Loop mit DanaRS und Jelly Pro: ein erstes Fazit

Loop mit DanaRS und Jelly Pro läuft… Ich habe kürzlich mit dem Loopen angefangen und bereue es… Nein, natürlich nicht das Loopen an sich, die Betonung liegt eindeutig auf „kürzlich“. Hätte ich schon einige Jahre eher damit begonnen, wäre mir einiges an Blutzucker-Ärger erspart geblieben. Ich möchte heute aber nicht Jammern, sondern einfach mal über meine Erfahrungen berichten, die ich in den ersten Wochen mit Loop sammeln konnte.

Was nutze ich zum Loopen?

Inzwischen gibt es ja einige Alternativen auf dem Loop-“Markt“, sowohl was die Hardware als auch was die Software angeht. Ich möchte euch kurz vorstellen, wofür ich mich entschieden habe. Als Software nutze ich AndroidAPS auf dem Smartphone Jelly Pro. Dieses wirklich niedliche Smartphone hat mir mein Mann extra als Zweithandy fürs Loopen geschenkt. Die geringe Größe schlägt sich leider in einer ebenso geringen Akku-Leistung nieder, weshalb ich fast immer eine Powerbank mit mir herumschleppe, die fast größer ist als das Handy selbst. Eigentlich bin ich ja iPhone- und Apple Watch-Nutzer, weshalb ich oft gefragt werde, weshalb ich mich für die Android-Lösung entschieden habe. Ein Grund dafür ist, dass man für die Verwendung des iOS Loops regelmäßig Zugriff auf einen Mac haben muss, den ich jedoch nicht besitze. Da ich meine Blutzuckerwerte trotzdem auf der Apple Watch sehen möchte, sind ein paar Extrawürste notwendig, die reine Android-User sich sparen können (siehe Zeichnung).

Loop mit DanaRS
Mein Loop mit DanaRS und JellyPro (die Maus bin ich ;))

Als Quelle für die Glukose-Werte dient derzeit das Freestyle Libre, dessen Werte mit Hilfe des Bluetooth-Transmitters MiaoMiao an mein Smartphone übertragen werden. Dort werden sie von der App Xdrip+ weiterverarbeitet und an AndroidAPS übergeben. Puh, eine ganz schön lange Kette ;). Ob ich weiterhin beim Libre bleibe, steht noch in den Sternen. Das neue Libre 2 kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht von den gängigen Bluetooth-Transmittern ausgelesen werden. Vielleicht zieht also irgendwann ein Dexcom G6 bei mir ein.

Die dritte Komponente im Spiel ist die Insulinpumpe. Ich nutze derzeit eine DanaRS. Die ist klein, robust und zuverlässig – und eine der wenigen aktuell erhältlichen Pumpen, die zum Loopen geeignet sind. Sie hat ihre Eigenheiten, aber an die kann man sich gewöhnen. Auch für Nicht-Looper interessant: Diese Pumpe lässt sich per App fernbedienen. Über alles Weitere zu dieser Pumpe werde ich noch mal gesondert berichten.

Warum ich loope?

Natürlich loope ich nicht, weil es gerade in ist, sondern weil ich mir etwas davon erhoffe. Im Großen und Ganzen war ich ja mit meiner bisherigen Diabetes-Einstellung (halbwegs, manchmal ;), mal mehr mal weniger) zufrieden, aber es gab zwei Knackpunkte, bei denen ich mir durch den Loop eine Verbesserung erhoffte. Zum einen hatte ich nachts zwischen 2 und 5 Uhr häufig mit Blutzuckerspitzen zu kämpfen. Wohlgemerkt „häufig“, nicht „immer“, eine Regelmäßigkeit gab es da nicht. Deshalb kam ich mit einer angepassten Basalrate nur bedingt weiter. Zwar gab es damit keine Spitzen mehr, in anderen Nächten kam es dafür aber zur Hypo. Ein weiteres Problem bei mir sind krasse Blutzuckeranstiege nach dem Sport, insbesondere nach anaeroben Trainingseinheiten. Schuld daran sind Stresshormone wie Adrenalin (Katecholamine), die bei intensivem Sport zu einer erhöhten Insulinresistenz führen.

Hybrid Closed Loop: Blutzuckerwerte im Sport (Anzeige auf Jelly Pro)

Endlich mal wieder durchschlafen

Seit ein paar Tagen verbringe ich fast jede Nacht im Zielbereich, mehr muss ich dazu wohl nicht sagen ;). Hier hat der Loop alle Erwartungen erfüllt. In ruhigen Nächten läuft die Basalrate mit wenigen Anpassungen durch, in „Spitzen“-Nächten reguliert der Loop ordentlich dagegen und das mit Erfolg. Hilfreich kann nachts auch die Funktion „eCarbs“ sein, mit der man dem Loop mitteilen kann, dass man etwa Kohlenhydrate zu sich genommen hat, die über einen längeren Zeitraum vom Körper absorbiert werden. Bei bestimmten Nahrungsmitteln konnte ich damit meinen nächtlichen Verlauf weiter glätten. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich nachts mit katastrophalen Werten aufgewacht bin und mich mühsam runtergespritzt habe.

Sport: Adrenalin vs. Loop 1:0

Tja, meine Blutzuckerspitzen nach dem Sport sind nach wie vor vorhanden, auch wenn Sie dank Loop nun deutlich harmloser ausfallen und weniger manuelle Eingriffe erfordern. Hier bin ich noch am Tüfteln und der Loop bietet einem dafür allerlei Stellschrauben: ISF  (Insulinsensivitätsfaktor = wie stark wirkt das Insulin) während/nach dem Sport anpassen, temporäre Blutzuckerzielwerte einrichten… Ich versuche jedoch auch, das Problem abseits vom Loop anzugehen: Wenn es zeitlich passt, hänge ich ans anaerobe Training eine aerobe Einheit dran. Die zur Insulinresistenz führenden Stresshormone werden dabei weniger und die Bewegung senkt den Blutzucker, so zumindest die Theorie. Kurzum: Hier habe ich noch einiges zu tun, aber ich bin zuversichtlich, dass das noch wird.

Viel Pro, gar kein Contra?!?

Die Vorteile des Loops liegen auf der Hand und lassen sich kurz zusammenfassen: Mehr Werte im Zielbereich bei weniger manuellen Eingriffen. Neben den handfesten Fakten in Form besserer Werte ist auch das neue Gefühl von Sicherheit ein wichtiger Aspekt. Ist der Loop erst mal richtig eingestellt und hat man ein Gewisses Grundvertrauen aufgebaut, muss man sich vor massiven Entgleisungen, egal in welche Richtung, nicht mehr fürchten.

Echte Nachteile gibt es eigentlich nicht, ich spreche lieber von Hürden. Auch wenn das Loopen einem heute viel einfacher gemacht wird, als es noch vor einigen Jahren der Fall war, muss man ein gewisses Technikverständnis mitbringen und die Bereitschaft zeigen, sich in die Materie einzuarbeiten. Das bezieht sich einerseits auf die Technik, aber auch auf Detail-Optimierung der eigenen Diabetes-Therapie. „Mal eben“ ist das nicht gemacht. Man muss sich auch im Klaren darüber sein, dass ein Loop nicht gleichbedeutend mit einem Diabetes-Autopiloten ist. Einfach anschalten und laufen lassen führt in den seltensten Fällen zum Ziel (wie man an meinen Sport-Tüfteleien vielleicht erkennt).

Ebenfalls nicht wirklich ein Nachteil, aber es muss trotzdem mal gesagt werden. Die Diabetes-Tasche wird durch den Loop nicht gerade leerer ;). Aber seht selbst:

All das habe ich in meiner Tasche dabei, wenn ich ein bis drei Tage unterwegs bin, wobei Insulinpumpe und MiaoMiao noch an mir befestigt sind ;). Ich bin allerdings ein sicherheitsliebender Mensch, so dass ich gerne lieber zu viel als zu wenig Diabetesbedarf mitschleppe… Man weiß ja nie.

Das war nun mein erstes Zwischenfazit nach wenigen Wochen mit Loop. Ihr seht also, ich bin begeistert, aber es liegt auch noch einiges an Arbeit vor mir. Da ich insbesondere zur DanaRS einige Anfragen von Lesern bekommen habe, werde ich zu dieser Pumpe in Kürze noch einmal gesondert berichten.

DanaRS im Sport
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