Über die Herausforderungen als Fitnesstrainer mit Typ-1-Diabetes

Ich habe mich bereits 2010 zum Fitnesstrainer, vielmehr Spinning-Instructor ausbilden lassen. Ehrlich gesagt, habe ich nie großartig darüber nachgedacht, ob mein Diabetes dabei ein Problem sein könnte. Mein Motto lautet: „Nicht groß reden, schon gar nicht zweifeln, sondern machen“. Ich habe Diabetes, na und? Natürlich muss ich mehr planen, berechnen, aufpassen und bedenken als Nicht-Diabetiker, aber ich bin das seit nun mehr 21 Jahren doch nicht anders gewohnt und weiß (meistens ;)), was ich tue. Im März gehe ich meinen nächsten Trainerschein an und lasse mich zum Jumping-Fitness-Instructor ausbilden.

FitnesstrainerDiabetes… lass den mal meine Sorge sein

Diejenigen, die mich gut kennen und über den Diabetes Bescheid wissen, haben längst aufgegeben, mich dahingehend eines „Besseren“ zu belehren. Diejenigen, die kaum etwas über den Diabetes wissen, sollten eh besser ruhig sein ;). Fragen ist erlaubt, klugscheißen nicht! Sie werden den Diabetes nicht verstehen, nicht wenn sie ihn nicht selbst an der Backe haben. Selbst wenn, bleibt der Diabetes ein individueller Garstkopp, der nicht mit einer allgemeingültigen Bedienungsanleitung funktioniert, teilweise nicht mal verlässlich mit der eigenen.

Bei Marathons/Ultraläufen, Radrennen oder im Fitnessstudio begegnet mir schon gelegentlich jemand: „Aber du hast doch Diabetes… Ist das noch gesund? So viel Sport?“. Ich denke, spätestens mit dem 24 Stunden-Lauf oder auch zahlreichen Marathons/Ultraläufen, Radrennen, Trainerscheinen, … habe ich längst bewiesen, dass das auch mit Diabetes geht ;). Den Diabetes lass mal meine Sorge sein. Na und über „gesund“ braucht man eh nicht zu diskutieren. Was ist schon gesund?

Herausforderung bei der Ausbildung zum Jumping-Fitness-Trainerschein: Ich gehe etwas anders vor als Stoffwechselgesunde

Aktuell lerne ich schon fleißig Schritte und Choreos für meine Ausbildung zum Jumping-Fitness-Trainer. Nun, es wäre gelogen zu behaupten, dass ich als Diabetiker genauso vorgehen würde, wie ein Stoffwechselgesunder bei seiner Ausbildung zum Fitnesstrainer.

Die Sache mit der richtigen Planung

Ich habe beispielsweise meine Ausbilder für den Jumping-Fitness-Trainerschein nun im Vorfeld gefragt, wie Theorie und Praxis über die Ausbildungstage hinweg aufgeteilt werden. So kann ich das besser planen. Sport muss eben wie Essen und andere Dinge (gut) geplant werden. Jumping Fitness ist mega anstrengend und ich muss mindestens eine Stunde vorher das Insulin „rausnehmen“, in etwa abschätzen können, über welchen Zeitraum gehüpft wird. Ich bin es gewohnt, vorausschauend zu denken, nicht einfach in den Tag hinein zu leben. Alternativ könnte ich auch direkt vor dem Jumping Fitness etwas essen, aber das bekäme meinen Magen nicht sonderlich gut ;), versteht sich.

Blutzuckerbalance, Technik, Takt, Choreo und Didaktik

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich an den Ausbildungstagen mit meinen Blutzuckerwerten viel zu tun haben werde, weil ich eben nicht 100% weiß, was mich erwartet und ich auch spontan agieren muss. Hinzu kommt die Aufregung, die den Hormonhaushalt wieder etwas durcheinanderbringen wird und damit auch die Blutzuckerwerte. Das kenne ich bereits von Prüfungen, Vorträgen und Wettkämpfen. Nun ja, daran sieht man wieder, dass das Spritzen und das Blutzuckermessen das geringere „Problem“ eines Typ-1-Diabetikers sind. Während sich Nicht-Diabetiker „nur“ auf die Technik, den Takt, die Choreo und Didaktik konzentrieren können, kümmere ich mich zunächst um meinen Blutzucker. Um das, was mein Körper eben nicht automatisch macht.

Und wenn die Hypo kommt, dann… Der Diabetes hat Prio 1!

Der Blutzucker hat immer Prio 1 und das ist kein Zuckerschlecken ;). Ich kenne das bereits von meiner Ausbildung zum Spinning-Trainer. Natürlich wollte ich auch dabei keine Sonderbehandlung, wenn aber die Hypo oder Hyper kommt, hat das „Bekämpfen“ dieser, selbstverständlich Vorrang und da benötige ich doch mal eine „Extrawurst“ vielmehr „Extra-Zuckerstückchen“ ;). Das hatte ich auch bereits schon beim Marathon erlebt. Da wird die Zeit zweitrangig.

Hyper und Hypo in der Position als Fitnesstrainer

Hyper und Hypo… beides kam während meiner Kurse in der Position als Fitnesstrainer Spinning-Instruktor) schon vor. Wenn auch selten. Wie ich damit umgegangen bin?

Hypo

Bisher habe ich erst eine Hypo in eines von mir geleiteten meinem Spinning-Kurses erlebt. Sie hat mich völlig überrascht. Damals hatte ich auch noch kein CGM oder FGM, sondern habe den Blutzucker noch gemessen. Ja tatsächlich, heutzutage ist Blutzuckermessen ja schon retro ;)! Gott sei DANK! Ich bin sogar meinen ersten Marathon noch mit Blutzuckermessgerät gelaufen. Heutzutage fast schon nicht mehr vorstellbar ;-P.

Studio-Personal und Kursteilnehmer sind über den Diabetes informiert und wissen was im Notfall zu tun ist!

Im besagten „Hypo-Kurs“ (so will ich diesen mal nennen) wussten fast alle Teilnehmer, dass ich Diabetes habe. Ich habe daraus nie ein Geheimnis gemacht. Auch die Betreiber bzw. die Studioleitung der verschiedenen Fitnessstudios wussten über meinen Diabetes Bescheid. Ich hatte sogar einen Plan ausgedruckt, was im Fall der Fälle zu tun sei. Letztendlich können sie doch nur den Rettungsdienst rufen. Ganz falsch wäre jedenfalls, mir noch Traubenzucker in den Mund zu schieben, wenn ich bewusstlos bin.

Ein Hypo-Notfall-Kit habe ich auch nicht dabei, da es ja im Kühlschrank lagern muss und ich auch in verschiedenen Studios Kurse gebe und nicht regelmäßig in den gleichen. Außerdem lässt Bewusstlosigkeit nicht automatisch auf eine Hypo schließen. Deswegen können sie doch dann nur eines tun: den Rettungsdienst verständigen und ihm direkt am Telefon mitteilen, dass ich Diabetes Typ 1 habe, oder? Alles andere würde in der Notsituation überfordern. Wie bei anderen sportlichen Aktivitäten auch, passe ich meine temporäre Basalrate nach Sportart, Dauer der Aktivität und aktuellen Blutzuckerwert im Vorfeld an, so dass ich in der Regel auf der sicheren Seite bin. Aber natürlich hat man es nie 100-prozentig in der Hand. So sollte es besagten Tages auch sein.

Traubenzucker für alle

Meine Stunde hatte ich gut vorbereitet: nach Zeit, Technik, Gelände und Herzfrequenz durchgetaktet. Etwa passend zur Halbzeit nahte die Hypo. Traumhaft! Damals hatte ich noch kein CGMS oder FGM, sonst hätte ich rechtzeitig gegen steuern können. So war es aber zu spät und ich tischte das Picknick auf ;). Ich habe meine Hypo einfach mit in die Stunde eingebaut, als wäre sie ein Teil davon. So habe ich die Teilnehmer darauf aufmerksam gemacht, dass sie nach dieser anstrengenden Spinning-Berg-Etappe nun Energie bräuchten. Ich hatte glücklicherweise (wie meistens) genügend Traubenzucker für alle dabei und habe diesen dann auch an meine Teilnehmer zur Stärkung verteilt. Das kam sogar gut an. Und bis ich Plättchen verteilt hatte und selbst auf dreien herumlutschte, hatte sich mein Blutzucker auch schon wieder etwas erhöht. Perfekt ich war fit für die nächste Challenge. Weiter ging es ohne Unterbrechung…

Hyper

Auch mit Blutzuckeranstiegen im Sport ist zu rechnen. Ich merke das, wenn meine Muskeln dicht machen, Schlappheit einsetzt und mir etwas übel wird. Auch Kopfschmerzen, Mattigkeit, Schnappatmung und Apathie sind bei mir typische Symptome einer Hyper. Ich fühle mich etwas benebelt, verspüre unheimlichen Durst… Bei meinen ersten Kursen, die ich geleitet hatte, war noch viel Aufregung im Spiel. Ich war etwas unsicher, wie ich meine Insulin-Basalrate „programmiere“. Hier muss jeder individuell den Dreh rausfinden. Aus der Erfahrung lernt man… Na ja meistens. Auch hier gibt es keine Regeln, auf die immer Verlass ist.

Aber auch zu hohe Werte sind gut in den Griff zu bekommen. Mit Fiasp, CGM/FGM besser, diskreter und schneller als je zuvor. Ich korrigiere dann vorsichtig (halber Korrekturfaktor). Es ist auch keine Schande, wenn man als Trainer eine Pause macht. Diese Zeit kann man sinnvoll nutzen, um zu schauen, ob die Trainingstechniken vernünftig ausgeführt werden. Viele Trainer ziehen viele Kurse hintereinander durch, da ist es ganz normal, dass man nicht alle Übungen/Einheiten durchhalten kann.  Gleichgültig, ob Diabetiker oder Nicht-Diabetiker.

FAZIT

In diesem Sinne: Lebt eure Träume, lasst euch nicht einschränken, gebt nichts auf Vorurteile. Dank CGMS und FGM, schnellerer Insuline und cooler Insulinpumpen ist es eh sehr viel leichter geworden den Diabetes zu steuern.

Aber okay, Moment, hatte ich eingangs nicht geschrieben, dass ich mir keine großen Gedanken darüber machen würde, ob der Diabetes ein Problem bei meiner Ausbildung zum Fitnesstrainer darstellen könnte? Nun ja, ihr seht, es ist kein Problem, aber Gedanken mache ich mir doch ;).

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  • Heike Wolf

    Danke für diesen guten Artikel. Auch ich gebe auch Kurse – allerdings im Eltern-Kind Turnen. Da baue ich ebenfalls meine Hypos einfach in die Stunde ein. Alle Eltern sind über meinen Diabetes informiert. Ich kann durchaus während der Stunde einen Traubenzucker lutschen. Lebt eure Träume – ein super Motivator, danke!!

    • Stefanie Blockus

      Hallo Heike, hehe, ja man muss sich nur zu helfen wissen ;). Kam das bei dir denn schon oft vor? Lieben Dank für deinen Kommentar und dein Feedback :). Freue mich sehr darüber :).

  • Stefanie Blockus

    Haha, genau ;). Du sagst es… Wohlüberlegt mit dem Kopd durch die Wand, muss ich mir merken ;). Vielen Dank auch dür deine lieben Worte und die guten Wünsche :).