Insulin erhöht meinen Blutzuckerwert?!?

Ja wirklich: Insulin erhöht meinen Blutzuckerwert, oder wie ist das folgende Szenario sonst zu erklären?

Tage wie diese, verfluche ich. Ich stehe morgens auf, messe/scanne wie jeden Tag als erstes meine Blutzucker, warte auch nach 18 Jahren Diabetes-Kariere immer noch voller Spannung auf das Ergebnis (das ist vergleichbar mit Lotto-Spielen) und sehe dann auf dem Display den Wert: 274 mg/dl. Friede, Freude, Eierkuchen… (k)ein guter Start in den Tag. So begann meiner leider gestern.

Tage wie diese... Wenn der Diabetes mal wieder so richtig nervt!

Tage wie diese… Wenn der Diabetes mal wieder so richtig nervt!

Neue Erkenntnis: Insulin erhöht meinen Blutzuckerwert!

Also habe ich erst mal 3 IE Korrektur-Insulin gebolt. Ein Stündchen abgewartet, währenddessen nur Wasser getrunken (das aber in Mengen) und dann noch mal meinen Blutzuckerwert gecheckt: 294 mg/dl!

Na ja klar, voll logisch Mann: Insulin erhöht neuerdings den Blutzuckerwert. Normalerweise hätte mein Blutzuckerwert bei 3 IE injizierten Insulin, um 120 mg/dl sinken müssen. Aber mein Diabetes ist ja ein Rebell…

Also noch mal vier Insulineinheiten hinterher gebolt/gespritzt. Erst mal noch ein Versuch mit Insulinpumpe gestartet. Falls dann immer noch kein Insulin wirkt, werde ich einen neuen Versuch mit Insulinpen/DailyDose starten, dachte ich mir noch in dem Moment. Denn vielleicht sitzt der Pod/Katheter ja auch nicht (mehr) richtig?

Hoffen wir mal, dass die vier Insulineinheiten jetzt Wirkung zeigen. Eine Stunde später zeigt der Wert auf dem Display 274 mg/dl an. Hallo? Spätestens jetzt finde ich das Ganze nicht mehr ganz so lustig.

Korrektur mit Insulinpen / Insulinspritze

Als nächstes habe ich dann mit dem Pen/der Einwegspritze korrigiert. Diesmal mutige fünf IE, denn langsam wurde ich ungeduldig. Rein damit. Die obligatorische Stunde später ergibt dann der Blutzuckerchek einen Wert von 269 mg/dl. Jetzt ist es soweit: Ich fühle mich von meinem Diabetes so richtig verarscht! 

Hunger!

So langsam nervt mich neben der Müdigkeit, dem Schwächegefühl, der depressiven Stimmung auch dieses Loch im Bauch. Also gibt es etwas Grünfutter/Wiesenfutter (etwas, was meinen Blutzucker nicht erhöht) und zusätzlich noch mal 2 IE Insulin mit OmniPod. Keine Stunde später: Unterzuckerung! Hypo! Bombe!

Wenn der Blutzuckerwert zu hoch ist, gibt es neben Korrekturinsulin, viel Wasser und Wiesenfutter/Löwenzahn

Wenn der Blutzuckerwert zu hoch ist, gibt es neben Korrekturinsulin, viel Wasser und Wiesenfutter/Löwenzahn

14 IE Insulin intus – Dann doch Hypo

Wenn Medizinforscher in Sachen Diabetes Typ 1 und Heilung nicht voran kommen...

Wenn Medizinforscher in Sachen Diabetes Typ 1 und Heilung nicht voran kommen…

Tja war ja irgendwie klar, dass so ein Tag wieder mit einer Hypo endet. Immerhin konnte ich jetzt endlich etwas sättigenderes als Wiesenfutter (Löwenzahn) essen ;).

Bilanz des Tages: Insgesamt 14 Einheiten Insulin-Bolus reingeknallt + viel Wasser, ohne etwas zu essen und erst am Ende des Tages zeigte das Insulin Wirkung und dann aber gleich richtig. Bingo!

Kennt ihr solche besch… Tage auch? Wie managet ihr das? Was hätte ich besser machen können?

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  • rebecca

    Leider kenne ich diese Tage…. Es hat mich letzte Woche ebenso erwischt. Genauso. Und das Loch im Magen am späten nachmittag und die gereizte Stimmung taten ihr übriges dazu.

    Persönlich wüsste ich gar nicht, was man anders managen kann um solch ein dauerhaftes Blutzucker-Hoch wieder in das Tal zu bekommen. Man kann nur beobachten, handeln und wiederholt messen. Und fühlt sich an solchen Tagen völlig machtlos…

    Mittlerweile handhabe ich es aber so, dass ich zwar fortlaufend den Zucker messe. Aber beispielsweise bei der dritten Kontrollmessung nicht mehr korrigiere. Das klingt jetzt etwas fahrlässig. Ich lasse den Wert für eine gewisse Zeit etwas „oben“. Nach einer gewissen Zeit beruhigt sich der Zucker. Andernfalls falle ich bei einer erneuten Korrektur in kürzester Zeit in den Unterzucker.

    Hast du etwas spezielles gegessen oder hast du Stress, dass dein Zucker so „aufschafft“? In solchen Momenten darf man nicht zu logisch denken und zu viel analysieren. Das bringt nichts. Einfach akzeptieren das die Situation momentan so ist.

    Mit dem Zucker ist es manchmal wie mit einer Katze: Entweder Schmusekatze oder Tiger….

    • Stefanie Blockus

      Ja echt nervig sowas. Da hilft nur messen, messen, messen, korrigieren, abwarten… Ich habe mich sogar fast ein wenig über die Hypo gefreut. Es gab ja auch schon mal eine Zeit, wo nichts mehr geholfen hat und ich in meiner verzweifelten Situation das Insulin in den Muskel/Vene gespritzt habe (hatte mir das ja mal zeigen lassen). Sollte man aber von absehen, aber damals wusste selbst mein Arzt keinen anderen Rat. Heute hatte ich übrigens wieder super Blutzuckerwerte. Ne gerade Linie, den ganzen Tag.

  • Lars Streuer

    Klingt nach den Tücken einer Pumpe…

    Ich habe mit dem Omnipod schon einmal Ähnliches erlebt. Am Ende hat sich herausgestellt, dass sich unter dem Pod an der Einstichstelle eine Art „Depot“ (Blase) gebildet hat – gefüllt mit über 10IE. Da ich schon mit Spritze korrigiert hatte, durfte ich fleißig gegen die verzögert heranschleichende Hypo anessen.

    • Stefanie Blockus

      Hey Lars, danke dir. Hatte sich die Depot-Blase bei dir denn wieder von allein „zurückgebildet“. Lief am nächsten Tag dann auch wieder alles super?

      • Lars Streuer

        Ja, ging wieder weg, Steffanie. Das Insulin war auch nach 6 oder sieben Stunden verpufft. Ich hatte nach zig Korrekturen entnervt das Pflaster des Pods leicht angelupft um zu schauen, ob der Katheter ein Problem macht und hab dann sofort die Blase gesehen. Den Pod hatte ich dann gleich ersetzt. Habe ich nie wieder erlebt, vielleicht war der Katheter zu flach unter der Haut, oder es hatte sich eine Art Oedem gebildet. War ziemlich strange.

        • rebecca

          Das mit der „Blase“ habe ich bis dato ein einziges mal erlebt. War wirklich seltsam….

          • Stefanie Blockus

            Die Blase sieht aber nicht aus wei ein kleines „Knubbelchen“ oder? Also das habe ich nahezu immer. So eine kleine Erhebung auf der Haut, wenn ich den Pod abziehe. Deswegen wechsel ich auch ständig die Bereiche, damit sich die haut dort wieder erholen kann.

          • rebecca

            Nein, es sah bei nicht aus wie der übliche „Knubbel“, den ich ab und zu dann bekomme.
            Wie Lars beschrieben hat: Wie eine Art Ödem…Bei mir hatte dies dann ziemlich einen Druck unter der Haut.

  • Guest

    Ich hab das auch oft. Ich bin Penner und habe Apidra, und das ist schon sehr schnell. Trotzdem dauert es oft auch schonmal 1-2 Stunden, bis es wirkt. Keine Ahnung, warum. Allerdings steht beim Apidra auch in der Packungsbeilage, dass die Wirkdauer 4 Stunden beträgt, was bei mir auch hinhaut. Allerdings widersprechen da mein Doc und das Internet energisch und alle erzählen was von max. 2 Stunden.

    • Stefanie Blockus

      Hatte ja schon auf meiner Facebook-Seite geschrieben, dass ich Apidra auch gern mal testen würde. Aber wenn es bei dir auch nicht wirklich schneller wirkt als Humalog oder Novorapid, würde ich eher von absehen.

      • rebecca

        Bei mir persönlich liegen extreme Unterschiede zwischen Apidra und Humalog vor. Apidra flutet bei mir schnelle und besser. Mit Apidra benötige ich eine vehemment geringere Insulindosis….

        Mit Hilfe von Apidra ist es mir möglich, einen konstanten Verlauf ohne weitere Hilfsmittel zu haben….Aber auch nicht jeden Tag.

        Insuline wirken bei jedem anders.

        • Stefanie Blockus

          Danke für deine Erfahrungswerte, vielleicht teste ich es jetzt doch einfach mal aus.

      • Jörg

        Hallo Stefanie,
        bei mir wirkt Apidra schon etwas schneller als Humalog oder Novorapid,
        aber der Unterschied ist nicht so gross. Die anderen beiden habe ich aber
        in der Pumpe nicht vertragen. Nach 1 Tag entzündete Einstichstellen….

        Ich glaube diese Hochzuckertage kennt jeder. Bei mir lässt die Insulinwirkung
        übrigens ab ca. 250 stark nach. Die normalen Korrekturfaktoren funktioniern dann meist
        nicht mehr…. manchmal aber leider doch…. ;o(

        Gruss Jörg

        • Stefanie Blockus

          Die Wirkung ist ja auch abhängig von Größe, Gewicht und co. Man muss es für sich selbst austesten. Hatte da schon mal (über Humalog) recherchiert/berichtet: http://diabetes-leben.com/2013/07/humalog-die-insulinrennschnecke.html

          (Räume ja gerade meine alten Beiträge im Blog auf, durch das neue Design muss ich alle 900 neu formatieren/verlinken… Aber gut die Häfte ist geschafft und da rutscht mir dann ab und zu der ein oder ander Artikel in die Finger ;)).

    • Jörg

      … bei mir wirkt es auch länger.

      Gruss Jörg

  • Sahra Holden

    So eine Situation kann aber auch eine Mahlzeitketo sein…. Kenne ich auch nicht lange, heisst aber im Groben, dass sich der Zucker erhöht durch NICHT essen… Ist aber auch ein ewig langes Thema!! Misst du denn an solchen Tagen auch deinen Ketowert (Blut oder Urin)

    • Stefanie Blockus

      Danke Sahra, eine Keto hatte ich nicht. Messe ich bei solchen Werten gleich immer mit. Obwohl auch schon Ketone bei 100 mg/dl bei mir nachweisbar waren, beispielsweise nach nem Marathon, wenn ich nicht genug KHs während des Laufs bei gesenkter TBR zu mir genommen habe.

      • Sahra Holden

        Hallo Stefanie, Das mit der Keto nach nem Marathon liegt an der Übersäuerung der Muskeln oder?

        • Stefanie Blockus

          Ich glaube, dass kann einem nicht mal ein Fachmann richtig erklären… Also die einfachste, bzw. mir logisch erscheinenste Erklärung habe ich von einem Sport-Studenten bekommen: Glukose-Speicher leeer, Körper zieht sich die Energie aus dem Fett, dabei werden Ketone gebildet.

          Laktat spielt sicherlich auch noch eine Rolle, aber wie genau die Prozesse im Körper ablaufen, kann ich nicht erklären. Die Stoffwechselprozesse sind echt viel zu komplex. hatte mich vor geraumer Zeit viel damit auseinander gesetzt, aber das ist echt ein Studium für sich…

  • Simone Brune

    Diese Situation verfluche ich auch. Bolus um Bolus wird abgerufen und der Blutzucker sinkt erstmal gar nicht. Aber dann 4-5 Stunden kommt eine dicke fette Hypo. Nun habe ich mir angewöhnt, zunächst den Katheter zu wechseln und dann den Korrekturbolus (der fällt etwas großzügiger aus) abzurufen. Spätestens nach 3 Stunden esse ich etwas, egal wie hoch der BZ ist. Dann rufe ich nur noch einen Bolus fürs Essen ab. Klappt so eigentlich ganz gut. Aber echt anstrengend diese Blutzuckerschwankungen

    • Stefanie Blockus

      Jepp, richtg ÄTZEND! Du sagst es. Eigentlich nehme ich auch schnell den Pen oder die Einwegspritze zur Hand, aber Katheter, viel mehr Pod war diesmal nicht der Grund oder na ja wer weiß, vielleicht ja wirklich die Depot-Blase, die Lars unten erklärt hat? Bin jetzt erst mal froh, dass heute wieder alles gut läuft. Bis zum nächsten Mal… Soll ja nicht langweilig werden. Mann, mann, mann… Grrr!

  • Iris

    Danke für deinen Beitrag. Mein Name ist Iris und das was du beschreibst ist mir dieses Wochenende passiert. Ich bin nach so einer Aktion meines Diabetes ziemlich sauer, weil ich mich danach immer Frage, was hab ich falschgemacht. Ich habe meinen Weggefährten seit knapp vier Jahren und lerne schön langsam das sich dieser Typ schlicht nicht kontrollieren lässt so wie ich das gerne hätte . Es tut einfach gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. Danke

  • Co-Diabetikerin

    Hallo Steff,
    ich kenne solche Tage von Lili auch. Morgens leicht erhöht, im Bett noch korrigiert, damit bis zum Frühstück vielleicht schon was runter geht, Frühstück gebolt, gerade mit essen angefangen , Blick auf den libre: Zucker steigt steil *grumpf*… Beliebig auf jede andere Tageszeit übertragbar. Am liebsten hab ich das ja abends, damit ich nur ja nicht zuviel Schlaf kriege, die Hypo zwischen 12 und 4 ist dann programmiert…
    Ich bin dazu übergangen sofort den Katheter und auch den Schlauch zu wechseln, ev. auch das Insulin, denn das Novorapid flockt bei Lili in der Pumpe gerne. Und ich erhöhe die BR temporär, bis der weitere Anstieg stoppt.
    Dank libre wenigstens zeitweise sichtbar, aber zu teuer für uns, als das sie ihn ununterbrochen tragen könnte.
    Ich habe in der Situation auch immer den Eindruck, als würde der Anstieg mit der Insulinabgabe erst richtig losgehen, da könnte ich auch immer ko****, denn dann heisst es für’s Kind erstmal „sorry, Wartezeit…“ und das sorgt für jede Menge Frust.
    LG Heike

    • rebecca

      Das ist für Mama und Tochter alles andere als eine schöne Situation, wenn man mit solchen „ad-hoc-Blutzuckerverläufen“ zu kämpfen hat.

      Ich drück euch auf jeden Fall die Daumen bei euer weiteren Therapie. Aber bei dem derzeitigen Entwicklungsstand schafft man keine 100 % einer optimalen Blutzuckerführung. Man muss leider immer mit solchen Ausschlägen rechnen. Ob man will oder nicht. Nachdem man bei Kleinkindern sehr häufig misst, einfache einige erhöhte Werte hinnehmen…