Aegidiuslauf Hannover: Laufen für Kinder mit schweren Behinderungen

Ich bin absoluter Fan von Benefiz-Läufen, bei denen Spenden für Hilfsbedürftige  „gesammelt“ werden. Deshalb habe ich in den letzten Jahren derartige Veranstaltungen häufig den kommerziellen Läufen / Marathons / Ultra-Marathons vorgezogen, um damit neben dem Spaß am Laufen noch Gutes zu tun.

Über Benefiz-Läufe

Am Samstag sind Hendrik und ich spontan beim Aegidiuslauf Hannover gestartet, dessen Erlöse Kindern und Jugendlichen mit schweren Behinderungen zu Gute kommen. Der Aegidiuslauf Hannover gehört wie auch der Sucht-Hilfe-Lauf (kürzlich über meine Teilnahme berichtet) der Welfare-Laufserie Hannover an. Die Welfare-Läufe sind allesamt gut organisiert, „familiär“, es gibt selbst gebackenen Kuchen und man läuft meist quer durch den Busch statt mitten durch die City, und das vor allem ohne großes „Getrommel“ ;).

Übers Laufen

Ich bin beim Laufen gern für mich allein. Laufen ist meine Zeit. Ich liebe es stundenlang alleine durch die Natur zu laufen. Ob es regnet oder schneit, windig ist oder die Sonne scheint, interessiert nicht. Ich bin beim Laufen in einem Tunnel unterwegs, bekomme nichts mit, was um mich herum passiert. Das macht für mich Laufen aus. Klingt vielleicht egoistisch, aber ich brauche/genieße diese Zeit um vom Alltagsstress abschalten zu können.

Über den Aegidiuslauf Hannover, den Lauftunnel und meinen Blutzucker

Abschalten… So sollte es auch beim Aegidiuslauf Hannover am Samstag sein; ich hätte mich in meinem (Lauf-)Tunnel 😉 nicht nur fast verlaufen (zum Glück waren die Streckenposten wachsam ;)), sondern habe leider auch meinen extremen Blutzuckeranstieg nicht bemerkt und mich die letzten Kilometer deshalb gar nicht gut gefühlt. Bei 10-Kilometer-Läufen habe ich diese Anstiege in letzter Zeit öfters gehabt (früher nie), denn einerseits habe ich Angst, dass ich dabei unterzuckere (bedeutet bei einem 10-Kilometer-Lauf: Abbruch des Laufs), anderseits ist mir aber durchaus auch bewusst, dass ich für solche Läufe zusätzlich Insulin benötige. Jedenfalls meistens. Was also tun? Pokern und etwas Insulin spritzen oder Basalrate im Vorfeld absenken?

Aegidiuslauf Hannover 2015

Aegidiuslauf Hannover: Laufen für Kinder mit schweren Behinderungen. Oben links auch Doris Schröder-Köpf zu sehen, wie sie uns Läufer anfeuert.

Falsche Entscheidung: Basalrate abgesenkt

Ich hatte die Basalrate für den Äegidiuslauf abgesenkt, eine Stunde vorher für nur eine Stunde auf 10 Prozent… Dann zum Start des Laufes wieder auf 100 Prozent eingestellt. War mir sicherer, da ich den ganzen Tag eher niedrige Blutzuckerwerte hatte und viel in Bewegung und zudem kurz vor dem Lauf in Hannover mit dem Rad unterwegs war.

Insulinpumpe, CGMS und ich: ein starkes Team, aber einer voll funktionsfähigen Bauchspeicheldrüse passieren solche „Fehler“ nicht

Scheinbar habe ich falsch entschieden, hätte nicht die Basalrate für den Lauf absenken sollen, stattdessen 1-2 Insulineinheiten zusätzlich spritzen sollen. Das beweist mal wieder, dass Diabetiker, Insulinpumpe und CGMs zwar schon ein starkes Team sind, aber die Arbeit einer voll funktionsfähigen Bauchspeicheldrüse nicht ersetzen können. Tagesform, Wetter, Hormone, Stress… Zu viel, was wir nicht in unsere Berechnungen einplanen können.

Fazit: Der Aegidiuslauf Hannover war dennoch ein ganz besonderer Lauf und „nebenbei“ haben wir mit unsere Teilnahme Gutes getan. Ein tolles Gefühl!

Ich gratuliere meinem Moppi zu seiner neuen Bestzeit von 50:58 Minuten auf 10 Kilometer. Ich habe in meinem Zustand, mein persönliches Ziel, die 45 Minuten-Marke zu knacken (kein Hexenwerk ich weiß, aber ich bin eher die Langstreckenläuferin ;)), leider nicht ganz erreicht. Aber viel wichtiger war mir auch, dass ich meinen Blutzucker schnell wieder unter Kontrolle bekomme. Was auch glücklicherweise mit Insulinkorrektur in Verbindung mit einer kleinen Radtour hinterher gut und schnell geklappt hat.

Beim heutigen Lauf, bei dem ich auch die Strecke von gestern noch einmal passierte, hatte ich natürlich wieder Vorzeige-Werte. A typical Diabetic’s Running Life :).

Geteilte Freude ist doppelte Freude!Share on Google+Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on Pinterest
  • Barbara Glaum

    Hut ab, mal wieder, vor deinem läuferischen Einsatz. Ich arbeite mich gaaaaanz langsam an die 5 km Marke im Intervalltraining heran, bedeutet mal langsam laufen mal gehen, i.d.R. brauche ich da knapp 50 min für… Und du schreibst bei der doppelten Strecke in der gleichen Zeit von „kein Hexenwerk“… Mein Zucker geht meistens runter während des Laufens, allerdings hatte ich es jetzt auch ein paar Mal, dass er anstieg. Ein „Fachmann“ meinte, damit wolle mir mein Zucker sagen, dass Joggen für mich zu anstrengend sei…. Für mich heißt das eigentlich nur, ich muss weiter an meinem Diabetesmanagement arbeiten…
    Merkst du eigentlich in der Regel zu hohe oder zu niedrige Werte? Oder nur, wenn du dich richtig auf die Werte konzentrierst?
    Werde jetzt mal wieder ne Runde laufen.. Pumpe ist seit ner Stunde auf 60 %, während des Laufens werde ich sie dann wohl auf 10 % senken, sobald ich wieder am Auto bin testen und bei gutem Wert wieder auf 100 % setzen….
    Wenn alles passt, nächstes Mal das gleiche Spiel, wenn nicht – irgendwas ändern… Dann war entweder das Wetter, die Hormone, die Kondition, die Tagesform oder oder oder nicht richtig kalkuliert… Aber das kennst du ja besser als ich, da du schon länger läufst. 😀

    • Stefanie Blockus

      Na Mensch Barbara, das ist suuuuper! Die Hauptsache ist doch es macht Spaß und man bewegt sich, oder nicht?

      Ich merke in der Regel zu niedrige Werte und zu hohe Werte. Ab 70 mg/dl und drunter fehlt es mir an Kraft und mir wird schwindelig, ab 250 mg/dl und drüber wird der Mund trocken und Herz und Lunge machen Probleme…. Kussmaulatmung, …die typischen Symptome. Bis mir dann durch Ketone schlecht wird…

      Ich würde an deiner Stelle die Insulinpumpe vor dem Lauf drastisch reduzieren (10 Prozent) und sie zum Lauf ruhig wieder einschalten (bedenk die verzögerte Insulinwirkung). Bei Marathons handhabe ich das anders, dazu in Kürze mehr ;). Aber bei Läufen, die nicht über eine Stunde andauern klappt das super. Zumindest im Training.

      Das Insulin wirkt ja nicht sofort… das habe ich anfangs auch immer nicht richtig bedacht. Aber das muss man auch individuell für sich testen.

  • Thomas

    Hi Steaff, ich finde Deine Einstellung bewundernswert und ich finde es genial die Leidenschaft des Laufens sinnvoll zu kombinieren und dabei zu helfen. Ich lauf auch gerne stundenlang und schalte ab. Das nenne ich dann „all you can eat“ Lauf – eben so weit ich komme. Spontan an einer Lauf-Veranstaltung teilnehmen finde ich cool. Das macht unheimlich Spaß. Wirst Du noch an mehreren Spontan-Läufen teilnehmen um Deine Bestmarke zu knacken? Deine Bestmarke, ich glaub mal gelesen zu haben, liegt zur Zeit bei 45:08, und Du willst auf unter 45′ rauskommen. Ich drück Dir jedenfalls die Daumen, dass Du diesen Sommer Deinen persönlichen Rekord knackst. Und Moppi gratuliere ich zu seiner persönlichen Bestzeit, da kannst Du bestimmt noch etwas drehen, und irgendwann steht die 4 davor. Ich wünsch Euch Beiden noch viel Spaß und Freude beim Laufen. VG thomas

    • Stefanie Blockus

      Danke Thomas… Na ja, meine Einstellung ist nicht wirklich zu bewundern ;). Alles was man tut, tut man letztendlich doch nur für sich. Ich freue mich andere Menschen glücklich zu sehen, merkst du den Eigennutzen ;)? Weil ICH mich darüber freue, tue ich es doch nur ;D.

      Die unter 45 Minuten habe ich im Training geknackt, im Wettkampf noch nicht. Ich bekomme den Blutzucker echt nicht in den Griff bei 10-Kilometer-Rennen. Das nervt! Zu viel Adrenalin… Und wenn du mit 35O Blutzucker läufst, na ja du kennst es selbst… Ich bekomme kaum Luft, Kussmaul-Atmung und alles ist zu geschnürt. Muskeln machen dicht… Da steckste nicht drin…

      Aber ich laufe, weil es mir Spaß macht und nicht um einen Weltrekord zu brechen ;-D. Ich verdiene ja glücklicherweise mein Geld mit anderen Dingen und brauche mir damit keinen Stress machen.

      Lieben Gruß
      Steff

  • Brigitte

    Immer wieder habe ich alle Hochachtung wie du dein tägliches Leben „meisterst“, für mich bist du eine ganz große Kämpferin und immer wieder freue ich mich dich/euch zu sehen (oder zumindestens zu lesen), ja und gerade diese L#ufe der Welfare-Serie haben noch etwas ganz Besonderes: nicht nur das das Familiäre so toll im Vordergrund steht, nein ich weiß auch genau wofür das Geld was gespendet/erlaufen wird auch eingesetzt wird….und wir sehen uns…herzlichste Grüße…

    • Stefanie Blockus

      Ach was Brigitte… Was du leistest, das ist toll und du bist einer der herzlichsten Menschen, die ich je kennengelernt habe. DAS MEINE ICH ERNST! Ich freue mich schon auf den nächsten Lauf mit dir :).

  • Frank

    Danke für deinen Einsatz und die großzügige Spenden.

    • Stefanie Blockus

      Bitte gerne ;).

  • Pingback: Blick hinter die Diabetes-Blog-Kulisse()

  • Pingback: Reset für Körper und Geist: Pilgern statt Burnout und Blutzuckerschwankungen()