Diabetes und Dyskalkulie (Rechenschwäche, Zahlenblindheit, Arithmasthenie)

Diabetes uns Dyskalkulie, keine gute Kombi…

Dyskalkulie ist eine Beeinträchtigung des arithmetischen Denkens: grundlegende Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division können Betroffene nicht erwerben. Zahlen sind für sie nur leere Symbole, bzw. eine Position auf einem Zahlenstrahl, jedoch keine Stellvertreter von Mengen.

Tjaaa man könnte meinen, ich hätte auch Dyskalkulie, denn in Mathe war ich schon in der Schule eine absolute Null-Nummer. Menschen mit Dyskalkulie sind aber oft überdurchschnittlich intelligent, weshalb ich mir keine weiteren Sorgen machen muss, dass ich davon betroffen bin ;).

Aber „Spaß“ beiseite, ich habe glücklicherweise keine Dyskalkulie und zu spaßen ist damit auch nicht! Denn um am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen ist Rechnen eine unabdingbare Voraussetzung: als Kind hast du Probleme in der Schule, kannst später keine Ausbildung erfolgreich beenden, gerätst unter psychischen Druck, kannst vielleicht keinen Beruf ergreifen und eventuell auch nicht deinen Lebensunterhalt sichern.

Diabetes und Dyskalkulie

Diabetes und Dyskalkulie

Ich frage mich nun, wie Diabetiker mit Dyskalkulie die Kohlenhydrate/BEs der Lebensmittel berechnen oder ihren Insulinbedarf, den sie dafür spritzen müssen? Kennt ihr persönlich Diabetiker mit Dyskalkulie oder seid ihr gar selbst betroffen? Oder habt ihr eine Vorstellung davon, wie Menschen mit Dyskalkulie ihre Kohlenhydrate berechnen odere ihre Insulinabgaben steuern?Mich würde das wahnsinnig interessieren, meldet euch doch bitte gern über das Kontaktformular hier im Blog, bombadiert mich mit Mails, oder hinterlasst wie wild Kommentare… DANKE!

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  • Sandra

    Puh, das muss echt übel sein… ich hab das zum Glück auch nicht, habe aber *peinlich* genug Probleme damit, mein Bolusinsulin zu berechnen… 5KE x 1,8 = ??? mit einigermaßen geraden Zahlen komme ich ja noch zurecht… so muss eben meine Pumpe oder das Handy die „Zahlenspiele“ übernehmen;)
    Toller Blog!

  • Claudi

    Hi Steff,
    die gleiche Frage habe ich mir auch kürzlich gestellt! (Obwohl ich nicht wusste, dass es ein Wort dafür gibt…) Ich selbst stecke gerade mitten (ok, eher am Ende 😉 ) eines Ingenieurstudiums, man sollte also meinen, dass ich rechnen kann… Aber wenn die Zahlen nicht die „üblichen“ sind, ich für Sport noch etwas abziehen möchte, oder ich versuche, gleichzeititg zum Rechnen am Tischgespräch teilzuhaben… Da rechne ich dann doch häufiger zwei mal. 😉
    Süßes Foto, übrigens! 🙂

    LG
    Claudi

  • Peter

    Probleme der Berechnung des Diabetes-Menagement also erkennen der Kohlenhydratmenge oder der Bedienung z.B. der Insulinpumpe stellt aber auch für Leute mit schwerem Analphabetismus oder Blindheit sicherlich vor enorme herausforderung!
    LG: Peter

  • Gerri

    Hi Steff
    es gibt von Abbott
    (https://www.freestyleinsulinx.de/de-de/freestyle-insulinx/)
    ein BZ-Messgerät, dass den Bolus ausrechnet.
    Allerdings muss man die Korrekturen (Sport, Krankheit etc.) immer noch manuell berechnen.
    Also trotz Erleichterung (noch?) nicht das Mass alker Dinge.
    Ich leide ja gottseidank nicht darunter und habe mit meinem „intuitiven“ Spritzen sehr regelmässige Werte.
    Liebe Grüsse mal wieder…
    gerri

  • Stefanie Blockus

    Danke für den Tipp, Gerri, wenn du aber keine „Vorstellung“ von Zahlen hast, nützt dir das wahrscheinlich auch nicht viel, oder? LG Steff

  • Stefanie Blockus

    Oh ja sicher! Es gibt aber auch BZ-Messgeräte für Blinde. Sprachgesteuerte glaub ich auch. LG Steff

  • Stefanie Blockus

    Hey Claudi, freue mich voll über deinen Kommentar. Ich glaube ich sollte mal Mathe-Unterricht bei dir nehmen ;). Hab kein Verständnis dafür ;). LG Steff

  • Stefanie Blockus

    Danke Sandra :))). Ich glaube wir sitzen in einem Boot ;).

  • Gerri

    Immerhin gibts dir den Basisbolus an, wenn du mit deinem Diabetologen das KH – IE-Verhältnis für Morgen, Mittag und Abend eingegeben hast.
    S’isch all das, wie wir Schweizer zu sagen pflegen…:-)
    LG gerri

  • menschbleiben

    Dyskalkulie und Leben

    MIr ist noch etwas eingefallen, dazu würde ich gern noch was schreiben . und zwar zu dem Punkt, den Du zu Dyskalkulie und Lebensprobleme allgemein schreibst.

    Es ist schon schwerer als für Leute, die kein Problem damit haben. Es ist ein unterschied, ob man Legastheniker ist oder Dyskalkuliker.

    Das heißt, eigentlich nicht wirklich. Es ist das gleiche Phänomen, nur daß Legasthenie anerkannt ist, und Dyskalkulie immer noch ein Schattendasein führt.

    Die Schulen legen immer noch ein viel zu großes Gewicht auf das mathematisch logische Denken. Das können Dyskalkuliker übrigens oft sehr gut. Es geht nur nicht mit Zahlen. Einsteins Relativitätstheorie ohne Zahlen ginge problemlos zu begreifen. Es hängt an der Zahl an sich.

    Dyskalkuliker zu sein macht einen fertig, weil man als geistig minderbemittelt hingestellt wird, obwohl man das definitiv nicht ist. Im Grunde müsste man kinder mit Dyskalkulie einfach nur nicht oder weniger streng benoten und richtigen Förderunterricht nur in dem Fach geben. Aber es dauert wie immer Jahrhunderte bis das Schulsystem das so leisten kann wie es heute bei Legasthenie der Fall ist.

    Ich habe mich mit Formel lernen, Tricks und optischen Eselsbrücken, also Bildern beholfen.

    Die Mathe 5 blieb, die Verachtung der lehrenden umwelt auch. und auch die der Schüler.

    Wie auch der Legastheniker einen Schulabschluß jenseits der Hauptschule schaffen kann, schafft das auch ein Dyskalkuliker. Man mogelt sich durch. Es bleibt ja sonst nichts. Er hätte sogar so oft den Kopf fürs Gymnasium, nur die Legastheniker fördert man, die Dyskalkuliker sind auch heute noch in den Augen des Schulsystem „zu doof“. Es gibt unter Dyskalkulikern und Legasthenikern viele Hochbegabte. Nur versickert die Hochbegabung dann oft und gern im Spagat in der Schule diese Rechenschwäche und das zahlenproblem zu meistern und sie bleiben unter ihrer Leistung, die möglich wäre.

    Berufsabschluß haben viele. viele Künstler, Menschen, die mit Sprachen arbeiten. Berufe, in denen Zahlen nicht die Rolle spielen, das geht alles. Man darf sich als Dyskalkuliker nur nicht unterkriegen lassen und muß oft den 2. Bildungsweg gehen. Also Fachabitur machen.

    viele suchen sich auch einen künstlerischen Beruf. Ich habe mir Sprachen ausgesucht. zuerst und bin dann Freiberuflerin geworden. Grafikerin und freischaffende Künstlerin. Man findet viele Biografien bei Dyskalkulikern. Die finden ihre eigenen Wege, nicht immer die geraden, aber es aktiviert auch unheimlich Energie , mal auf den Nebenstraßen zu schauen, was dann noch geht. Den Biß, denman braucht um sich dem ewigen Überbewerten der Gesellschaft in punkto Mathe und Rechnen zu widersetzen, den kriegen viele aus ihrer Erfahrung heraus. und wieder andere gehen unter, weil sie sich nichts mehr zutrauen, man hat ihnen ja eine ganze Schulzeit gepredigt, sie seien zu doof zum Überleben, weil sie rechenschwach sind.

    und das setzt sich im kopf dann fest.

    Aber kein Mensch mit Dyskalkulie würde ernsthaft erwägen, etwas mit Zahlen zu machen.! 🙂
    Legastheniker machen auch ihren Weg und würden nie freiwillig Deutschlehrer oder etwas in der Art werden. Ist es nicht wirklich dumm, daß ein Schulsystem es nicht schafft, eine Akzeptanz für beide teilleistungsstörungen zu schaffen ?

    Ich hoffe ja immer, daß sich das mal bessert, aber bei der Dyskalkulie sind sie noch nicht so sehr weit… rechenschwache Kinder gelten heute immer noch als geistig minderbemittelt, obwohl sie alles sind, aber nicht dumm. Man müsste sie nur rechtzeitig fördern. Man findet als Dyskalkuliker nur eigene Wege das Thema Zahlen für sich irgendwie sinnvoll nutzbar zu machen. Die Jobsuche schließt natürlich alles aus, was mit Buchhaltung, Zahlen, Bwl, Naturwissenschaften etc. zu tun hat. Aber es gibt auch Berufe, die wunderbar gehen. Sprachen zum Beispiel, oder alles was mit kreativem zu tun hat. Organisatorische jobs gehen auch, nur sollte eben jemand anders die Buchhaltung machen. 🙂 Ein bißchen mehr kämpfen muß man aber leider schon. Immer noch.

    Gruß Anne

  • Liebe Anne, ich bin dir richtig dankbar für deinen ausführlichen und so verdammt hilfreichen Kommentar! Hammer! DANKE! Ich habe jetzt so einiges besser verstanden und ich finde deine Geschichte verdammt interessant. Hab sie mir auch direkt zweimal durchgelesen! Eigentlich hättest du diesen Beitrag schreiben sollen. Ich werde definitiv noch mal hinzufügen, dass die Leute nicht meinen Beitrag, sondern die Kommentare dazu lesen sollen. Es immer so viel sinnvoller über die Dinge zu schreiben, mit denen man eigene Erfahrungen gemacht hat, selbst betroffen ist, etc.

  • Danke dir auch für diesen Kommentar! Besser hätte das wohl kaum jemand verdeutlichen können. Was mir noch nicht ganz klar ist und mich noch brennend interessieren würde, wie „extrem“ kann sich Dyskalkulie äußern. Wirklich so heftig, dass man Zahlen nicht mehr als solche „erkennen“ kann?

  • Ich kenne niemanden und habe es auch selber nicht – glaube ich.
    Ich bin der Meinung dass mit der heutigen Technik das kalkulieren weitgehend wegfällt. Denn entweder rechnet dir die Pumpe die Menge an Insulin oder die App auf dem Smartphone.

  • menschbleiben

    Hallo,
    es ist sehr hilfreich, wenn man fürs Ausrechnen eine Taschenrechnerfunktion auf dem Handy hat – wenn man eine Rechenschwäche hat, ist ein Taschenrechner wunderbar und rettet einen über die schwersten Stunden 🙂 nicht nur beim BE Zählen, sondern auch sonst. Ich bin jemand ohne Smartphone und ohne Apps, nur mit einem normalen Taschenrechner und einem Mobiltelefon zum reinen Telefonieren. Steinzeit, ich weiß…. 🙂 Jetzt hat jeder übliche Taschenrechner so ziemlich jede Funktion, aber wenn man relativ analog lebt, also nicht wirklich mit Apps und neuester Technik, dann ist es schon hilfreich, wenn man sich als Dyskalkuliker mit Eselsbrücken behilft. Denn der umgang mit Zahlen ist wirklich Arbeit für den kopf. und ich denke auch, daß man nur besser wird, wenn man an dem Rechendefizit arbeitet. Es könnte ja sein, daß man mal keinen Taschenrechner dabei hat und trotzdem was berechnen muß. Und sowas wie den sehr praktischen Dreisatz muß man auch zu fuß eingeben, dafür gibts keine Xtrafunktion. und auch, wenn man für den Fall der Fälle Taschenrechnerfunktionen hat, es rettet einen auch nicht immer, weil man auch immer genau wissen muß wie man vorgehen muß. Zahlen haben für Dyskalkuliker immer was Fremdes, verwirrendes und erfordern größte konzentration. Es ist die Zahl an sich. Je komplexer desto größer die Herausforderung. Daher ja auch die Eselsbrücken und das Einprägen über Bilder und Mengen. Das greift einfach besser und man kann sich das besser einprägen. Bei mir über Bilder. Früher in der Schule dachte ich, man könnte alles mit dem Rechenknecht Taschenrechner lösen, aber das ist ein Irrtum. Ein bißchen selbst rechnen muß man oft doch immer noch. Aber Übung hält fit und kreativ. 🙂

  • menschbleiben

    Hallo Stefanie, danke Dir für Deine Antwort,

    Ich freue mich, daß Dir mein Kommentar gefallen hat. Dein Blog über Dyskalkulie und BEs umrechnen hat mir wieder mal gezeigt, wie wichtig es ist, wenigstens die einfachsten Regeln des Rechnens zu verstehen.

    Als ich noch nicht im Broteinheitenzähluniversum lebte, hielt ich das Rechenproblem für Vergangenheit, ich habe es ja nie gebraucht, bzw. so gut wie möglich vermieden. Im täglichen Leben, beim Einkaufen etc. hast Du ja nur Subtraktion und Addition. und die tippst du mal eben in den Rechenknecht. Aber es gibt immer noch Sachen, die du nicht eben mal in den Rechenknecht tippen kannst – immer die, wenn es darum geht, Dinge zueinander ins Verhältnis zu setzen. Muß ich ja beim BE Rechnen auch ab und an mal.

    .Ich bin ein analog lebender Mensch und lebe diesbezüglich zwar nicht ganz in der Steinzeit, aber ich brauchs haptisch, absolut greifbar. und ich versuche mir alles, auch die Rechnerei und die Mengen, so greifbar wie möglich zu machen. Eben über Bilder und Tricks und Eselsbrücken und herumliegende Zettel mit mathematischen Formeln.

    Die Zahlenwelt ist mir auch heute noch zu theoretisch. Aber ich habe mir gesagt, daß ich ja in der Wüste auch keine App für alles mögliche habe, und außerdem muß ich ja dies Handicap auch überwinden, soweit möglich. Dies BE Berechnen ist ja nicht nur Addieren und Subtrahieren.

    Es is ja auch die verhältnismässige umrechnung in Mengen. und da wirds dann Arbeit.

    Ich kenne ein paar wenige echte Dyskalkuliker und die lösen das Rechenproblem ählich kreativ wie ich. Jeder hat da andere Eselsbrücken, aber alle versuchen sich das Ding so greifbar und begreifbar wie möglich zu machen. Man verzweifelt sonst. Wenn Du nicht rechnen mußt, tust Du es nicht. Man wälzt das gern auf andere und andere Medien ab. Aber wenns um die Eigenregie im Leben geht, dann bist du ja gezwungen, dir ein paar HIlfen jenseits der Apps und Technik zu suchen. Außerdem ist man das ja gewohnt, man trickst sich als Dyskalkulier sowieso diesbezüglich durchs Leben. Man bleibt da immer gut in Übung, weil man sowieso einen einzigen Hürdenumgehungslauf macht.

    Gruß Anne

  • menschbleiben

    Hallo nochmal,

    die App auf dem Smartphone…. was kann die?

    Rechnet mir die App auch aus, wie viel BE in selbstgebauten Lebensmitteln der komplizierteren Art sind? Würde mich mal interessieren. Wo sind die Grenzen von der App? Ich lebe ja ohne Smartphone, nur ein alter nokia knochen von anno 1998, dafür ist der Akku unsterblich…. Aber wenn so eine App mir die verhältnisrechenarbeit erleichten , bzw. abnehmen könnte, wär das eine feine Sache.

    Kann so eine App mir auf eine BE ausrechnen, wieviel pi mal Daumen ein Stück Kuchen nach eigener Bauart sind- nur als Beispiel…. das Ding könnte auch Fleischpastete oder sonstwas sein. Eben komplexe Rezepte, die nicht pi mal Daumen und supereinfach zu berechnen sind und die ich mit relativen Berechnungsmethoden angehen muß. So in der Art wie : 500 g hiervon, 235 g davon, 40 g davon… und dann das ganze bitte auf 13 Portionen aufteilen… und dann wüßte ich von der App gerne, wie viele BE eines der 13 Stücke von was auch immer hätte…. Also im Klartext, ich fände ein Programm prima, das mir die für mich abstrakte relative Berechnung abnimmt. Für den hat meinereiner nämlich nicht wirklich immer den Transfer im kopf. Irgendwie gehts, aber wenns einfacher geht, her damit.

    vor solchen Denkaufgaben scheut sich meinereiner doch des öfteren. Wenns da was gäbe, womit ich das vollautomatisch berechnen könnte, das wäre doch genial.

    Gruß Anne

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