Mein erstes Radrennen: Wie ich meinen Diabetes dafür trainiere!

Aktuell trainiere ich für mein erstes Radrennen. Ich trainiere anders als Nicht-Diabetiker. Natürlich muss auch die Fitness stimmen, aber noch wichtiger ist, dass der Diabetes unter Kontrolle ist und meine Blutzuckerwerte im Radrennen passen. Außerdem muss ich schauen, wie ich wo was am besten verstaue. Für mich ist auch der Diabetes eine Art Ausdauersport, ein eigener, anstrengenderer, der weniger Spaß macht. Ein Wettkampf, ein Rennen aus dem ich nicht aussteigen kann.

Wettkampf-Planung für das erste Radrennen

Die komplette Strecke ablaufen/abfahren

Ich plane für jeden Wettkampf, welcher Art auch immer, anders. Dazu gehört die Taschenlogistik: Was benötige ich für mein Diabetesmanagement zwingend bei diesem Wettkampf? Was ist überflüssiger Ballast und kann zu Hause bleiben? Sowohl die logistischen Möglichkeiten als auch das Verhalten meiner Blutzuckerwerte teste ich im Training so oft wie möglich, in dem ich die komplette Strecke ablaufe oder abradele. Gut, dass ich bereits ne Menge Erfahrungen mit Laufwettkämpfen gesammelt habe: Ob schneller 10 Kilometer-Lauf, Halbmarathon, Marathon, Ultralauf oder 24-Stunden-Rennen, jedes Mal war eine andere Planung notwendig.

Type 1 strong: Den Diabetes aufs Radrennen vorbereiten

Die Höhen und Tiefen der Blutzuckerwerte

Bezüglich der Blutzuckerwerte habe ich durch den Test-Lauf/Test-Fahrt Richtwerte und weiß in etwa, wie ich die Basalrate für den Wettkampf einstellen muss. Auf der sicheren Seite ist man natürlich nie. Für den Wettkampf muss ich bedenken, dass auch Adrenalin, hinterher zudem Laktat ins Spiel kommen und das macht die Sache leider etwas komplizierter. Aber Dank Libre oder CGMs, Insulinpumpe und Traubenzucker klappt es meistens halbwegs gut. Ein zu hoher als auch ein zu niedriger Blutzuckerwert können zum Did Not Finish (DNF) führen,  mindestens aber Leistungseinbußen mit sich bringen.

„Yeah, Diabetes, ich habe dich voll unter Kontrolle… Ach nee, doch nicht!“

Manchmal denke ich, „Yeah, ich habe dich voll unter Kontrolle, Diabetes“ und dann macht die Blutzuckerkurve doch wieder komische Dinge, die ich in keinster Weise nachvollziehen kann. Ja ja, die Hormone kannste eben nicht überlisten…

Leider habe ich auch folgendes schon während eines Marathons erlebt: Ketone, Übelkeit, Magen-Darm… Ich habe es dennoch durchgezogen. 45 Kilometer gelaufen ohne etwas zu essen (war einfach nicht möglich)! Das war keineswegs gesund. Erst gegen Ende des Ultramarathons hat sich mein Blutzuckerwert wieder eingependelt und ich hatte endlich wieder Appetit und die Übelkeit war irgendwann verschwunden. Das sollte man der Gesundheit zu Liebe aber niemals tun! Es war der härteste Wettkampf, den ich je erlebt habe und glaubt mir es ging mir richtig bescheiden! Noch Tage danach.

Es kommt wie es kommt. Auch wenn du noch so gut planst…

Gut planen ist dennoch wichtig, auch wenn man den Diabetes manchmal nur schwer unter Kontrolle bekommt. Es gibt eine Sicherheit, wenn man alles gut durchdacht hat.

Planung für das ansehende Radrennen

Aktuell habe ich für mein anstehendes Radrennen die Strecke zweimal getestet und den Blutzucker-Verlauf gecheckt. Ich habe meine Tasche so gepackt, wie ich sie auch für das Radrennen packen werde. Verträglichkeit von Getränken und Essen getestet. OmniPod, Libre und Traubenzucker griffbereit ans Rad „geschraubt“. Nach der ersten Testfahrt der Strecke musste ich feststellen, dass es mir an Taschentüchern fehlte. Das war mir eine Lehre: Bei der zweiten Testfahrt hatte ich genügend griffbereit dabei.

Ich hatte im Training oft nach 2 Stunden Fahrt eine Unterzuckerung. Auf dem Rennrad schaffe ich es nicht, mit einer Hand bei Geschwindigkeiten um die 30 km/h Traubenzucker auszupacken, so habe ich mich entschieden Dextro Energy Liquid Gel am Lenker zu befestigen. Das kann ich mit dem Mund öffnen und in flüssiger Form geht Dextrose auch schneller ins Blut. Das Gel ist wieder verschließbar. Es ist mit Natrium angereichert, so dass ich auch Salzverlusten entgegenwirken kann. Die neue Sorte: Grapefruit schmeckt mir am besten. Fazit: Das Gel ist äußerst praktisch im Rennrad-Sport.

Dextro Energy Liquid Gel für das anstehende Radrennen

Die Dextro-Liquid-Gel-Fontaine ;-D

Ansonsten bin ich eher der Riegel-Typ, auch gern selbstgemachte, die sind schön klein und liefern Energie. Die Trinkblase und/oder Getränkeflaschen am Rad habe ich dabei und auf Magenverträglichkeit getestet. Der Diabetes-Kram, Ersatzzeug, was ich nicht ununterbrochen während des Rennens benötige, etwa Ersatz-Pods/Katheter, Insulin, Batterien, Teststreifen, Stechhilfe (falls mein FGM-Sensor ausfällt) ist in meiner Gürteltasche verstaut.

Spickzettel für das anstehende Radrennen…

Auf Basis dieser Erfahrungswerte, die ich während des Training gemacht habe, konnte ich folgende Schlüsse ziehen:

  • Bei einem Blutzuckerwert im Zielbereich etwa 1-2 Stunden vor dem Rennen die Insulinpumpe ausschalten
  • Basalrate während einer dreistündigen Tour (etwa 80 Kilometer) um 75 Prozent ansenken.
  • Nach der Tour etwa 2 Einheiten zusätzlichen Bolus spritzen (je nach „Blutzuckerlage“).
  • Nach 2 Stunden besteht Unterzuckerungsgefahr, besser nach 1:45 h Riegel essen.
  • Nicht zu oft messen, das macht mich kirre und ich fange an zu früh mit Insulin zu korrigieren, obwohl es gar nicht nötig ist.
  • Traubenzucker schnell griffbereit im Handgepäck 😉 bereit halten und nicht hinten im Koffer 😉 verstauen
  • Kein Magnesium in die Trinkblase füllen, vertrage ich nicht.
  • Schulterprobleme links nach jeder Tour: Bikefitting!
  • Taschentuch in der Hand bereit halten.
  • Schuhe und Kleidung: Das Anziehen, was ich im Training auch getragen habe. Schuhe!!! Ich habe einen Senk-Spreiz-Fuß und am rechten Fuß einen Halux, bedeutet: ohne Probleme bin ich mit den InSoul move Schuhen gefahren, da sie genug Freiraum für den Vorfuß bieten und keine Druckstellen, Blasen, etc. pp. verursachen. Von der Optik hat mir dieser am besten gefallen im Vergleich zu anderen „medizinischen Schuhen“. Insofern werde ich auch diesen im Rennen tragen (siehe Foto oben)
  • Ab und zu umdrehen, ob mein Hendrik noch im Windschatten fährt. Der Arme hat ein Fitnessbike (mit 2-Gang-Automatik-Schaltung → fies bei starkem Wind und Berg). Er muss aber bei mir bleiben, sonst finde ich nicht ins Ziel ;-D.

Jeder ist anders, aber vielleicht helfen dir die Tipps dennoch weiter.

Vielmehr kann ich wohl nicht vorbereiten. Für mein erstes Radrennen ist es mir auch nicht wichtig eine gute Zeit zu erreichen. Ich möchte nur unfallfrei und gesund mit meinem Hendrik ins Ziel kommen.

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  • Michaela Birnbaum

    Hallo.

    Wir sind heute nur eine normale Tour gefahren. Für eine Kugel Eis, knapp 30 km. Schon auf der Hinfahrt verlief es nicht unproblematisch, obwohl mein Sohn mit 230 gestartet ist. Er hat heute unglaublich viel Traubenzucker gebraucht. Wir mussten sogar eine Zwangspause unter flüssigen Traubenzucker einlegen. In Nachhinein hätte ich die Basalrate reduzieren sollen. Wäre besser gewesen. Doch letzte Woche ging es Berg auf und Berg ab, da war alles supi und ohne große Nebenwirkungen. Ich habe dein schickes Armband mit Messgerät gesehen. Ich glaube, das muss ich mir, bzw meinen Sohn auch zulegen. Wo gibt es denn so was?

    • Stefanie Blockus

      Hi Michaela, ja mal läuft es mal nicht. Man kann sich nicht drauf verlassen und Hormone schon mal gar nicht überlisten. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Ich hoffe, dass alles wieder okay ist?

      Das Armband habe ich zufällig bei Amazon gefunden. War aktuell nicht mehr erhältlich. Suche mal nach „myband“ auf Amazon. Musst nur sehen, dass das mit der Größe passt. Oder schau auf http://www.tallygear.com. Dort habe ich auch coole Armtaschen bestellt.

  • Aline

    Super Artikel. Du machst mir wirklich richtig Mut und gibst uns so viele hilfreiche Tipps an die Hand. Danke <3. Kannst du mir sagen, wo du die Schuhe her hast? Ich habe auch einen Hallux. Fährst du nicht mit Klicksystem? Ich hatte in einer deiner zahlreichen Artikel gelesen, dass du diese Schuhe mit Klicksystem nur beim Spinning fährst. Danke Aline und bitte weiter so!!!

    • Stefanie Blockus

      Danke, das freut mich. Die Schuhe sind im Artikel verlinkt. Und gut aufgepasst, sehr aufmerksam gelesen :), ich fahre ohne Cleats, nur beim Spinning mit. Ist mir nicht ganz geheuer 😉 auf der Straße oder auch im Gelände mit MTB.

  • Michaela Birnbaum

    Hallo!
    Ich möchte dir noch Rückmeldung wegen des Armbandes geben. Perfekte!!! Das ist wirklich eine Supersache! Beim Radfahren ist das wirklich viel, viel entspannter und mein Kind(11) kann sich, zu meinem Leidwesen, mehr auf das Tempo konzentrieren. So motiviert, hat er mir gestern die Anmeldung für den Stadtlauf(2,6km) vorgelegt und mich bei dem schönsten Regenwetter zum Lauftraining beordert, damit wir raus finden, wie hoch sein Verbrauch auf der Strecke ist. Wir haben dank der perfekten Positionierung durch das Armband, mit dem Libre im 400 bis 500 Meter Takt gemessen. So oft wird er während des Laufes bestimmt nicht messen müssen. Morgen denke ich, wird es reichen, wenn wir das auf 800 Meter machen, um ihn ein Gefühl dafür zu geben. Ich weiß, du bist trainiert und die Strecke + Zeit sind auch um einiges länger. Mich würde nur interessieren, in welchen Zeitabständen du den Blz kontrollierst. Mein Kind scheint beim Laufen nicht so viel KH zu benötigen, wie beim Radfahren. Ist das bei dir auch so?

    • Stefanie Blockus

      Hi Michaela, dickes sorry, habe deinen Kommentar eben erst gelesen, da ich seltsamerweise keine E-Mail darüber erhalten habe. In jedem Fall vielen Dank für dein Feedback. Das freut mich sehr zu hören. Ich scanne etwa alle 10 Kilometer, da ich mich sonst verrückt mache und zu schnell korrigiere (sei es mit Essen oder Insulin). Leider kann ich das pauschal nicht beantworten. Es kommt auch immer etwas darauf an, wie sicher man sich fühlt. Nach und nach wird es vermutlich immer weniger werden, man bekommt ein Gespür dafür. Je nach Tempo und Intensität benötige ich mehr oder weniger KHs. Wenn ich schnell laufe steigt mein BZ, laufe ich etwas langsamer sinkt er. Fahre ich mit dem Rennrad schnell benötige ich weniger KHs, langsamer wiederum mehr. Beim Mountainbiken ist es etwas schwieriger und schwer zu schätzen/zu planen. Bergauf im Sand über Wurzeln und Steine ist viel Kraft im Spiel und das zieht den Blutucker richtig in den Keller.