Diabetes-Blog-Woche: Tag X – der Tag an dem der Diabetes kam (presented by Schwester gnadenlos)

Februar 1997, Diagnose: „Diabetes Typ 1„. Was das nun bedeutete, erklärte mir eine SEHR „freundliche“ Krankenschwester in der Diabetesklink ungefähr folgendermaßen:

7x Blutzucker messen, 4+Insulin Sritzen, kein Zucker, kein Sport, …

„Sieben Mal am Tag den Blutzucker messen, vier Mal Insulin spritzen, einen Diätplan einhalten und Tagebuch darüber führen. Sport und Haushaltszucker sind ab jetzt tabu. Du willst doch nicht erblinden, wie diese Patientin da drüben, oder? Deswegen ist es wichtig, immer den Blutzucker zu kontrollieren und wie gesagt auf keinen Fall Haushaltszucker essen. Aber es gibt ja Alternativen wie Fruchtzucker. Der ist erlaubt. Dieses Blutzuckermessgerät, diese Einwegspritze und diese beidem Insuline hier musst du jetzt immer bei dir führen. Ach so und den Traubenzucker nicht vergessen, für den Fall einer Unterzuckerung. Hier hast du auch noch eine BE-Austauschtabelle. Schulungen über den Diabetes bekommst du auch noch. Das ist dein Diätplan über insgesamt 6 BE, davon sollte man gut satt werden. Wann du die BEs essen musst, steht auch alles auf dem Zettel hier. Keine Sorge, du bleibst jetzt erst mal in den nächsten Wochen hier in der Klinik, das kriegen wir dann schon alles geregelt. Morgen kannst du dich schon selbst spritzen, wirst schon sehen… (bitte was?). Leg dich jetzt erst mal schlafen. Wir kommen dann heute Nacht noch ein paar Mal zur Blutzuckerkontrolle, aber am besten übernimmst du Morgen dann gleich selbst das Ruder. Je schneller du das alles selbst managt, umso besser. Psychologische Hilfe bekommst du hier auch in der Klinik. Die solltest du auch annehmen…“

Diabetes = nie wieder Haribo? Ohne mich!

Diabetes = nie wieder Haribo? Ohne mich!

Das Problem war die piefige Diabetes-Klinik nicht der Diabetes

Nette Begrüßung! Hey Mann! Ich war 14 Jahre! Mitten in der Pubertät. Ich wusste rein gar nichts über Diabetes, außer dass es die Oma von einer Freundin hatte ;). Verdammt, war’s das jetzt? Meine Eltern saßen neben mir, weinend! Wie ich mich gefühlt habe? Ich denke, das muss ich nicht weiter erläutern. Das Problem war fast weniger die Diagnose als die piefige Klinik, die zickigen Krankenschwestern und die etwa 50 Jahre älteren Patienten. Keiner in meiner Altersklasse hier? Was habe ich falsch gemacht? Warum bin ich hier?

Warum bekommt man Diabetes Typ 1?

Das sollte ich am nächsten Tag erfahren, während ich mir gleichzeitig eine Einwegspritze mit Insulin auffüllen sollte, um sie mir dann in den Bauch zu „rammen“. „Also eigentlich bekommt man Diabetes, wenn man zu viel nascht (schon klar!), bei dir ist das aber etwas anderes, du hast eine andere Form des Diabetes: Diabetes Typ 1. Das ist eine Autoimmunerkrankung. Vermutlich hattest du mit etwa 9 Jahren einen Infekt und Antikörper haben fehlgesteuert nicht die eigentliche Ursache bekämpft, sondern die Betazellen deiner Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren (und warum?)…“ erklärte mir die „zickige“ Schwester vom Vortag sehr kenntnisarm und ungeschult. Aber ich hatte keine Wahl, als ihre Worte so hinzunehmen und die Regeln der Klinik zu befolgen.

Zucker und Sport, na klar!

Auch nach Aufenthalt der Klinik habe ich mich an die strengen Vorgaben noch lange gehalten, mir Wecker gestellt, um meine BEs pünktlich zu essen und den Blutzucker zu kontrollieren. Bis ich dann dank einer Selbsthilfegruppe (auf die ich glücklicherweise zufällig gestoßen bin) endlich lernte, dass ich sehr wohl Zucker essen und Sport treiben darf. Dass es neben Einwegspritzen auch Pens und Insulinpumpen gibt. Dass ich keine Zwischenmahlzeiten essen und auch keine halbe Stunde Spritz-Ess-Abstand einhalten muss. Ich hörte das erste Mal von „Insulinanaloga“. Ich habe das meiste in der Selbsthilfegruppe und von anderen Betroffen über den Diabetes gelernt. Und das ist auch heute noch so! Nur das ich heute nicht mehr von „Selbsthilfegruppen“ sprechen würde, sondern von der „Diabetes-Community“.

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  • Barbara Glaum

    Ich hatte ein sehr ähnliches Erlebnis bei meiner Erstmanifestation (allerdings war ich 27 ) und mein Vater hatte als Pharmareferent recht gute Connections zur Unikliniksbibliothek und ein paar Ärzten – leider damals zu keinem Diabetologen… Bei mir hat das Krankenhauspersonal irgendwie den Diabetes mit mir kennengelernt 😉 Z.B. dass das Verzögerungsinsulin abends vor dem Schlafen (und nicht vor dem Abendessen) gespritzt werden sollte, um die morgendlichen Höchstwerte zu reduzieren… oder dass das Augenlicht schwächer wird bis der Körper sich ans Insulin gewöhnt hat und danach wieder besser… War ein Schei… gefühl, als ich noch nicht mal mehr die Überschriften der Bild auf 2 m Entfernung lesen konnte…. Eine Woche nach dem Krankenhausaufenthalt ging wenigstens das Lesen wieder gut….

  • http://www.diabetes-leben.com/ Stefanie Blockus

    Hey Barbara, dann lebte deine Klinik auch noch hintern Mond, wann war denn das? Nicht auch zufällig in Bad Bevensen? Ich wusste damals NIX über den Diabetes und mir blieb nichts anderes übrig als den „Regeln“ der Schwestern und Ärzte zu folgen. Na ja, ich hatte dann ja das Vergnügen den Diabetes besser kennen zu lernen. Ich war dann in Behandlung bei einem magersüchtigen Diabetologen, der selbst Typ 1 hatte und unter Kontrollzwang litt. Das war auch übel, weil er meinen „BE-Plan“ noch weiter gekürzt hat. Immerhin meinte er, dass ich ruhig Sport machen darf. Wow! Die Probleme mit den Augen hatte ich glücklicherweise nicht. Aber die Klinik hat echt ein Trauma hinterlassen.Traurig, dass es echt noch Ärzte gibt, die sich Diabetologen nennen und überhaupt keinen Plan haben,,, Liebe Grüße zu dir und vielen Dank für deine herzlichen und hilfreichen Kommentare und Erfahrungsberichte hier im Blog :). Freu mich sehr darüber.

  • Barbara Glaum

    Die Ärzte und Schwestern waren nicht so böse sondern sie hatten einfach keine Ahnung von Diabetes. Wir haben echt gemeinsam gelernt.. Also auch gemeinsam überlegt, warum der Wert morgens so hoch ist (aus heutiger Sicht logisch, wenn die Spätschicht vor 18.00 das Lantus oder was es damals war gespritzt hat) oder warum ich nicht mehr lesen kann… per Nottransport zum Augenarzt, der gott sei dank so was schon mal hatte und mich beruhigte… „komm mit normalen Zuckerwerten wieder, dann prüfen wir die Sehstärke nochmal“.. ach und es war 1993 in Krefeld; keine Diabetologen sondern einfach nur die Privatstation, der Chef war Prof. der Inneren meine ich mich zu erinnern. Schlimm fand ich die Diabetes-/Ernährungsberaterin: jeden 2. Tag habe ich auf diesen Plastikbildertellern die BE schätzen müssen von Pizza, Nudeln, Klößen etc… und es gab 3 Wochen jeden Morgen und Abend wabbeliges Graubrot und jeden Mittag Salzkartoffeln… 😀 Bis ich ihr gesagt hab, noch ein Plastikbild von leckerem Essen und ich schmeiß sie raus! Dann haben wir gemeinsam nach essbaren Alternativen gesucht und ihre Theorie in die Praxis umgesetzt… – ich esse heute noch nicht gerne Salzkartoffel! 😀
    Ich habe erst vor kurzem hier diesen Blog gefunden und bin sehr froh darüber… mache gerade eine schwere Phase durch, Probleme mit Psyche, Diabetes, kein Sport, Verlust des Partners durch Tod etc… da ist es super hilfreich zu lesen, dass man nicht alleine ist mit den Problemen, das andere das gleiche oder ähnliches erlebt haben…. und durch Austausch auch Hilfe erzielt werden kann…. 😉

  • Gerri

    Bei mir wars gottseidank etwas angenehmer aber so ne Diagnose wird wohl nie Olas auslösen oder wenn, dann nur bei den Pharmamultis… *hehehe*

    Aber das kann man ja im Blog nachlesen… *grins* Btw. Wie gehts meiner Lieblingsrenndiabetikerin?