Das perfekte Blutzuckertagebuch

Zugegeben, ich bin manchmal auch so ein Meister, wenn auch nicht im Blutzuckertagebuch fälschen: Ich kann mir Dinge schön oder schlecht reden, wies mir gerade in den Kram passt ;). Tatsachen werden dann gern auch mal ausgeblendet. Manchmal auch in Bezug auf die Gesundheit. Und neulich beim Diabetologen habe ich auch so einen Meister getroffen.

Das perfekte Blutzuckertagebuch?

Das perfekte Blutzuckertagebuch?

Blutzuckertagebuch beim Arzt im Wartezimmer wurde vom letzten Monat aus dem Gedächtnis(!) nachdokumentiert, weil es der Diabetologe sehen möchte. „Mhh… nicht schlecht, was der alles so im Kopf hat“, dachte sich bestimmt so mancher Patient im Wartezimmer ;). Ohne überlegen zu müssen, schrieb er wie wild die Blutzuckerwerte nieder. Muss ja schnell alles festgehalten werden, bevor er vom Arzt aufgerufen wird. Zum Schluss dann noch ein paar Blutstropfen drüber schmieren, damit es realistisch scheint, vielleicht auch noch mal den Kuli wechseln… Da hat man so seine Tricks.

Aber warum tut Patient das? Um den Arzt zu erfreuen? Nööö, dem Arzt kanns doch egal sein was Patient für Blutzuckerwerte hat. Ist ja letztendlich auch nur ein Unternehmer ;). Wahrscheinlich will Patient nicht als „undiszipliniert“ darstehen? Keine Ahnung.

Mein damaliger Diabetologe hat jedenfalls oft gesagt „Frau Blockus, ohne ihr Tagebuch kann ich Sie nicht behandeln“… mhh aber mit vorgelegter Dokumentation hat es dann auch irgendwie nicht besser geklappt. Meine Blutzuckerwerte waren mal ein wildes, nicht zu erklärendes Durcheinander, welches sich nicht zu letzt dank OmniPod und ein paar Veränderungen in meinem Leben, die mir einfach gut tun, deutlich gebessert hat. Und das, obwohl mein Basis-Insulinbedarf und auch die Bolus- und Korrekturfaktoren gleich geblieben sind.

Ich weiß, dass man es manchmal wirklich nicht in der Hand hat, auch wenn Ärzte oft anders denken und Patient quasi Druck machen und dazu drängen das Blutzuckertagebuch zu „fälschen“ oder einen HbA1c-Wert mit Unterzuckerungen zu erkaufen. Selbst wenn du Kontrollfreak und diszipliniert bist, bedeutet das nicht automatisch, dass du beste Blutzuckerwerte vorzuweisen hast.

Allerdings bringt es dir natürlich rein gar nichts, den Tatsachen nicht ins Gesicht zu blicken. Auch ich habe in meiner Jugend die Blutzuckerwerte ein bisschen in meinen Blutzuckertagebuch „aufgehübscht“. Manchmal hatte ich dieses Werte-Chaos einfach satt und wollte den ein oder anderen Blutzuckerwert, so nicht im Blutzuckertagebuch betrachten.

Es klingt vielleicht etwas eigenartig, aber ich habe danach gestrebt, DAS perfekte Blutzuckertagebuch zu haben, da sollte eben keine Unterzuckerung oder ein Blutzuckerwert über 140 mg/dl drin zu finden sein. Völliger Quatsch, so ein Blutzuckertagebuch hat niemand, denn „perfekt“ gibt es nicht! Na ja obwohl ich mich derzeit schon fast als BZ-Superhero betiteln würde ;). Aber ich weiß natürlich, dass es solche nicht gibt und die Zeit, Hormone und Pipapo auch wieder mal Blutzuckerchaos mit sich bringen werden.

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  • Thierry Lubin

    Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, denn es wäre mir zu anstrengend. Und der HbA1c müsste ja auch noch passen.
    Eher tendiere ich zu „nichteintragen“ wenn ich zu gefrustet bin und dann auch dazu stehen. Kann aber von mir behaupten, das letzte Jahr konsequent geblieben zu sein.
    Habe zwar immer wieder mal ein wenig gezweifelt, aber erst letztens hat mir meine DiabBeraterin wieder Mut gemacht, dass meine Werte doch nicht so schlecht sind wie ich meine. Ist halt so, dass es mal schlechtere Phasen mit chaotischen Werten gibt.
    Aber mein Tagebuch fälsche ich deswegen

  • Da hat uns diese Woche wohl ein ähnliches Thema geritten… 🙂
    Also ich stimme Thierry zu. Das Tagebuch schreiben im Nachhinein wäre mir viel zu anstrengend. Sowas fangen wir gar nicht erst an. Zwar muss ich mich doch immer wieder motivieren, grade, was die Werte außerhalb des Normbereiches angeht (das ist immer ne ganz schöne überwindung, die zu erfassen), was mit mySugr zwar ganz gut klappt, trotzdem landet am Ende nicht jeder Wert im Handy. Und dann ist da diese verurteilende Lücke in den Aufzeichnungen. Aber stimmt schon, man sollte sich davon nicht verurteilen lassen.

  • Werner Schmidt

    Ich habe meine Tagebücher immer „mustergültig“ geführt. Auf Grund der guten Aufzeichnungen konnte meine Diabetologin auch die richtigen Faktoren und die Basalraten besser bestimmen.
    Ein „nachträgliches“ aufschreiben aus dem Gedächtnis ist nach meiner Meinung auch ein Betrug an sich selbst. Im Extremfall verursachen falsche Aufzeichnungen auch eine falsche Behandlung. Die Frage ist doch, wie ein Arzt richtig behandeln soll, wenn er falsche Werte vorgelegt bekommt.

    Heute nutze ich nur noch den elektronischen Weg mit dem Messgerät Insulinx von FreeStyle. Alle 14 Tage mache ich einen Download und sende die Daten zu meiner Ärztin. So hat sie auch außerhalb der regelmäßigen Untersuchungen einen genauen Überblick und bei Problemen oder einer Anpassung der Faktoren, können wir dies meist per e-Mail, oder telefonisch klären. Funktioniert Suuuuper und ich muss nur für Rezepte außerplanmäßig in die Praxis.
    VG
    Werner

  • Hi Werner, ich messe über meinen PDM des OmniPods, der auch aufzeichnet wann und wie viel Insulin ich gespritzt habe. Datenaustausch mit PC und dann gehts ab zur Ärztin damit. Also im Prinzip manage ich das ähnlich wie du. Lieben Gruß Steff

  • Oh da muss ich gleich mal bei dir gucken ;). Ja, Apps sind natürlich auch ne Option, aber die finde ich nur dann praktisch, wenn man auch direkt mit dem Smartphone messen und die Pumpe steuern könnte ;). Dann hat man direkt alles zusammen… sowie beim PDM(OmniPod)

  • Na da bring ich dich jetzt hoffentlich nicht auf dumme Ideen ;). In chaotischen Phasen hat man es nicht immer in der Hand. Da versteht man die Werte einfach nicht, spritzt Korrektur und es passiert rein gar nix… Dann gibt es Phasen wo alles wieder super läuft. Momentan kann ich glücklicherweise auch nicht klagen. Liegt wohl am neuen Job ;).

  • Thierry Lubin

    Du bringst mich auf keine „neue“ Idee.
    Ich sehe es als „Selbstbeschiss“, der mir schadet und nicht den Doc.
    Gerade für eine Analyse der schwierigen und teils chaotischen Zeit halte ich es für wichtig, dies auch festzuhalten. Nur so weiß ich im Nachhinein, was vielleicht schiefgelaufen ist und was ich beim nächsten Mal besser machen kann.
    Manchmal komme ich dann auch nicht mit einer Seite im Büchlein hin.
    Es ist schließlich meine Gesundheit und zwar nicht nur heute sondern auch in einigen Jahren.

  • Rainer Stichweh

    Seit der elektronischen Aufzeichnung über die Pumpe habe ich auch nichts (hand-)schriftliches mehr. Alle 10-14 Tage am PC kann ich dann anhand der an der Fernbedienung eingegebenen Sportintensitäten oder Basalabsenkungen doch noch die Aktivitäten gut nachvollziehen und pflegen. Wichtig ist mir auch nicht der Zahlensalat, sondern eher die Diagrammauswertungen daraus. Egal ob BZ 135 oder 155, die Tendenz ist gut erkennbar.
    Nur leider schaut mein Diabetologe da nur alle 6 Monate drauf, also dient es in erster Linie mir der Selbstkontrolle. Bei Schwierigkeiten könnte ich dort allerdings jederzeit Kontakt aufnehmen. Beim regelmäßig zwischendurch zumailen würde er wohl überhaupt nicht mehr zu anderen Patienten kommen. Da ist Werner’s Arzt wahrscheinlich eine beneidenswerte Ausnahme.
    Doof ist nur, dass meine Pumpe kurz bevor die Batterien leer sind, einige Tage dann nicht mehr alle Daten speichert. Das merke ich dann erst hinterher, wenn die Batterien gewechselt sind.
    VG Rainer

  • Da bin ich ja beruhigt ;). Dachte ich mir auch schon, dass du es auch so siehst. Sicherlich ist es sinnvoll gerade in chaotischen Zeiten alles sorgfältig zu dokumentieren. Hatte allerdings auch schon so ein wildes Durcheinander, dass man einfach keine „Struktur“/“Erklärungen für die Werte“ daraus ableiten konnte und somit auch keinen Einfluss hatte. Kennst du das auch?

  • Lieber Rainer, oh ja die Diagrammauswertungen finde ich auch mit am wichtigsten. Du schreibst „Doof ist nur, dass meine Pumpe kurz bevor die Batterien leer sind, einige Tage dann nicht mehr alle Daten speichert.“ Das nervt ja, das Problem hatte ich noch nie. Welche Pumpe hast du denn, wenn ich fragen darf? Ja scheinbar ist Werners Arzt da echt ne (super) Ausnahme. Ich weiß noch, wie ich meinen Arzt die CGMS-Auswertung auf den Tisch gelegt habe. Oh je, dankend wütig „lächelnd“ gab er mir meinen USB-Stick zurück. Öhhm ja… Verständlich ;).

  • Thierry Lubin

    Yepp, kenne ich auch und hat mich manches mal zweifeln lassen. Mittlerweile lerne ich gerade, ihn sich austoben zu lassen. Zwar versuche ich gegenzusteuern. Aber nicht mehr mit aller „Gewalt“. Bisher dauerte es so teils bis 14 Tage, dann hat er sich meist wieder eingeregelt

  • Rainer Stichweh

    Ich hab die Spirit Combo, läuft ansonsten auch super. Fast keine Verstopfungen oder andere Pannen. Eigentlich wollte ich auch schon mal Accu-Chek anrufen, aber wie das so ist, wenn ich dran denke, habe ich kaum Zeit und anders herum. Werde das diese Woche aber mal zum Anlass für einen erneuten Versuch nehmen.
    VG Rainer

  • Shiva

    Also ich mußte ja schmunzeln als ich das gelesen hab und habe mich sehr wohl selbst darin erkannt und dazu stehe ich auch!

    Das ist kein Selbstbeschiss sondern manchmal einfach notwendig gewesen. Kein Mensch kann mir erzählen bei 25 Jahren Diabetes wirklich jeden Tag alles aufgeschrieben zu haben, wobei wir vor einigen Jahren ja noch nicht solche elektronischen Möglichkeiten hatten. Früher lief das ja tatsächlich alles manuell und wenn man dann 15 x am Tag testen muß und 12 x spritzen dann hat man eben auch mal was anderes zu tun. Gerade als Jugendlicher.

    Wenn ich mal keine Werte dabei hatte habe ich einen riesen Anschiss vom Arzt bekommen und er hat mich wieder weg geschickt, also blieb mir oft nichts anderes übrig als mir vorher was auszudenken. Denn nicht in jeder Phase meines Lebens habe ich akribisch jeden Wert ausgewertet, manchmal waren auch einfach andere Dinge wichtiger!
    Im Moment ist das natürlich ein bisschen anders. Zum einen liest der Arzt sowieso die Pumpe ein und zum anderen arbeite ich tatsächlich mit meinen Werten täglich zu Hause. In der Schwangerschaft unverzichtbar!
    Aber es kommen auch wieder andere Zeiten in denen ich das wesentlich lockerer sehen kann und werde! Schließlich möchte ich auch noch leben und nicht nur Bücher führen!

    Liebe Grüße Shiva

  • Stefanie Blockus

    Lieben Dank für deine Ehrlichkeit Shiva. Von Ärzten die einen „zwingen“ Blutzuckerwerte aufzuschreiben, halte ich eigentlich auch nicht viel. Vor allem wenn man als Patient in einem Alter ist, wo man schon sehr eigenverantwortlich ist. Na ja du weißt was ich meine ;). Andererseits brauchen Ärzte auch Blutzuckerwerte mit denen sie arbeiten können. Mit erschummelten können sie das natürlich nicht ;). Und die erschummelten entstehen wiederum durch „Zwang“…

  • ostseh

    dazu nutze ich den bayer usb-stick, um möglichst einfach und ohne selbstbetrug zahlreiche werte zu dokumentieren. die contour- next-plättchen sind nun auch etwas verbessert und preiswerter geworden. so steigen sie nicht sofort aus, wenn zu wenig blut drauf ist, sondern ich kann nachlegen..
    für mich wichtig, denn dazu führe ich ja nachweise, ist die sehr breit angelegte dokumentation nach meinem wohl- oder unwohlempfinden. die mistwn ärzte können die software zwar nicht auslesen, aber ich kann immer meien standardtag und die langzeitwerte mit diagrammen auslesen u d drucke sie , wenn auch murrend, für den kontrollbesuch selbst aus.
    nur für die zehn tage der neueinstellung aktiviere ich dann mal wieder mein tagebuch.
    übrigens möchte das versorgungsamt diese daten ggf. auch sehen, waubsverlängernde und kündigungsschützende50%