So habe ich Camp D erlebt: Ein etwas anderer Bericht über die größenwahnsinnige Zeltstadt

Das Wochenende habe ich im Camp D in Bad Segeberg verbracht. Kennt vermutlich jeder Diabetiker unter euch. Falls nicht, mehr Infos zu Camp D bekommt ihr hier: Camp D

„Colour your life“ war in jedem Fall das Motto des #campd2018 und das trifft es genau auf den Punkt. Die Veranstalter, Novo Nordisk, zeigten wieder einmal, dass Diabetes auch anders sein kann: Farbig und mit neuen Perspektiven. So habe ich es auch erlebt. In der Zeltstadt traf ich etwa 500 lieb-verrückte Jugendliche mit Diabetes und etwa 150 Betreuer, Diabetologen, Psychologen, DiabetesberaterInnen und Ärzte. Ich erlebte dort den absoluten Zusammenhalt und Austausch den ganzen Tag lang und bis in die Nacht hinein. Okay, ich bin brav vor 22 Uhr ins Bett gehuscht, weil die jungen Leute eben auch unter sich bleiben sollen… okay und ich auch müde war.

Ich habe mich jedenfalls mega gefreut, dass ich auch mal wieder Gelegenheit hatte, mit vielen Diabetes-Bloggern zu sprechen und zu philosophieren, etwa Beate, Ilka, Sascha (wenn auch nur kurz), Lisa, Kathi, Antje, … und so vielen mehr :-*.

Diabetes Community Camp D

Ich war eigentlich beruflich im Camp D, aber natürlich auch immer ein bisschen privat. Meine Aufgabe war es überall mitzumischen ;), Fotos zu schießen und hinterher zu berichten. Presse-/Medienarbeit eben. Nun, gar nicht so einfach… Es war so verdammt viel los, überall Action, das kannst du nicht alles festhalten. Nun ja, ich habe mich nun doch sortieren können, erste Presseberichte abgeliefert. Unter anderem voraussichtlich Montag auf www.diabetiker.info nachzulesen ;). Dort berichte ich von den Workshops, dem Sporttag und vielen anderen Highlights, die Camp D zu bieten hatte.

Mein Bericht fällt hier ganz anders aus.

Die Organisation des Camp D

Zunächst möchte ich aber lobend zur Orga noch ein paar Worte loswerden: Das Orga-Team von Novo Nordisk hat unter der Leitung von Christina Maruhn wahrlich unglaubliche Arbeit geleistet: Von der Sicherheit der Teilnehmer, das Zusammenstellen der verschiedenen Helfer-Teams, die Kommunikation untereinander, über die Organisation der Zelte, das Essen (Berücksichtigung aller Nahrungsunverträglichkeiten und Angaben der Kohlenhydrate), die Getränke, die Packliste, der Shuttle-Service, Stromversorgung, bis hin zu den Workshops, Sport-Programm, Sponsoren, das Anleiten der Dienstleistungspartner und Unterstützer, die Kommunikation mit denTeilnehmern… WAHNSINN!

Die Diabeteswelt hat sich so sehr verändert und das ist auch gut so!

Das Camp hat mir verdeutlicht, dass sich in der Diabeteswelt in den letzten Jahren sehr viel verändert hat und zwar nicht nur in der Medizin-/Medizintechnikforschung: Die jungen Menschen mit Diabetes gehen sehr viel offener mit ihrem Diabetes um. Dazu hat das Camp D selbst einen SEHR großen Teil beigetragen. Die offene, ungezwungene Atmosphäre macht nicht zuletzt dieses Diabetes Camp zu etwas ganz Besonderen! Wünsche und Träume kann jeder, ob mit oder ohne Diabetes, in Angriff nehmen und damit sein Leben bunter gestalten. Ja, dieses Camp D hat den Jugendlichen Mut gemacht.

Der Austausch über Facebook vs. live

Genau das hat mir damals gefehlt! Der Austausch mit anderen. Früher gab es das eben nicht! Nicht zuletzt hat dann irgendwann mein Blog, das Open Journal (Diabetes Journal) und Social Media dazu beigetragen, dass ich heute nicht mehr „allein“ bin. Im Gegenteil! Es sind so viele Typ-1-Diabetiker unterwegs.

Doch es ist so wichtig, sich auch „live“ zu treffen, die Leute in den Arm zu schließen. Oft habe ich ein falsches Bild, Vorurteile, von den Social-Networkern. Viele mit denen ich geschrieben habe, habe ich nicht einmal live erkannt. So geht es (sicherlich nicht nur) mir oft. Mit einigen komme ich auf Facebook weniger gut zurecht, live aber schon ;). Der Umgangston ist ein ganz anderer, im Netz ist man nicht immer so freundlich ;). Erlebt ihr das auch so?

Was ich für mich von solchen Events mitnehme?

Meine Diagnose und der Aufenthalt im Krankenhaus danach war 1997 und hat mich in gewisser Weise geprägt. Der Drill der Schwestern, der Druck der Ärzte und die strengen Regeln, … all das hat mir in einem pubertierenden Alter Angst gemacht. Hier könnt ihr das nachlesen (falls noch nicht geschehen ;)).

Nicht selten wird mir nachgesagt, dass ich ruhiger, gelassener werden sollte. „Entspann doch mal“, „bleib ruhig“, „das wird schon“… All diese Sätze bekomme ich von Familie und Freunden oft zu hören. Genau diese Gelassenheit, an der es mir mangelt nehme ich, mit. Der Lebensmut, der mich damals verlassen hat, habe ich mir durch solche Veranstaltungen, durch die Community wieder „hart erarbeitet“. Ebenso mein Selbstbewusstsein und -vertrauen, das ich damals nicht hatte.

Vermutlich hat mich auch deshalb die Offenheit, der lockere Umgang untereinander bei den Jugendlichen im Camp D wieder so fasziniert. Die Jugendlichen haben (mit Ausnahmen) weniger Bedenken ihre Träume zu leben, als ich damals. Sie sind cool drauf. Das ist großartig. Bemerkt man doch noch „Ängste“, werden ihnen diese nach dem Camp D ein Stück weit genommen.

Jugendliche mit Diabetes sind erwachsener…

Ich habe mich mit vielen jungen Leuten unterhalten und habe wieder feststellen müssen, dass sie mit ihren teilweise erst 16 Jahren im Vergleich zu anderen Jugendlichen ohne Diabetes auch sehr viel erwachsener und selbstständiger sind. Das muss man auch sein.

Es ist der individuelle Austausch vor Ort, neben den großartig coolen Ideen, Aktionen, Workshops, Sport-Alternativen und bunten Farben, die dieses Camp D so besonders machen. Momente, die mich inspirieren und weiterbringen, ja auch in Therapieentscheidungen, es ist nicht etwa Dr. Dr., der aus dem Medizinbuch vorliest.

Es ist so unglaublich wie in der Diabetes Community niemand alleine gelassen wird. Ich habe selten in einer Community (sei es im Sport oder sonstewo) so viel Zusammenhalt und Herzlichkeit erlebt. (Natürlich gibt es Ausnahmen und man muss nicht jeden mögen ;))

Verliebt im Camp D

Fast ein bisschen zu Tränen gerührt war ich, als ein scheinbar frisch verliebtes junges Pärchen sich mit Traubenzucker aushalf: „Verliebt in Camp D“. Er hilft ihr mit einem Dextro Drink aus. Das hat Potential für eine Bravo-Foto-Love-Story, oder? Aber vermutlich gibt es die gar nicht mehr ;). So ist mir leider auch aufgefallen, dass ich auch nicht jünger werde. Ich kann euch jedenfalls empfehlen, ob Jung oder Alt (wie ich ;)) zu solchen Veranstaltungen hinzufahren. Nicht nur hier in Deutschland gibt es immer mehr davon, nehmt sie mit.

Warum du dabei sein solltest?

Ob du hinfährst, um dich über neue Medizinprodukte zu informieren, Neues aus der Forschung zu erfahren, dich auszutauschen, wie wir das bei Camp D etwa übers loopen, Basalratenoptimierungen, Insulinmischungen etc. pp. getan haben… Egal was, du gehst, wie ich auch von Camp D mit neuen Erkenntnissen, neuen Freunden und einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

Nun aber genug gelobt, fahrt hin da und fertig, den Camp D lässt keine Wünsche offen.

Last but not least… Ein paar Bilder. Ich erspare euch alle knapp 500 geschossenen, hier nur eine kleine Auswahl:

Geteilte Freude ist doppelte Freude!Share on Google+Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on Pinterest