Manipulative Motivierung stört die Motivation: über „Motipulation“ und (nicht) dokumentierte Blutzuckerwerte

Mein erster Diabetologe hat vor etwa 17 Jahren zu mir gesagt, dass ich meine Blutzuckerwerte immer in mein Blutzuckertagebuch schreiben muss, zudem meine Insulindosis, das was ich esse, was ich an Sport treibe und was ich sonst so den ganzen Tag mache, ebenso ob ich viel Stress hatte oder im Urlaub war. Hallo Kontrolle! Komisch, das Wetter musste ich nicht dokumentieren, obwohl das auch starken Einfluss auf mein Blutzuckerverhalten hat. Aber das ist natürlich meist nicht so spannend ;).

Blutzucker-Tagebuch führen!

Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt! Motivation in Sachen Diabetes (Bild: fotolia.com)

Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt! Motivation in Sachen Diabetes (Bild: fotolia.com)

Ich habe jedenfalls alles dokumentiert wie er es wollte. Er hat mir schließlich „angedroht“, wenn ich das alles nicht dokumentiere, könne er mir nicht helfen und es werden mich Folgschäden erwarten. War das der Grund, warum seine Fremdsteuerung über Jahre so gut funktionierte? Oder waren es seine lobenden Worte wie „toll, so ein sorgfältiges und umfassendes Blutzuckertagebuch hat mir selten jemand vorgelegt.“

Seid ihr motiviert Blutzucker-Tagebuch zu führen?

Irgendwann verließ mich aber die Motivation des Tagebuch führens. Das Heftchen blieb leer. Durch Belohnung, Belobigung, Bestechung, Bedrohung und Bestrafung konnte mich niemand mehr dazu motivieren, wieder den Stift in die Hand zu nehmen und auch nicht zu sonstigen „Maschinenleistungen“.

Unterschied zwischen Motivation und Manipulation

„So, dann wollen wir mal den menschlichen Motor auf Trab bringen…“ is nicht! Heißt das, dass es niemand schafft, mein Verhalten zu beeinflussen, bzw. mir Anreize von außen zu geben? Doch, ich lasse mich fremdmotivieren/-steuern, allerdings nur genau dann, wenn mich jemand dazu bringt, das zu tun, was ich selbst will. Meine Eigenanreize funktionieren nämlich ganz gut.

Diese „Seelenschraubendreherei“ brauche ich jedenfalls nicht, das ist für mich keine Motivation sondern Manipulation oder meinetwegen auch „Motipulation“!

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  • Gerri

    Halli Steff
    ich habe dieses Büchlein schon nach kurzer Zeit gehasst, weil ich ob all der *1), *2) etc als Zusatzinfos den Überblick völlig verlor. Habe aber anfänglich mitgespielt um mehr über meine DM zu erfahren.

    Dann habe ich mit PC-Analyseprogrammen gearbeitet und seit ein paar Monaten nur noch mit einer App. War teilweise Zusatzmotivation.

    Aber bei all dem gilt für mich: Ich dokumentiere, was mir was bringt und das deckt sich in meinem Fall glücklicherweise mit der Vorstellung meines Diabetologen.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz

    gerri

  • Saskia

    Bei mir fing der Hass auch irgendwann an, habe dann aufgehört zu dokumentieren, war allerdings nicht immer von Vorteil, dank Omnipod bekomme ich nun wieder mit, wie schlecht so mancher Tag aussehen kann und das gibt mir persönlich doch zu denken, okay, dass ich eine Naschkatze bin hilft da nicht gerade aber na ja^^ So oder so kann es nicht Schaden hin und wieder mal zu dokumentieren oder dokumentieren zu lassen 🙂

  • anke

    Danke Steff. du bist echt immer so intern motiviert.? finde ich ganz toll, dass du den beitrag geschrieben hast auch wenn sich die frage auf dein sportpensum bezog und ich nicht weiß wie ich motivation lernen kann.hast du da auch noch tips für mich? lg anke

    saskia, ich bin auch so eine naschkatze, aber dokumentieren tue ich schon.

  • Stefanie Blockus

    Hi Gerri, ja, ich mag das Tagebuch auch nicht mehr. Anfangs fande ich es nicht verkehrt, aber dann kam der… „Kontrollzwang“…

    Mit OmniPod geht das super. Zeichnet ja alles automatisch mit der Gute ;).

    Bin kein großer Fan von solchen Apps. Aber super, dass sie dich und auch viele andere motivieren! Mag beispielsweise auch keine Lauf-Apps. Mich demotivieren sie eher ;). Bzw. demotipulieren ;)… Fotobearbeitungs-Apps nutze ich hingegen wiederum sehr gern ;).

    Lieben Gruß in die Schweiz :).

    PS: Gibt es bei euch eigentlich auch die Marabou-Lakritz-Schokolade zu kaufen?

  • Stefanie Blockus

    Jaaa sehe ich genauso, seit OmniPod läufts bei mir auch besser, der zeichnet ja alles mit. Nur mit den zusätzlichen Angaben wie Essen, Sport, etc… sollte ich noch etwas großzügiger werden.

  • Stefanie Blockus

    Ja „Dokumentieren lassen“ finde ich auch viel besser. Außerdem neigt man nicht dazu den Wert etwas zu verschönern ;). Machen scheinbar ja doch einige, um sich Diskussionen mit dem Arzt zu ersparen. Ist natürlich nur Selbstbetrug, aber damals habe ich das auch schon mal gemacht, wenn ich einfach mal nach dem Essen nicht gemessen habe, der Arzt mich aber dazu verdonnert hatte, den BZ genau um diese Zeit regelmäßig zu messen und vorzulegen.

  • Stefanie Blockus

    Immer? Nein! Motivation lernen? Bei mir ist die da irgendwo drinnen, aber eben auch nicht immer. Dann kann man mich auch nicht dazu treiben. Das funktioniert sicher auch mal, aber halt nicht langfristig und mit großem Erfolg. Hab mir meine Ziele gesteckt und die wollen erreicht werden.

    Und klar gern, hatte ich doch versprochen mit dem Beitrag :),.

  • Dr. Matthias Riedl

    Hallo,

    Drohungen und Manipulationen von Patienten gehören nun gottlob der Medizingeschichte an. Leider aber noch nicht ganz ausgestorben. Ein gemeinschaftliches Verfolgen der Patientenziele das sollte die moderne Diabetologie beinhalten. Unter besonderer Beachtung der psychischen Situation. Dazu haben wir eigens im Diabetes Zentrum des medicum Hamburg ein Psychotherapiezentrum eingerichtet – einmalig in Deutschland noch. Aber auch das wird Schule machen. Denn nur unter ganzheitlicher Betreuung und Begleitung wird man eine wirklich gute Einstellung erzielen.

    LG MR

  • Stefanie Blockus

    Manipulationen erlebe ich schon noch. „Ein gemeinschaftliches Verfolgen der Patientenziele“… klingt super. Aber die Zeit der Ärzte ist doch zu rar (?). Was die Psyche betrifft, da habe ich schon einiges erlebt… Therapueten die nichts von Diabetes verstehen, können einen oft nicht viel weiterhelfen. Von daher plädiere ich sehr für eine ganzheitliche Betreuung und Begleitung! Halten Sie mich gern auf dem Laufenden :).