HAJ Marathon 2015: Diabetes bleibt (nicht) auf der Strecke

Marathon mit Diabetes ist manchmal schon eine „kleine“ Herausforderung…

Am Sonntag war Ausnahmezustand in Hannover: 25 Jahre Hannover Marathon! Über 20.000 Teilnehmer gingen bei feinstem Laufwetter am Sonntag an den Start, um in verschiedenen Disziplinen gegeneinander und miteinander anzutreten. Rund 150.000 Zuschauer feuerten uns (Marathon-)Läufer am Streckenrand an. Es war: WOW!

Ich hatte einen Startplatz für die Marathon-Strecke in der NDR-Laufgruppe gewonnen. Jippiiie!

Diabetes-Taschen für Marathon beisammen und richtig gepackt?

Samstag konnte ich die Startunterlagen und das T-Shirt auf dem Trammplatz am NDR-Infomobil abholen. Gesagt, getan… Vorher hatte ich mir noch auf der Marathon-Messe eine neue Diabetes-Tasche ;), vielmehr eine Lauftasche gegönnt. War mal wieder an der Zeit ;). Wie war das mit den Diabetes-Taschen ;)?

An den Handgelenken hatte ich jedenfalls meinen OmniPod (für den Fall der Fälle auch mit Insulin-gefüllte DailyDose Minispritzen) und mein FreeStyle-Libre (für den Fall der Fälle auch Blutzuckerteststreifen und eine Lanzette) untergebracht. So konnte ich Insulin abgeben/Basalrate senken und Blutzucker checken, jederzeit – ohne Insulinpumpe und Messgerät aus der Tasche holen zu müssen. Diabetiker beim Marathon halt ;). Wir haben ein bisschen mehr zu verstauen/zu schleppen als Stoffwechselgesunde.

Im/am Bauchgurt hatte ich die Startnummer angebracht, Riegel, Elektrolyte, Schlüssel, Handy und Co verstaut, was Otto-Normal-Marathonläufer eben so bei sich führt. Siehe Foto:

Diabetes-Taschen beim Marathon

Voll bepackt mit vielen Sachen, die den Diabetes leichter machen… Hinein ins Marathon-Feeling 😉

Die „Handgelenk-Tasche“ gibt es übrigens hier: Armband: MyBand Elite-Armband für iPhone 6, Galaxy S6, S6 Edge, S5, oder andere tragbare, gleichgroße oder kleinere Geräte

Konnte also im Prinzip losgehen… Stopp:

Die Blutzuckerwerte vorm Marathon und das T-Shirt passen nicht!

Das NDR-T-Shirt war viiiel zu klein. Ich sah darin aus wie eine Presswurst. Hallo? Blitz-Diät vorm Marathon nötig? Nö! Ist halt so wie es is(s)t ;). Da ich mich in dem Shirt nicht bewegen konnte, habe ich vorzugsweise mein eigenes getragen.

Nachdem ich kohlenhydratreich gefrühstückt, Kaffee getrunken, die Batterie meines OmniPods (PDMs) gewechselt, das FreeStlyle Libre aufgeladen, den Blutzucker gecheckt (150 mg/dl) und meinen Körper fe(r)ttig mit Vaseline eingeschmiert hatte, fuhr ich mit dem Rad zum Startpunkt des Marathons: Neues Rathaus/Trammplatz Hannover.

Angekommen! Stimmung dort war genial, die Sonne lockte die Hannoveraner an die Strecke und auch der Melderekord war deutlich zu spüren.

Diabetes nervt!

Blutzucker war durch die schnelle Radtour zu niedrig (hatte es mal wieder etwas eilig 😉 und beim Radfahren sinkt mein Blutzucker schneller als beim Laufen). Diabetes nervt halt! Ein Squeezy rein… bäh… hilft aber am schnellsten! Insulin-Basalrate/Temporäre Basalrate weiter reduziert (hatte sie bereits nach dem Frühstück, sprich 1,5 Stunden vor dem Lauf auf 70 Prozent abgesenkt) und zwar um 80 Prozent für 3 Stunden, in der Hoffnung, dass das so passt. Zur Not nachjustieren.

Der Startschuss beim Marathon Hannover fiel

… Und die Tränen kullerten…Warum? Weil ich absoluter Hahner-Twins-Fan bin! Als ich Lisa Hahners Stimme kurz vor Startschuss hörte, die aufgrund einer Verletzung leider nicht beim Hannover Marathon starten konnte, war ich sehr gerührt. Als ich sie dann einen Meter neben mir nach Überquerung der Startlinie erblickte, kullerte mir vor Freude doch glatt eine Träne über die Wange. Aufregung war vergessen. Ich war motiviert…

Startbereich Marathon Diabetes

Läufer im Startbereich beim Marathon Hannover 2015

Die Sache mit der Aufregung vor einem Marathon

Darin bin ich Meister. Alle im Vorfeld eines Marathons verrückt machen… Deshalb halte ich auch meine Klappe. Ich erzähle niemanden wann, wo, ich was für Läufe plane und im Nachhinein schreibe ich nur über die Läufe hier im Blog, die einen Mehrwert für uns Diabetiker haben.

Den Respekt vor der Marathon-Strecke, der Königsdisziplin, sollte man natürlich generell nie verlieren, gleichgültig ob mit oder ohne Diabetes. Bei mir ist allerdings fast schon etwas Angst im Spiel ;), die ich immer noch habe, auch wenn ich bereits 3,5 Marathons am Stück mit Diabetes im Gepäck bestritten habe.

Diabetes/Blutzucker auf der Marathon-Strecke: 21 Kilometer bergauf, weitere 21 Kilometer bergab

Nachdem es nun Lisa Hahner schaffte meine Aufregung in Motivation umzuwandeln, war ich halbwegs guter Dinge und kam die ersten 21 Kilometer gut durch.

So kann es immer laufen. Wenn die Blutzuckerwerte super sind klappt's auch mit dem Marathon :)

So kann es immer laufen. Wenn die Blutzuckerwerte super sind klappt’s auch mit dem Marathon 🙂

Insulin-Korrekturen und nötige BEs

Ich hatte ein wenig den Blutzucker mit Insulin-Bolus korrigieren müssen, da mein FreeStyle Libre einen Wert von 170 ansteigend anzeigte und ich meine Basalrate sehr weit abgesenkt hatte aus Angst während des Marathons zu unterzuckern. (Da ich bereits vor dem Lauf mit zu niedrigen Blutzuckerwerten unterwegs war).

Zum gespritzten Korrektur-Insulin hatte ich allerdings auch 2-3 BE in Form eines Müsliriegels gegessen.

Die Sache mit den Keton-Körpern

Danach ging es allerdings Blutzucker-technisch auch steil bergab… Hätte ich nichts gegessen, wäre das nicht passiert. Ganz im Gegenteil: der Blutzuckerwert wäre angestiegen. Hört sich merkwürdig an, ist aber so.

Wenn du über 42 Kilometer bei geringer Insulinbasalrate läufst ohne etwas zu essen, bilden sich ganz schnell Ketonkörper und dir geht es irgendwann richtig mies (bei mir schlägt das auf den Magen-/Darm-Trakt) und es fehlt dir natürlich an Power. Die Muskeln machen dicht!

Schnellwirksame Kohlenhydrate dringend erforderlich!

In jedem Fall brauchte ich nun schnellwirksame Kohlenhydrate. Das FreeStyle Libre zeigte einen Wert von 100 mit Tendenz sinkend. Eigentlich nehme ich bei Läufen schon bei Werten um die 120 mg/dl schnellwirksame Kohlenhydrate zu mir. Leider habe ich meine neue „Bauchtasche“ nicht aufbekommen, der Reißverschluss klemmte. Wie so oft…

Unterzuckerung gebannt, mit Squezzy

Dann erblickte ich meinen Mann unter den Zuschauern bei Kilometer 30. Ich fragte ihn direkt nach Traubenzucker, aber er hatte tatsächlich keinen Traubenzucker bei sich. Sonst schon (meistens)! Und dann schoss er noch frech ein Foto, dass er auch auf meiner Facebook-Seite gepostet hat.

Voll unterzuckert beim Marathon Hannover 2015. Diabetes nervt!

Voll unterzuckert beim Marathon Hannover 2015. Diabetes nervt!

Aber der nächste Verpflegungsstand war bereits ausgeschildert. Dort versorgte ich mich mit zwei Packungen Squeezy. Schneller als ich gucken konnte, stieg der Blutzuckerwert nun auch wieder an. Dennoch hatte ich natürlich an Zeit verloren.

Marathonis anfeuern ist auch anstrengend…

Dank Squezzy/genügend Kohlenhydrate intus, blieb dann auch der obligatorische Mann mit dem Hammer fern, der mich bei Kilometer 32 bei Marathons ganz gern mal aufsucht.

Mein Mann, Insa und weitere bekannte Gesichter, die ich unterwegs erblickte, lenkten ebenso von der Anstrengung ab und motivierten ungemein. Ich kann gar nicht zählen, wie viele Kinder ich (natürlich die Läufer generell) diesmal „abgeschlagen“ (ihr wisst was ich meine) und damit ein Lächeln ins Gesicht gezaubert habe.

Die Zuschauer haben uns Läufer ins Ziel getragen. DANKE!

Zieleinlauf, Blutzucker und wo ist Hendrik (Moppi)?

Nachdem mein Blutzucker die letzten 10 Kilometer keine Sorge mehr bereitete, ich freudig ins Ziel laufen konnte, habe ich gleich die obligatorischen „Nach-Läufen-nötigen-2-bis-3-Insulineinheiten“ gebolt, da ohne diese mein Blutzucker ins Unermessliche ansteigen würde.

Nun war ich auf der Suche nach meinem Hendrik (Moppi). Da mein Akku, also der des Smartphones ;), leer war, konnte ich ihn nicht anrufen. Dann bin ich mit dem Rad nach Hause und habe ihn von dort aus angerufen. Er hatte mich ins Zeil einlaufen sehen, konnte mir aber aufgrund der Absperrungen nicht bis zum Trammplatz/Neuen Rathaus zurück folgen.

Glückwünsche, Umarmung und Küsse und so 😉 haben wir dann also zu Hause nachgeholt und natürlich gab es ein wohlverdientes „Festmahl“, auch wenn ich keine Bestzeit gelaufen bin ;). Ergebnisse hier: Ergebnisliste Marathon Hannover.

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  • Jannes

    glückwunsch. super gemacht! toller bericht und witziges hypo-foto! gut getroffen. eine frage hätte ich noch wie viel trinkst du während eines marathons und in welche elektrolyte nimmst du?

    • Stefanie Blockus

      Hi Jannes, danke. Na du stellst Fragen ;). Kann ich dir gar nicht so einfach beantworten. Ab Kilometer 10 nehme ich den erste Verpflegungsstand mit, dann alle 5 Kilometer etwas Nachschub. Elektrolyte nehme ich in Tablettenform oder mische mir Salz in mein eigenes Getränk. Gern auch mit etwas Ingwer, bekommt meinen Magen besser.

  • Micha

    Sie beschwert sie sich noch über die Zeit und unser einer scheitert beim dritten Versuch. Glückwunsch, Staeff! Mein Zucker war Scheiße und die Beine haben gestreikt. Fr Kaffee? Nachricht eingegangen?

    • Stefanie Blockus

      Hey Micha, Mist… Aber du bist ja ein Kämpfer, beim nächsten Mal wird der Marathon gerockt!

  • TomTrailer

    Hallo Staeff, unter 4 h ist doch akzeptabel, da gab es mit Sicherheit tausende andere, gesunde Läufer, die dich darum beneiden. Danke für den schönen Beitrag und die guten Hinweise, auch in den anderen Beiträgen. Das mit dem BZ ist echt erschwerend beim Marathon. Vor einer Woche hatte ich vor dem Start die Probleme, trotz Korrektur mit steigeneden Werten zu kämpfen, die dann nach 30 min. Lauf nach unten stürzten und nur massiv mit Jubin, Cola und Banane abgefangen werden konnten. Zum Glück geht das mit dem freestyle libre gut zu kontrollieren. Ich bin deiner Empfehlung gefolgt und habe mir die Hangelenktasche von tallygear geleistet. Die Qualität erscheint wirklich gut, aber

    • Stefanie Blockus

      Hey Tom, na ja hab ja durch die Hypo viel Zeit verloren. Könnte mich in den A.. beißen. Aber Hauptsache gesund im Ziel, Beneiden wird mich da keiner drum, aber wer will schon Neider? Ein guter Kumpel läuft 2:59h, einmal eine 2 statt ner 3, das wäre schon was… ;).

      Ich finde die oben erwähnte MyBand-Tasche (Foto/Link im Beitrag) noch besser, auch wenn ich keine Probleme mit Kondenswasser habe, aber ich schwitze auch kaum. Die Tasche hat auch auf der Rückseite noch ein Fach. Passt auch der Schlüssel noch mit rein, EC-Karte, Geld, Taschentuch, Traubenzucker oder sogar ein schmales Smartphone.

  • Strongman Dudl

    Herzlichen Glückwunsch Stafanie, deutlich unter vier Stunden finde ich echt hammer. Ein klasse Bericht macht Spaß beim lesen. Unter diesen Umständen so eine Zeit zu erlaufen, dafür beneide ich Dich.
    LG. Daniel

    • Stefanie Blockus

      Oh vielen Dank :). Und du warst auch dabei ;)?
      Liebe Grüße

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  • Roger

    Hallo Staeff,
    komme jetzt erst zu Worte! 🙂
    Nachträglich Glückwunsch zu deiner (für mich) Traumzeit!!
    Dieser Marathon ist mir immer noch in „schlechter“ Erinnerung! Sorry!
    Bin ein Tag zuvor mit meiner Frau in Hamburg angekommen. Sie wollte den ganzen Tag shoppen. Bin ein guter Ehemann und ging darauf ein. Am Abend taten mir die Füße weh. Der nächste Morgen (HH-Marathon-Tag) hat ich „Verdauungsprobleme“!!!!!
    Mit weichen Knien und zittrigen Beinen fuhr ich mit der S-Bahn zum Start. Die Stimmung war trotzdem SUPER, denn ich war nicht der einzige Marathoni.
    Die ganze Stadt war voll mit Läufern! TOP Feeling!!!!
    Da saß ein Mädchen (nicht Marathonläuferin) in der S-Bahn. Sie telefoniert lautstark mit ihrer Freundin. „Da haben die doch glatt gestern Abend mein Auto abgeschleppt!!! Nur weil Heute dieser Scheiß Marathon ist….! Können die nicht im Wald laufen???….“ Nach dieser Äußerung war das ganze Abteil still…. Und dann fingen alle an zu lachen.
    Start mit Freunden und los ging es! Es war saukalt! Dann fing es an zu regnen. Ich hatte keinen Traubenzucker dabei. Durch die Aufregung hatte ich ihn vergessen. Aber am Start dachte ich mir, an den Getränkestellen gibt es bestimmt genug zu essen…!
    NEIN, erst nach 15 km die erste Banane! 🙁
    Dann endlich meine Rettung… DEXTER Energie! Lecker…in verschiedenen Geschmacksrichtungen… Jetzt geht es mir wieder besser!
    Das Ziel vor Augen! Super! Zwar meine schlechteste Zeit, total durchnässt und meine Haut voller Salz, aber glücklich auf den Roten Teppich zu laufen. Mein erste Ansturm war der Stand mit den Salzstangen und das alkohlf. Erdinger!
    Liebe und „süße“ Grüße, Roger

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