Kriegserklärung in der Diabetologie

Szenario im Wartezimmer der Diabetologie ;), vielmehr in der diabetologischen Schwerpunktpraxis meines Vertrauens:

  • Alte Dame“ sprach zur Mutter eines Sohnes, der sich gerade seinen Blutzucker gemessen hatte: „Ooh der Zucker Ihres Sohnes ist aber zu hoch, 141 mg/dl… oh je“.
  • Die Mutter des Sohnes erwiderte: „Das kommt schon mal vor…“.
  • Alte Dame: „Na das sollte es aber nicht“.
  • Mutter schroff: „Kümmern sie sich nicht um die Blutzuckerwerte meines Sohnes sondern um ihre eigenen“.
  • Alte Dame: „Ich messe nie so einen hohen Blutzuckerwert.“
  • Mutter: „Dann freuen sie sich darüber. Die Blutzuckerwerte meines Sohnes sind nicht so leicht einzustellen. Ich vermute sie haben Diabetes Typ 2, das kann man nicht mit dem Typ 1 Diabetes meines Sohnes vergleichen.“
  • Alte Dame: „Diabetes Typ 2? Wie kommen Sie denn darauf? Wollen Sie damit sagen, dass Sie mir das ansehen?“.
  • Mutter: „Wie sollte denn ein Typ-2er ihrer Meinung nach aussehen? Nein, ich komme darauf, weil Sie meinten, dass sie noch nie einen Blutzuckerwert in der Höhe gemessen haben und so geschockt reagiert haben bei einem Blutzuckerwert von 141 mg/dl.“
Diabetes-Monster

Diabetes-Monster

Dann war Ruhe, die ältere Dame schmollte. Warum auch immer. Ich fand die letzte Aussage der Mutter recht passend und keineswegs beleidigend, ganz im Gegenteil. Vielleicht wollte die ältere Dame aber der Mutter ein Vorurteil wie „Typ-2-Diabetiker sind generell übergewichtig“ entlocken? Jedenfalls schien sie auf Krawall gebürstet zu sein.

Ich weiß nicht, ob ich es mir nur einbilde, aber ich habe manchmal das Gefühl, gleich bricht ein „Krieg“ zwischen Typ-1-Diabetikern und Typ-2-Diabetikern aus. Sei es im Wartezimmer, in Diabetes-Foren oder auf Diabetes-Veranstaltungen. Kommentare wie „Typ-2er haben aber selbst Schuld aufgrund ihres Übergewichts, dass sie an Diabetes erkrankt sind“ finde ich dabei mindestens genauso wenig angebracht wie „Du hast Diabetes Typ 1, dann darfst du keinen Zucker essen“… oder „besser“ noch: „… dann hast du wohl als Kind zu viel Zucker gegessen“.

Schade, dass man sich so „anfeinden“ muss, gleichgültig ob nun Typ-1er Typ-2er „den Krieg erklärt“ oder umgekehrt oder Typ-1er Typ-1er oder Typ-2er Typ-2er oder… Jeder hat eben seine eigene individuelle „Diabetes-Geschichte“ und Vorurteile und Besserwissereien haben dazwischen nix zu suchen. Man kann sich ja wohl noch mit Respekt behandeln.

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  • KATJA

    DANKE !!!

  • Anonymous

    Tja solche Situationen passieren leider immer wieder. Die Mutter hat aber sehr gut reagiert (spitzfindig aber nicht frech)!
    LG: Peter

    • Stimmt, ich fand die Reaktion auch gut. Aber die ältere Dame scheinbar nicht ;/.

  • Anonymous

    Tolle Reaktion der Mutter! Zumal der BZ Wert ja wohl ein Traum ist! Der Typ1 vs. Typ 2 Terror war schon immer da! Aber ich finde verstärkt, seit die Medien so oft falsch berichten! Wie oft ich gefragt werde, ob ich mal sehr dick war, ist der Wahnsinn! Ich wurde auch schon von Typ 2 Diabetikern richtig angepampt, weil ich so jung schon Insulin brauche! Und mit ein bisschen Sport und Ernährung wäre es doch getan.
    Die Distanzlosigkeit und die Gereiztheit ist bei Diabetikern echt extrem. Und das alles wegen gefährlichem Halbwissen!

    Liebe Grüße
    Vicky

    • Ja Vicky du hast vollkommen Recht. Leider ist das so. Ich habe auch schon schlechte Erfahrungen diesbezüglich gemacht und würde sogar soweit gehen und behaupten, dass mich damals die Vorurteile „zerfressen“ haben und ich nach meiner Diagnose mich deshalb für den Diabetes „geschämt“ und mich eingeigelt habe, obwohl mir immer wieder beteuert wurde, dass ich NICHTS dazu kann… Danke! Lieben Gruß Steff

  • Ich kann mich Vicky anschließen, seit man in den Medien immer wieder falsche Berichte hört (& seit alle über „unsere“ „Volkskrankheit“ berichten), scheint es irgendwie schlimmer zu sein… Mich nervt das auch wirklich, andererseits würde ich das nicht bagatellisieren wollen, wenn jemand Typ 2 hat. Das kann auch ein ganz schöner Einschnitt ins Leben sein und ist für den Betroffenen nicht weniger schlimm als Typ 1.
    Andererseits distanziere ich mich aufgrund dieser ganzen Aussagen und des Halbwissens aber von Typ 2 Diabetikern. Ich sehe das einfach als verschiedene Krankheiten an und gut ist. Aber ich würde da niemanden anfeinden oder blöde Kommentare machen (Beispiel: Mein derzeitiger Ausbilder. Typ 2 Diabetiker und hat gejammert weil er jetzt 1 Woche seinen Zucker regelmäßig kontrollieren soll, weil sein HbA1C schlechter geworden ist. In dem Moment für ihn wahrscheinlich wirklich schlimm… wir messen jetzt zusammen 😉 ).
    Außerdem, seit es noch Typ 3 und 4 und 5 und 17 gibt ist es doch eh nur noch eine Frage der Zeit bis sich da in den Bezeichnungen mal was tun wird 😀

    • Du hast völlig Recht, auch damit „…andererseits würde ich das nicht bagatellisieren wollen, wenn jemand Typ 2 hat. Das kann auch ein ganz schöner Einschnitt ins Leben sein und ist für den Betroffenen nicht weniger schlimm als Typ 1.“

      Und die Sache mit der Typen-Bezeichnung hatte ich auch schon bemängelt ;), aber auf uns hört ja keiner ;): Ich habe Pankreas Exitus

      Danke für die gewinnbringenden Worte hier im Blog :)! Freut mich sehr.

  • Anonymous

    Du sprichst mir aus der Seele. Danke! Ich finde diesen „Krieg“ zwischen Typ 1ern und Typ 2ern so blödsinnig. Das hilft doch keinem!

    • Richtig, es hilft wirklich keinem. Leider bekomme auch ich hier im Blog Kommentare wie „Typ-2er haben selbst Schuld, die haben sich ihre Krankheit selbst angefressen“. Sowas finde ich völlig daneben!!! Zumal wie lb auch unten schreibt, das nicht immer der Fall ist. Und selbst wenn es so ist und jemand „esssüchtig“ ist und dadurch Diabetes bekommen hat, sollte man sich nicht so äußern. Denn auch eine Esssucht oder starkes Übergewicht haben meistens Hintergründe psychischer Belastungen. Solche Leute sollte man lieber an die Hand nehmen und ihnen helfen und ihnen nicht vor den Kopf stoßen!

  • lb

    FULL ACK
    Als offizieller Typ 2, der sich aber noch nicht reif für den Diabetiker-Kaffee im Seniorenheim fühlt, nicht extrem dem Klischee entspricht oder entsprechen will, finde ich diese Frontenbildung Typ1 <> Typ2 ziemlich nervig. Das hängt sicherlich mit der unpräzisen Darstellung des Diabetes in den Medien sowie auch mit einem bei vielen meiner „Mit-Typ2er“ geringen Interesse an allen Aspekten der Krankheit zusammen.
    In vielerlei Hinsicht beneide ich die Typ1-Community um die enge Vernetzung, leider habe ich weiterhin Schwierigkeiten, in der Region eine aktive Community ( Typ wie auch immer) zu finden, die nicht als Treffpunkt ein Senioren-Heim hat.
    Ich finde die Ausgrenzung von Typ2ern unfair. Nicht jeder Typ2 hat sich „den Diabetes angefressen“, es gibt auch erbliche Komponenten bei der Insulinresistenz und auch die Lebensumstände / andere Erkrankungen spielen eine Rolle.
    Wir sollten stattdessen versuchen, unsere Interessen möglichst breit gestreut zu vertreten.

    Lutz

    • Ja die lieben Medien… da läuft einiges schief und manche Berichte machen mich echt traurig, vor allem wenn ich darüber nachdenke, wer das alles liest und was daraus noch weiter „gesponnen“ wird :/. Aber das betrifft natürlich nicht nur den Bereich „Diabetes“. Man muss halt schauen, wer der Verfasser des Textes ist und ob er sich mit der „Materie“ wirklich auskennt.

      Die Vernetzung der Typ1er ist teilweise schon ganz gut, auch über Facebook und Foren. Aber auch hier gibt es oft „Krieg“ und „Gepöbel“. Besserwissereien sowieso. Ich bevorzuge es mich persönlich mit den Leuten in meiner Umgebung zu treffen. Habe „viele“ Typ1er über FB, im F-Studio und meinen Blog in Hannover kennengelernt, die ich echt lieb gewonnen habe. Auf Facebook habe ich mich auch ein wenig rar gemacht. Ist mir teilweise auch etwas zu oberflächlich geworden und der Umgangston gefällt mir gar nicht. Aus welcher Umgebung kommst du denn? Kann mir schon vorstellen, dass es escht schwer ist „Gleichgesinnte“ zu finden.

      Meine Meinung über Typ 2 und die Sache mit dem Übergewicht hatte ich oben im Kommentar kurz angedeutet. „Angefressen“ hin oder her, selbst in der Hinsicht muss man sich nicht gegenseitig „ausbuhen“… aber man kann es ja leider doch nicht ändern… 🙁

    • Auch noch mal daaaaanke für deine Offenheit Lutz. Sehr hilfreicher Kommentar :).

    • lb

      Umgebung: Ruhrgebiet, genauer Witten.
      Hab aber keine Probleme mit Reisen 🙂

    • Bist du denn auf Facebook auch aktiv? Wäre zumindest ein erster guter Schritt neue Leute kennenzulernen. Da gibt es zahlreiche Diabetes-Gruppen. Kannst mich gern „kontakten“, dann lade ich dich in die Gruppen ein. Dort werden teilweise auch Treffen geplant und neue kleine geschlossene Gruppen gegründet, die sich nach Orten und Diabetes-Typen oder Therapien gliedern.

    • lb

      Seit ca 30 Minuten, hab schon mal ne Nachricht geschrieben.

      LG
      Lutz

    • Wem? Ich hab nix bekommen :(. LG Steff