daumen, dass du die passende Stelle findest. Alles Liebe!

  • Anonymous

    Spitzenartikel.

    Aber wie gesagt, es muss jeder für sich selber entscheiden. Aber aus Erfahrung kann ich eines sagen:

    Wenn man aufgrund von Diabetes nicht eingestellt wird, sollte man sich hinterher nur eine Frage stellen: Hättest du wirklich in dieser Firma arbeiten wollen, bei solch einem Arbeitgeber?

    1)Es gibt Leute, die haben schon von Anfang an ein Vorurteil. Das kuriose dabei ist, diese Leute haben keinerlei Erfahrungswerte mit der Diagnose…Haben irgendwann mal was gelesen und plappern dies nach ohne überhaupt nachzudenken.

    2)Und dann gibt es Leute, die behandeln einen genauso gleichwertig und schätzen die Arbeitsleistung. Sind aber auch oft Personen, die weit oben in der Chefetage sitzen.

    Aus Erfahrung versuche ich mich mit der ersten Gruppe nicht großartig abzugeben. Da bin ich knallhart.

    LG Rebecca

    • Danke Rebecca, du hast da ja auch schon genug miterlebt und da kann ich dich auch sehr gut verstehen!

  • je größer der betrieb bis hin zum konzern, umso professioneller geht es zu. konzerne müssen quoten an behinderten einstellen und diabetiker gehören dazu und erfüllen mit relativ geringem ausfallsrisiko diese quote sehr gut mit. zudem ist ab 50% auch ein erhöhter kündigungsschutz drin, der ab einem gewissen alter nicht zu uinterschätzuen ist. dazu sollte man sich ab und an neu einstellen und vom versorgungsamt taxieren, am ende dann vom arbeitsamt aus beruflichen gründen gleichstellen lassen….
    küma

  • So sieht es aus, danke für die weisen Worte. Wobei ich dachte, dass man sich nur gleichstellen lassen kann, wenn man die 50 Prozent Schwerbehinderung nicht hat, sprich darunter liegt.

  • Anonymous

    @danke steff.

    @küma
    Ich muss da leider, leider ein veto einlegen. Als ich in einen der größten Unternehmen der Gesundheitsbranche gearbeitet habe, habe ich exakt das Gegenteil erlebt. Von Professionalität war da gar nichts mit dabei….

    Ich persönlich finde es schlichtweg eine Anmaßung, wenn man wegen seiner Diagnose diskriminiert wird. Obwohl man nicht mal einen Schwerbehindertenausweis hat und auf keinerlei Hilfe angewiesen ist. Ziemlich armselig…

    Aber auch ein Arbeitgeber mit dem ich mich unter keinen Umständen identifizieren möchte. Man sollte sich nicht zu sehr von allzu großen Namen blenden lassen und sich sein eigenes Urteil bilden.

    LG Rebecca

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