Mein bitte­rsüßes Leben… Nachtigal(l), ick hör dir trapsen!

Mein bittersüßes Leben, ein Buch von Doris Nachtigal, 1973 geboren, seit ihrem 28. Lebensjahr hat sie Diabetes Typ 1. Also bereits 16 Jahre, wenn ich mich nicht verrechnet habe ;). Rechnen ist nämlich genauso wenig meine Stärke wie ihre. Doris Stärke ist vielmehr das Schreiben und das beherrscht sie auch wirklich. Jemand sagte zu ihr: „Frau, du kannst schreiben. Du MUSST schreiben. Nicht, um ein Buch zu veröffentlichen oder weil du eine Botschaft verkünden willst, sondern weil du Schreiben BIST. Andere können Musik machen, wieder andere können rechnen. Du aber kannst schreiben. Und geh ja nicht in ein Schreibseminar, dein Stil ist einzigartig und genial.“ Dieser Jemand hat Doris begleitet, sie unterstützt und mit ihr den Verlag gesucht.

Nach Veröffentlichung ihres Buches Mein bittersüßes Leben flatterte mir jedenfalls direkt ein Exemplar ins Haus. Bis heute weiß ich nicht, warum und wieso, und wer mir das Buch schickte. Fakt ist: Ich habe es direkt in meinen Koffer gesteckt, um es mit auf meine geplante Geschäftsreise zu nehmen. So kam es, dass ich am Flughafen fast meinen Flieger verpasst hatte, weil ich so tief in dieses Buch versunken war.

Mein bittersüßes Leben Buch von Doris Nachtigal

Über Doris und ihr Buch: „Mein bittersüßes Leben“

Ich mag Menschen, die offen und ehrlich (auch zu sich selbst) sind, über ihre Gefühle sprechen können, bei denen eben nicht immer alles „tutti“ ist und die nicht alles besser wissen, obwohl sie wie wir alle eben nichts wissen. Menschen, die auf dem Boden der Tatsachen bleiben, solche die nicht abheben, nicht zu Schauspielern mutieren, um anderen Gefallen zu wollen. So jemand ist Doris. Ich habe sie noch (!) nicht persönlich getroffen, aber ich glaube, sie ist so jemand ;).

Doris erlebte, so wie viele Typ1er auch (mich eingenommen), einen Zusammenbruch als bei ihr Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde. Noch Jahre nach der Diagnose konnte sie den Diabetes nicht akzeptieren, wurde mit typischen Vorurteilen konfrontiert, die zu Schuldgefühlen und Selbstzweifel führ(t)en. Doris investierte viel Geld und Zeit in die Suche nach einer Heilung, die es bis dato nicht gibt.

Doris Nachtigal beschreibt ihren Weg, wie sie es geschafft hat, dem Diabetes doch noch etwas Positives abzugewinnen, mit allen Höhen und Tiefen. Doris gibt Einblicke in ihre persönliche Lebensgeschichte. So schreibt sie offen über ihre Schwierigkeiten, sei es mit dem Partner, mit Freunden und in der Familie und welche Rolle der Diabetes dabei einnahm. Auch Drogenkonsum und eine Zeit mit zwei gebrochenen Füßen im Rollstuhl werden thematisiert (na ja mit einem Fuß kann ich auch mithalten 😉). Nun, man hat eben nicht nur Diabetes. Die meisten Diabetiker finden sich in Doris Buch sicher wider.

Doris „Nachtigal(l), ick hör dir trapsen“

Bis dato habe ich viele Geschichten von Menschen mit Diabetes gelesen, wie sie die Diagnose und die Zeit danach erlebt haben. Von „Scheißspritzerei“, Experimenten hinsichtlich Blutzuckermanagement und Heilung, über steckengebliebene Kohlenhydrate im Blut, nicht wirkendes Insulin, Vorurteilen und Selbstzweifel bis hin zu dem, dass der Diabetes einen zu dem gemacht hat, was man heute ist. Unsere Diabetes-Reisen sind unterschiedlich, individuell, ähneln sich aber in gewisser Weise.  Auch Doris Reise erinnert mich ein bisschen an die von anderen Diabetiker und an meine eigene. So kam mir beim lesen des Buches oft die Redewendung „Nachtigal(l), ick hör dir trapsen“ in den Sinn. Sorry, Doris Nachtigal(l), aber dein Name bot sich dafür an ;).

Zu guter Letzt bleibt mir nur zu sagen, dass ich Doris Buch nicht nur aufgrund ihrer spannenden Lebensgeschichte weiterempfehlen kann. Sondern auch, weil ihr Schreibstil und ihre Erkenntnisse inspirieren.  Etwa:

  • „Man muss sich an seinem eigenen Schopf packen und mitsamt dem Pferd aus dem Sumpf ziehen“,
  • „Verstehen, dass man nur so sehr behindert ist, wie man sich selber behindert“ oder
  • „Man müsse nicht gesund sein, um gesund zu sein.“

Sensationell und es hat mich sehr nachdenklich gestimmt.

Aus ihren Erkenntnissen hat sie übrigens auch ein Workshop-Konzept entwickelt. Macht euch am besten selbst ein Bild von Doris, von ihren Workshops, von ihrem Buch. Mich hat sie fasziniert! http://www.nachtigal.ch

Auf ihrer Seite habe ich auch eines meiner Lieblingszitate entdeckt:

«I have a dream! Ich träume von einer Welt, in der Menschen nach ihrem Wesen und nicht nach ihrem Körper beurteilt werden. Ich halte diese Wahrheit für selbstverständlich: Alle Menschen sind gleich erschaffen.»

(frei nach Martin Luther King)

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  • rebecca

    Das Buch von Doris zeigt vor allem auf mit welchem Widrigkeiten man mit seinem Typ-1 Diabetes zu kämpfen hat.

    Wer kennt das nicht: Ein fortlaufend fallender Blutzucker während Neujahr, ein Anruf bei der Ernährungsberaterin hinsichtlich korrekter Dosis, „Halbwissen“ zur Thematik aus der Verwandtschaft….

    Es ist mehr als treffend, dass Doris ein Coachingunternehmen gegründet hat und sich mit Belangen rund um den Typ-1 und Typ-2 Diabetes beschäftigt.

    Man kann hier nur von einer Bereicherung für Betroffene sprechen.