Individuelle Diabetes-Therapie! Zu viel Gepampe statt Gepumpe!?

Stichwort: Individuelle Diabetes-Therapie! Du findest Pens besser als Pumpen? Bevorzugst das FGM als Messmethode? Wiegst deine Lebensmittel lieber noch ab? Fährst mit Low Carb besser? Dann ist das völlig okay! Du misst den Blutzucker lieber noch klassisch und schreibst Tagebuch? Dann ist auch das völlig okay. Du hantierst mit CGMS/SmartGuard und Insulinpumpe, dann ist auch das… richtig: völlig okay!

Du hast damit deinen Weg gefunden! Der individuell zu dir, zu deinem Lebensstil passt. Mit dem du erfolgreich (mal mehr, mal weniger) deinen Diabetes managen kannst!

Bleib individuell, fair und tolerant

Bei mir haben sich beispielsweise das FGM und der OmniPod bewährt. Und just in diesem Moment weiß ich, dass es einigen in den Fingern juckt, zu schreiben: „Also FGM geht gar nicht, meldet keine Hypos, misst ungenau…“ oder aber auch: „Du hast den OmniPod? Nee, technisch längst nicht so auf der Höhe wie meine Insulinpumpe. Was kann der schon, dieser dicke Kasten? Noch nichts von der High-Tech 5.0 Turbopumpe gehört vom Hersteller XYZ? Dumm, lebst du hinterm Mond oder was?“

Stopp! Bis hierhin und nicht weiter. Gerne lese ich über neue Therapiemöglichkeiten, finde es spannend, diese auszuprobieren und lasse mich davon auch überzeugen oder vielleicht auch eines besseren belehren. Solange man fair und tolerant bleibt und sachlich argumentiert, gerne! Ob ich mich dann für Turbogerät XYZ entscheide, wird sich zeigen, wenn ich es selbst getestet habe und sich dieses bewährt hat.

Doch niemand ist „bescheuert“, weil er auf andere Therapiehilfsmittel setzt! Derjenige wird seine Gründe haben, warum er eben diese und jene bevorzugt. Ich finde es sehr schade, dass ich darüber überhaupt einen Blog-Artikel schreiben muss (okay muss ich nicht, doch für die Seele ist es besser ;))! Darüber, dass man sich nicht anpampt! Freundlich miteinander umgeht, sachlich bleibt, akzeptiert und toleriert, zusammenhält und sich unterstützt. Leider passiert das immer seltener in den sozialen Netzwerken und in Foren, in denen ich immer gerne gelesen und diskutiert habe.

Verkaufe deine Seele nicht an ein Pharma-Unternehmen! Sei ehrlich zu dir selbst und zu anderen!

Auffällig ist auch die Grüppchen-Bildung. Wir sind die CGMler, wir sind die FGMler, wir die Pumpis, wir die Penner und wir sowieso die besten. Wenn man bei einzelnen Personen aus diesen Gruppen mal einen kritischen Blick hinter die Kulissen wirft, muss man leider manchmal feststellen, dass sie gar nicht unabhängig sind, sondern von den Herstellern der Insulinpumpen, Messsysteme, die sie nutzen und promoten, Geld und andere Zuwendungen bekommen oder gar für sie arbeiten.

Das macht mich schon etwas SAUER! Natürlich darf man von dem was man nutzt, was man tut, überzeugt sein und auch damit sein Geld verdienen. Aber dann sollte man das auch erwähnen, vor allem ehrlich und fair bleiben. Doch bitte sachlich argumentieren, auch die Meinung anderer zulassen und nicht nur für oder gegen Therapiehilfsmittel sprechen, weil der Hersteller mir dafür Geld in die Tasche steckt bzw. keines.

Das erinnert mich an einige Diabetologen, dessen Praxis ordentlich Provision bekommen, wenn sie Therapiehilfsmittel von bestimmten Pharmaunternehmen an uns Diabetiker „verhökern“. Das ärgert uns doch auch!

Anti-Werbung, wenn Pharmaunternehmen nicht mit uns kooperieren möchten

Auffällig ist mittlerweile die Anti-Werbung für gewisse Messsysteme, dessen Hersteller nicht mit Diabetes-Bloggern und Diabetikern kooperieren möchten, wo wir doch eigentlich ganz gute Multiplikatoren sind. Wie ich das Verhalten seitens der Hersteller aber auch der Blogger finde? Bescheiden… Doch natürlich kann ich die Anti-Werbung ja fast schon etwas verstehen. ABER, sie bringt uns doch auch nicht weiter!

Wenn das Therapiehilfsmittel nun mal das beste für mich ist, dann möchte ich ja auch, dass daran weitergearbeitet wird, es mit erhalten bleibt! Da nutzt es wohl wenig das Therapiehilfsmittel des Herstellers auf jeglichen Plattformen im Netz zu verteufeln!

So könnte eine gelungene Kooperation aussehen

Man sollte viele Betroffene in die Entwicklung einbeziehen, sie sprechen und auch testen lassen. Beispielsweise könnten wir vor den Entwicklern darstellen, was wir uns wünschen, was an den gängigen Insulinpumpen verbessert werden sollte, was gut funktioniert. Wie man uns den Alltag mit Diabetes noch erleichtern könnte. Was ein Messsystem, was eine Insulinpumpe leisten sollte… Was wirklich wichtig und gewinnbringend ist, wissen nur wir, die Betroffenen, die Anwender!

Diese Aktion hier von Accu-Chek hat mir sehr gut gefallen. Im Vorfeld hatte ich euch noch gefragt, was ihr für Vorstellungen habt, denn es ist wichtig, dass nicht nur ein/zwei Diabetiker sprechen oder immer der/die gleiche Blogger/in. Es geht hier schließlich um uns alle, um die individuelle Diabetes-Therapie! Sicherlich kann nicht jeder Wunsch abgedeckt werden, aber zumindest wird die weitere Entwicklung damit in die richtige Richtung geleitet. Denn was nutzt mir ein Messgerät, das im dunklen leuchtet, aber ungenau misst? Oder eine Insulinpumpe, für die es keine vernünftigen Katheter gibt? Eine Stechhilfe, die größer ist als das Messgerät und dicker als der Pen?

Daran wird deutlich, wie wichtig es ist, uns Betroffene mit einzubeziehen. Und auch wenn derzeit tatsächlich nur die Stechhilfe von Accu-Chek nutze ;), lobe ich mir solche Kooperationen sehr ;). Auch mylife ist wirklich sehr kooperativ. Klasse! Das ist aber weniger Grund, warum ich den OmniPod nutze, wie meine Leser wissen! Dennoch spricht es natürlich zusätzlich für das Unternehmen, welches davon wiederum profitiert.

Schade ist jedoch, wenn wir hinterher, trotz all der Mühe uns Arbeit, wenig Feedback erhalten und sich nichts von den eingebrachten Ideen und Anregungen in den Produkten wieder findet.

Zum Stichwort: Individuelle Diabetes-Therapie

Zu guter Letzt: Ich habe mir all meine Systeme so ausgesucht, dass sie zu mir passen, zu meinem Alltag. Ich gebe hier meine Erfahrungen (die ich in über 20 Jahren gemacht habe) gerne weiter. Mehr kann ich nicht tun. Ich kenne weder deine Vorstellungen noch deinen Alltag oder deine Ziele. An dieser Stelle erwarten euch keine Empfehlungen sondern nur Erfahrungswerte, denn die bestmögliche Diabetes-Therapie, die musst du für dich finden. Das wollte ich noch einmal klar stellen ;).

STAY TUNDED, eure Steff

Geteilte Freude ist doppelte Freude!Share on Google+Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on Pinterest
  • Barbara Glaum

    es ist wirklich traurig, dass du diesen Artikel schreiben musstest – aber es sind sehr wahre Worte. Wie immer gut auf den Punkt gebracht. Ich für meinen Teil bin sehr froh, dass ich durch dich auf Diabetes-Blogger aufmerksam geworden bin und immer mal wieder neue Anregungen bekomme, die ich mit meinem Doc besprechen und auch mal ausprobieren kann. Ob es passt, stellt sich dann heraus…. Meinst du, man kann den Pod auch mal Probetragen? Wobei ich habe ja noch mindestens 1,5 Jahre Zeit ehe ich mir eine neue Pumpe zulegen kann/darf… und zur Zeit läuft der 3. Sensor in Folge recht gut…. dafür spinnt der Libre das erste Mal.. Perfekt gibt es weder bei der Technik noch im richtigen Leben beim Diabetes – sondern immer nur mal mehr und mal weniger gut/schlecht…. Ausdauersport halt… 😉

  • Sanni

    Liebe Steff, wenn du denArtikel nicht geschrieben hättest, hätte ich das auch bald gemacht. Du hast so recht. Mir vergeht die Lust aufs bloggen, besonders aufs lesen!!!! Schreibe die noch eine PN. Ich vermute, ich weiß worauf du dich konkret beziehst!!! Bleib weiter so authentisch.

  • Jürgen

    Liebe Steff, liebe Pumpies, liebe Einser !

    Dein Post drückt soviel Frust und Hilflosigkeit aus. Da ist
    bestimmt etwas vorgefallen, was Dich so aus der Bahn geworfen hat. Das tut mir
    so leid Dich in einer solchen Stimmung zu lesen. WAS IST DA PASSIERT ?

    Mir geht es oft auch so, und deshalb habe ich auch mal
    geschrieben: Wir sind allein. Um uns herum gibt es so viel oberflächliches
    Geplapper von Diabetologen (mit Gekritzel auf unseren Auswertungen), von Firmen
    (die doch nur verdienen wollen), von Familien-Mitgliedern (die im Ernstfall
    doch nichts machen) und sonstigen Bekanntschaften (am besten umdrehen und
    gehen) dass die Verantwortung für den Mist ja doch bei uns bleibt. Und deshalb
    haben wir auch selbst zu entscheiden wie wir damit umgehen, jeder für
    sich. Dein Blog baut mich da so richtig auf, dann bin ich doch nicht mehr so
    ganz allein. Das Gefühl möchte ich Euch jetzt vermitteln, allen die vor ihren
    Kurven sitzen und den Kopf schütteln, oder über Leute ärgern, die Euch ihre
    weltfremden Gedanken verkaufen wollen. Was immer bleibt ist der Wille nicht
    aufzugeben, auch immer wieder etwas neues versuchen. Der Frust glaube ich
    gehört wie die Hypo zu unserem Leben, aber Aufgeben … niemals!

    Du tust so viel für uns alle wenn Du Deinen Kontakt zu Pharmafirmen
    vorantreibst. Natürlich funktioniert das alles nur, wenn man uns einbezieht. Und Du bist
    unser Sprachrohr. Wir sind stolz auf Dich !

    Alles Gute für Euch ! Jürgen

    • Stefanie Blockus

      Hallo Jürgen, herzlichen Dank für deinen hilfreichen Kommentar. Es freut mich zu lesen, dass dich mein Blog aufbaut. Zu deiner Frage: na ja man ärgert sich schon mal über das Gepampe anderer Diabetiker/Diabetes-Blogger (dabei sollten wir fair zueinander sein und uns aushelfen). Ich werde leider auch mal „angegriffen“ , weil ich als Blogger nun mal ein indirekter „Meinungsmacher“ bin und damit natürlich auch nicht immer die Meinung anderer Blogger (oder what ever) vertrete. Wenn ich ein Gerät persönlich nicht als gewinnbringend ansehe, dann schmeckt das denjenigen nicht, die Geld dafür kassieren, dass sie dieses bestimmtes Gerät bewerben. Das sollten sie akzeptieren und nicht unfair werden, jemanden als dumm bezeichnen, weil er eine andere Meinung dazu hat… Konkrete Namen nenne ich an dieser Stelle nicht, ich will fair bleiben und der Artikel sollte allgemein einmal darauf hinweisen,

      Liebe Grüße und vielen Dank für dein Feedback :).
      Steff