Diabetes-Nostalgie: Ich fordere die Broteinheit (BE) / Kohlenhydrateinheit (KE) zurück!

Verdammt, ich hänge noch an ihr, an der guten, alten Broteinheit (BE). 12 Gramm Kohlenhydrate sind für mich eine BE. Auch heute rechne ich mein Essen noch in BEs um. Es ist mir gleichgültig, ob die BE u. a. auf Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) 2010 aus allen gesetzlichen Regelungen entfernt wurde: Na ja, die Empfehlungen der DGE habe ich sowieso längst satt.

Die etwas andere BE-Tabelle/Kohlenhydrattabelle: 100 Gramm Katze = 1 BE ;)

Die etwas andere BE-Tabelle/Kohlenhydrattabelle: 100 Gramm Katze = 1 BE 😉

Die BE hat für mich nostalgischen Wert

Für mich hat die BE jedenfalls einen nostalgischen Wert. Seit meiner Diabetes-Diagnose im Februar 1997 rechne ich meine Mahlzeiten in Broteinheiten um. Kaum steht das Essen auf dem Tisch, wird gerechnet bzw. geschätzt, wie viele BEs da drin stecken und natürlich die entsprechende Insulindosis dafür gespritzt. Ich persönlich rechne auch Proteine, Fette und sogar das Gemüse mit hohem Wassergehalt (wie etwa Gurke) in BE um – im Gegensatz zu einigen anderen Diabetikern, die bei sich nur unbedeutsame Blutzuckererhöhungen durch den Verzehr dieser Lebensmittel feststellen konnten. Das muss jeder Diabetiker für sich selbst austesten.

Diabetes-Mathe-Ass oder Schätzmeister?

Anfangs, kurz nach meiner Diabetes-Diagnose vor 18 Jahren, habe ich das Essen sogar noch grammgenau ausgewogen und durchgeplant, wann, was, wie viel gegessen wird. Natürlich tue ich das längst nicht mehr, auf mein Gespür ist meistens Verlass, ich schätze wie wohl die meisten anderen Diabetiker auch, in BE oder der „moderneren“ Einheit KE. Welche Enheit man nun als Schätzmittel einsetzt ist dabei im Prinzip Jacke wie Hose, wenn man weiß, um wie viel mg/dl der Blutzucker bei Verzehr einer BE/KE ansteigt, um dem Anstieg mit entsprechender Insulindosis entgegenwirken zu können.

Rechnest du mit 10 Gramm oder 12 Gramm Kohlenhydtraten?

Übrigens rechnet auch nicht jeder Diabetiker für eine BE/KE/KHE 12 Gramm Kohlenhydrate, sondern viele rechnen „modern“ mit 10 Gramm Kohlenhydraten. Die BE wird auch nicht von allen Diabetikerm als Broteinheit, sondern auch als Berechnungseinheit bezeichnet und die Kohlenhydrateinheit nicht unbedingt als KE sondern gern auch als KHE abgekürzt.

Da man auf aktuellen Lebensmittelverpackungen keine BE-Angaben mehr findet, wird deutlich, warum Diabetiker gute Kopfrechner Schätzmeister sein sollten. Ob das Ganze jetzt aber so plausibel ist, was man sich da so intuitiv errechnet, bleibt fraglich, zumal auch auf Lebensmittelverpackungen großzügig gerundet wird. Das kann schon beträchtliche Auswirkungen haben, insbesondere bei den Mengen, die ich mir nach einem Marathon schmecken lasse ;-D.

Die Weißbrötchen-Einheit (WBE)

Dennoch schwöre ich auch weiterhin auf die „Weißbrötchen-Einheit“ (WBE), wie die heutige BE einst von Carl von Noorden eingeführt wurde, um die Kohlenhydratmengen besser ermitteln zu können. Eine WBE entsprach übrigens 20 Gramm Semmel und daraus leiteten sich die Kohlenhydrat-Austauschtabellen ab, in denen kohlenhydrathaltige Lebensmittel im Vergleich zu 20 Gramm Semmel zusammengestellt wurden.

In diesem Sinne: fröhliches Weiterrechnen. Auf die gute alte BE, die ich gerne wieder auf modernen Lebensmittelverpackungen sehen würde. Ihr auch?

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  • Ja es wäre schon schön wenn auf den Lebensmittelverpackungen wieder die BE/KE abgedruckt würden. Kommt nur darauf an wie. Habs öfter schon mal gesehn das BE pro Portion angegeben werden. Das hilft dann auch nicht gross weiter, weil ja keiner von denen weiß wie gross oder kleine meine Portionen aussehen. Also musste dann eh wieder rechnen. Finde ich auch gar nicht so tragisch. Was mich aber total nervt ist dass die Nährwertangaben immer kleiner gedruckt werden, bzw. gern an unzugänglichen Stellen aufgedruckt werden (bei Snickers &co zb. gern im Aufreissfalz). Also wenn schon keine BE Angaben, dann den Rest bitte gross und Lesbar drucken. 😉

  • Stefanie Blockus

    Ja man muss dann viel umrechnen, wenn auf den Verpackungen lediglich vermerkt ist, wie viel BE die Portion hat. Dann muss man zunächst schauen, für wie viele Portionen der Packungsinhalt bestimmt ist, Das steht wiederum meistens vorne auf der Packung. Na ja, ein bisschen Gehirntraining ;), kann zumindest mir 😉 auch nicht schaden.

    Richtig und es nervt, wenn die Nährwertangaben versteckt abgedruckt sind oder so klein, dass man ne Lupe braucht, um etwas erkennen zu können. Aber mal ehrlich, ich gebe auf die Angaben auch nicht sonderlich viel. Ich nutze sie lediglich als Referenzwerte, habe mir das alles selbst ausgetestet, wie, was auf den Blutzucker wirkt. Nehmen wir beispielsweise einen Apfel, angeblich soll ein mittelgroßer einer BE entsprechen, haut bei mir nicht hin, wenn ich den im Vergleich zu einer halben Banane betrachte, die ja auch einer BE entsprechen soll. Für den Apfel rechne ich fast 3 BE!

    Na ja Zahlen sind Zahlen und die sagen meiner Meinung nach eh nicht viel aus ;), genauso wenig wie Fakten ;),..

  • Marlene

    Ich würde die BE auch gern wieder auf den Packungen stehen sehen. Sashca hat recht die Angabe pro Portion hilft nicht groß weiter denn teilweise steht die Portionsmenge nicht drauf. lg Marlene

  • medicum Hamburg

    Hallo Staeff,

    da war ich schon ganz gespannt, welches Thema du diesmal aufgreifst.

    Das Rechnen mit BEs,KEs, KHEs wird sicher jeder Diabetiker und auch Diabetologe etwas unterschiedlich handhaben. So wie du schreibst spielt da sicher die Fähigkeit zur Rechenkunst des Einzelnen, sicher auch die Gewohnheit eine Rolle. Und nicht zuletzt ist die persönliche Erfahrung mit den verschiedenen Lebensmitteln des Einzelnen wichtig, so wie du als Beispiel deine Gurke aufführst.

    Meine persönliche Meinung: wichtig ist die Einschätzung und die passende Reaktion. Was hilft es, wenn jemand perfekt in KEs rechnet, sich aber in den Portionsgrößen regelmäßig verschätzt? Hut ab vor allen, die die Kohlenhydratmengen auf ihrem Teller oder auch im Glas perfekt einschätzen und dann noch die jeweilige Situation dazu! Herzliche Grüße, Dr. Monika Mulert

  • Stefanie Blockus

    Halli Hallo und danke für den Kommentar, ich denke man entwickelt da mit der Zeit ein Gespür dafür. Einige Diabetiker fassen sich an den Kopf, wenn sie mitbekommen, dass ich auch KH-armes Gemüse mit berechne. Aber meine Insulingaben sind generell sehr fein eingestellt. So variiert die stündliche Insulinbasis von 0,4 bis 1,7. Tagsüber benötige ich nur sehr wenig Insulin und liege unter 0,5. Nachts hingegen meist über 1,0 bis hin zu 1,7. Meine Diabetologin hat das anfangs sehr verwundert, mittlerweile wundert sie gar nichts mehr ;). Liebe Grüße

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