Diabetes-Blog-Woche: „Geschichten, die das Leben schrieb“ – Mein Körper ist der bessere Arzt!

dbwHeutiges Thema der Diabetes-Blog-Woche: „Geschichten, die das Leben schrieb“. Wie soll ich nur all das Erlebte mit Diabetes in einen Beitrag quetschen? Funktioniert natürlich nicht. Also habe ich eifnach mal spontan in mich hineingehört und alles niedergeschrieben, was mir als erstes in den Sinn kam: Schönes sowie weniger Schönes, ja sogar schon sehr Krasses habe ich mit dem Diabetes erlebt…

Zuerst die schönen Dinge, die ich mit Diabetes erlebt habe…

Du glaubst, die gibt es nicht? Oh doch!

Im Backstage-Bereich bei Robbie Williams Insulin gespritzt

Nun ja, dank Diabetes durfte ich in den Backstage-Bereich bei einem Robbie Williams Konzert. Na was willste denn auch machen? Ich musste DRINGEND Insulin spritzen. DRINGEND! Das geht doch nicht in der Öffentlichkeit und auch nicht auf öffentlichen Toiletten ;). Wie unhygienisch. Okay, okay das war eine Ausrede, ich mag/mochte den Robbie halt sehr. Getroffen habe ich ihn trotzdem nicht, aber immerhin seine Managerin ;). Praktisch ist aber auch, dass man als Diabetiker Getränke und Essen mit in Konzerte reinschleusen darf. Ja sogar MUSS!!!

Nein, das sind keine Drogen. Ich bin Insulinjunky!

Nein, das sind keine Drogen. Ich bin Insulinjunky!

Diabetes und Reckturnen

Der Diabetes hat mich im Sportunterricht in der Schule vor so manch einem Bocksprung und manch einer Turnübung am Reck bewahrt. Ausgerechnet dann bekam ich auch immer eine Unterzuckerung… Mist, verdammter aber auch.Diabetes-CommunityIch habe sooo viele Menschen mit Diabetes Typ 1 kennengelernt – sei es über meinen Blog, über Foren, Diabetes-Veranstaltungen und Social Media – mit denen der Erfahrungsaustausch einfach nur Spaß macht. Ich möchte sie nicht mehr missen!

Die weniger schönen Dinge, die ich mit Diabetes erlebt habe…

Davon gibt es einige mehr…

Sechs Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit und ein diabetisches Koma

… mit einer Woche Aufenthalt auf der Intensivstation, kann ich leider nicht leugnen. Ebenso ein DNF bei einem 10 Kilometer-Lauf.

Diabetisches Koma/Coma diabeticum

Ursache des diabetischen Komas war ein defektes Blutzuckermessgerät (!!!) und zudem die „Fehldiagnose“ Lungenentzündung. So mussten meine Eltern morgens nach einer durchzechten Silversternacht den Notarzt rufen, weil ich keine Luft mehr bekam und keine drei Schritte gehen konnte. Außerdem musste ich mich ständig übergeben (nein, kein Kater!). Der Blutzuckerwert lag gemessen bei 143 mg/dl, da vermutet man gewiss keine Ketoazidose. Der Notarzt diagnostizierte eine Lungeentzündung. Man brachte mich ins Krankenhaus. Dort angekommen war ich schon längst nicht mehr bei Bewusstsein. Blutzuckerwert lag wohl bei 471 mg/dl. Sehr eigenartig!Ich lag ingesamt eine Woche auf der Intensivstation, so lange hatte es gedauert bis sich wieder alle Laborwerte im Normbereich einpendelten und ich wieder halbwegs fit war. Anschließend gings noch für zwei weitere Wochen in die Diabetesklinik.

Tatütataaa... Die Hypowehr hilft bei Unterzuckerungen

Tatütataaa… Die Hypowehr hilft bei Unterzuckerungen

Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit

Kurz bevor ich „auf der Straße lag“, habe ich meistens noch Traubenzucker zu mir genommen und war noch voll im Redefluss und dann zack weg… Ganz plötzlich. Die schlimmste Unterzuckerung passierte nachts im Schlaf bei meinen Eltern zu Hause. Ich habe glücklicherweise sehr laut dabei geschrien, sonst hätte meine Mutter mich nicht gehört. Ich kann mich allerdings nicht mehr daran erinnern, geschrien zu haben. Ich kann mich generell nur an die Momente nach der Bewusstlosigkeit erinnen, in denen ich wieder langsam zu mir kam. Ich bringe die erlebten Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit, mit orange-neonfarbenden Jacken und dem Katheter/Glukosetropf, der mir danach immer noch im Handgelenk steckte, in Verbindung. Oft war mein ganzer Körper noch völlig verkrampft.

DNF bei 10-Kilometer-Lauf

Tja… da gibste Vollgas für ne neue Bestzeit und statt im Ziel landeste im Rettungswagen. Problem waren wohl Ketone und der Kreislauf, in dem Fall keine Unterzuckerung! Man darf den Diabetes keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Ich habe Respekt vorm Diabetes und meinem Körper, auch wenn ich ihn oft herausfordere wie etwa kürzlich beim 24 Stunden-Lauf. Dennoch ist und bleibt er der einzige Arzt auf den ich wirklich höre ;).

DNF beim 10-Kilometer-Lauf: die genaue Ursache unbekannt. War der Diabetes wirklich Schuld?

DNF beim 10-Kilometer-Lauf: die genaue Ursache unbekannt. War der Diabetes wirklich Schuld?

 

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  • Gerri

    Wow, da bin ich ja ein richtiges Glückschwein…
    Aber für deine Kraft, dein postivies Denken (so jetzt bin ich diese Plattitüde doch noch losgeworden *g*) und deinen trotzdem entspannten Umgang mit DM mag ich dich…*zarterröt*

  • Barbara

    Hallo Staeff,
    vielen Dank für deinen Beitrag.
    Ich finde es gut, dass du auch über unschöne Diabetesaspekte wie z.B. schwere Unterzuckerungen schreiben kannst.

    Vor einigen Jahren hatte ich den Eindruck, dass in Diabeteszeitschriften nur über „Super-Typ-1-Diabetiker“ berichtet wurde. „Ich habe den Mount Everest bestiegen und währenddessen immer stabile Werte gehabt.“ 😉
    Ich denke, dass Blogs wie deiner zu einem ehrlicheren Diabetes-Typ-1-Journalismus beigetragen haben.

  • Ich danke dir Barbara, für deine lieben Worte. Über die super Typ-1-Diabetiker liest man selbst heute noch viel oder auch Presseberichte, die jemand geschrieben hat, der keinen blassen Schimmer von Diabetes hat. Das ist echt traurig. Keine führt das perfekte Leben… und bei niemanden läuft es immer rosarot. Und Leute, die mir erzählen, dass der Diabetes sie überhaupt nicht belastet, den glaube ich das nicht. Vielleicht nur dem ein oder anderen Typ-2-Diabetiker, dessen Werte nie schwanken und der es wieder ganz gut in den Griff bekommen hat.

  • Huch, danke Gerri. Na ja, immer entspannt bin ich nicht. Der Diabetes treibt mich schon mal zur Weißglut… Aber ich bin ein Stehaufmännchen. Manchmal denke ich mir aber schon… jetzt reicht’s: Gürtelrose, Medikamentenvergiftung, Morbus Crohn, Laktose-, Fructoseintoleranz, zudem Zöliakie,… Reizmagen,… Aber hey, machen wir das beste draus. Bleibt einen ja nichts anderes übrig. Ich kann dennoch 50 Stunden die Woche arbeiten, „nebenbei“ meinen Blog mit Leben befüllen, Marathon laufen, meine Kreativität ausleben und Spaß haben im Leben… DANKE!

  • Linda

    Hallo staeff,
    darf ich fragen wie diese Unverträglichkeiten bei dir festgestellt wurden bzw. wie du selbst darauf aufmerksam geworden bist? Ich bin selbst auch schon ewig Typ 1 Diabetikerin und habe seit ein paar Monaten immer öfter Magenprobleme. Bisher konnte aber nicht festgestellt werden woran es tatsächlich liegt.
    Viele Grüße 🙂

  • Stefanie Blockus

    Liebe Linda, klar darfst du fragen. Also ich hatte ständig Magen-/Darmprobleme, vor allem die üblen Magenkrämpfe haben mich wahnsinnig gemacht. Also habe ich eine Magen- und Darmspiegelung/Ultraschall gemacht und zudem weitere Fruktose-/Laktose-Tests. Dann wurde bei mir Morbus Crohn diagnostiziert. Daraufhin hat man mir empfohlen auf Gluten und Lactose zu verzichten und lernen zu entspannen. Seit ich drauf verzichte und jaaa auch meditiere 😉 geht es mir DEUTLICH besser! Die MC-Schübe bleiben mir zwar nicht erspart, habe ich aber immerhin nicht mehr nahezu täglich Beschwerden.

    Kann dir nur raten, dass alles mal abchecken zu lassen. ich hab mich auch erst gesträubt und dachte… „wird schon wieder“. Aber nun habe ich immerhin Gewissheit.
    Liebe Grüße

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