Der DIY-Loop im Sport: Die besonderen Anforderungen und Herausforderungen

Es ist an der Zeit, jetzt wo ich eh mitten in den Vorbereitungen eines Vortrags für die DDG-Herbsttagung stecke ;), auf all eure Fragen, die im Zusammenhang mit DIY-Loop und Sport in letzter Zeit hier aufschlugen, einzugehen. In meiner Story auf Instagram hatte ich ja gefragt, was euch in Bezug auf dieses Thema besonders interessiert. Nicht zuletzt, weil mein eben erwähnter DDG-Vortrag auch genau darauf abzielt. Mein Vortragstitel für die DDG Herbsttagung lautet: Zieleinlauf mit Loop: „Die besonderen Anforderungen und Herausforderungen im Sport“. Findet ihr hier bereits auch im Programm gelistet, am 8.11. ab 14:30 Uhr im Praxisdialog: Loopen.

Nun, den gibt es später, jetzt erstmal zu euren Fragen, die mich über Instagram erreichten, da ich euch dort ja desöfteren am Sportalltag teilhaben lasse…

Wichtiger Hinweis vorweg: Ich berichte hier nur aus meinen eigenen Erfahrungen, die ich als Leistungssportlerin/Trainerin und Typ-1-Diabetikerin gesammelt habe. Das sind keine Therapieempfehlungen!!! Bitte besprecht euch immer mit eurem Diabetolgen bzw. eurem Diabetes-Team! Ich bin weder Diabetesberaterin, noch habe ich eine anderweitige medizinische Ausbildung! 

DIY-Loop im Sport

Wieviel, wie oft und welchen Sport treibst du, seit wann und mit welchen Therapiehilfsmitteln?

(Einige von euch wissen das bereits und können auch driekt zur nächsten Frage übergehen)

Mit 11 Jahren bin ich noch in Jogginghose über Felder gehüpft, ganz ohne Diabetes im Gepäck. Mit 14, 1997 kam der Diabetes hinzu und bereits in der Klinik unternahm ich schon wieder erste Sportversuche, ganz zum Entsetzen des Klinikpersonals (die Klinik war ja ziemlich altbacken ;)). Damals war ich noch unterwegs mit den Insulin Actrapid und Protaphane, mit Einwegspritze und Blutzuckermessgerät.

2010 lief ich dann meinen ersten Marathon mit Insulinpumpe und Blutzuckermessgerät, 2011 dann mit dem ersten CGM-System, was mir das Marathonlaufen deutlich erleichterte. Die Zeitersparnis, der Aufwand, die Berechnungen und die Gedanken… Ich konnte mich voll aufs Laufen konzentrieren. Alles war plötzlich sehr viel einfacher und ich fühlte mich sicherer. Insbesondere die Trendpfeile waren dabei eine SEHR große Hilfe. Ich wurde dank CGM-System mutiger und es gesellten sich auch Ultraläufe hinzu, bis hin zum 24-Stunden-Lauf, bei dem ich mit 143 am Stück gelaufen Kilometern sogar siegen sollte. Diesen Lauf bestritt ich zwar noch ohne DIY-Loop, aber bereits mit Patch-Pumpe und CGM-System.

Bereits seit 2010 arbeite ich zudem auch als Trainerin, gebe beispielsweise Spinning- und Jumping-Fitness-Kurse in verschiedenen Fitnessstudios. Weiterhin fahre ich Rennrad, bestreite auch ab und zu mal ein Radrennen… Sport ist also mehr als ein Hobby und findet heute nicht mehr ohne DIY-Loop statt!

Warum hast du dich für den DIY-Loop entschieden?

Ich habe die DIY-Loop Kombi OmniPod, Dexcom, RileyLink und iOS. Habe allerdings auch schon AndroidAPS getestet, damit hatte ich begonnen. Von meinem DIY-Loop erhoffte ich mir, nachts bessere Werte zu erzielen, aber auch die starken Blutzuckerspitzen nach dem Sport in den Griff zu bekommen. Weiterhin hat mich der Diabetes psychisch schon belastet. Klar, 24h eine Aufgabe eines Organs zu übernehmen ist eine große Herausforderung, besonders wenn man arbeitet, Leistungssport betreibt, Familie hat… etc. pp. So erhoffte ich mir auch vom DIY-Loop, mal 2-3 Stündchen vom Diabetesmanagement abschalten zu können, und dennoch schöne Werte auf dem Display zu sehen.

Bevor ich nun zum Loop im Sport übergehe, sei noch eins gesagt: „Loop anschnallen und los ist nicht“. Bevor man mit dem DIY-Loopen beginnt, müssen zunächst viele Hausaufgaben erledigt werden. Die Basalrate muss passen, Korrekturfaktoren, etc. pp., auch sollte ein bisschen technisches Verständnis vorhanden sein. 

Der Loop im Sport: Wie gehst du vor und was musst du beachten im Vergleich zur gängigen Insulinpumpentherapie?

Loop und Sport vertragen sich ja eigentlich grundsätzlich erst einmal nicht, denn der Loop ahnt ja nicht, dass Sport geplant ist. Genauso wenig wie der Loop hellsehen kann, dass ich jetzt etwas esse, wenn ich es ihm nicht „sage“. Die Algorithmen des Loops, die im Alltag super funktionieren, versagen beim Sport – wenn man nicht selbst eingreift. Denn was tut der Loop? Er setzt alles daran den festgelegten Zielwert (in meinem Fall 90-100 mg/dl) zu erreichen, indem er Insulin zu- oder abschaltet.

Was muss ich also beachten?

Wichtig ist, dass der Loop NICHT den gewollten Anstieg vor dem Sport, bzw. die Reduktion des wirksamen Insulins verhindert. Was muss ich also tun? Im Prinzip das, was schon immer wichtig war: Rechtzeitig vor dem Sport das Insulin reduzieren, was über temporäre Basalraten-Anpassungen bei der Insulinpumpentherapie funktioniert.

Auch der Loop erlaubt es, temporäre Basalraten-Anpassungen vorzunehmen, man spricht hier, bei iOS Loop mit OmniPod, auch von Overrides. Sie haben den entscheidenden Vorteil, im Vergleich zur gängigen Insulinpumpentherapie, dass man nicht nur die Insulin-Basalrate temporär absenken kann, sondern auch den Zielwert temporär anpassen kann. Beispielsweise kann ich diesen für den Sport höher ansetzen. Ich reduziere also nicht nur prozentual das Insulin, sondern setze auch den Zielwert höher. Zudem wirkt sich ein Override auch auf die eingestellte Insulinempfindlichkeit (ISF) aus. Je nach Einstellung des Overrides arbeitet der Loop also mehr oder weniger „aggressiv“. Die Möglichkeiten sind also vielfältig.

Mit diesen Overrides kann ich sehr individuell verfahren. So habe ich für die vielen verschiedenen Sportarten, die ich betreibe, auch unterschiedliche Overrides festgelegt. Ich habe schon immer mit mehreren Sportprofilen gearbeitet. Es ist für mich ein großer Unterschied, ob ich einen mehrstündigen Wettkampf bestreite (Adrenalin lässt grüßen), Kraftsport betreibe oder zwei Stunden für mich locker und entspannt im Wald laufe. Auch meine schweißtreibenden Kurse in den Fitnessstudios plane ich ganz anders als eine Wandertour in den Bergen. Für letztere benötige ich persönlich viel weniger Insulin, da ich das Ganze etwas entspannter angehe. In meinem Kursen geht es sehr intensiv zur Sache, Adrenalin lässt schon wieder grüßen ;).

Welche Faktoren sind für den Sport wichtig, wie gehe ich konkret vor?

Anhand der für mich wichtigen Faktoren im Sport. Möchte ich nun erklären, wie ich konkret vorgehe und was ich beachten muss…

  • Zielwert: Der Loop berechnet den Insulinbedarf hinsichtlich eines Zielwerts, wie bekannt und bereits erwähnt. Dieser liegt bei mir normalerweise im Alltag bei 90- 100 mg/dl. Im Sport ist mein Ziel 160 mg/dl. Etwa 70-90 Minuten vorher fange ich an das Insulin zu reduzieren, so dass mein Wert vor dem Sport mindestens bei 160 mg/dl liegt.
  • Man bedenke immer die Insulinwirkzeit! Dies ist ein häufiger Fehler vieler Typ1er und ein so entscheidender Punkt für den Sport: RECHTZEITIG das Insulin zu reduzieren. Denn leider gibt es noch keine gewünschten SEHR SEHR SEHR schnellen Insuline.
  • IOB: Wie viel Insulin ist wirksam/on Board? IOB liegt bei mir im und vorm Sport in der Regel unter 0, hat also einen negativen Wert. Bei mir persönlich sind vor dem Sport etwa -0,3 bis -0,5 Einheiten Insulin „aktiv“.
    • Dazu habe ich ein Override „vor dem Sport“ festgelegt, das lediglich 10 Prozent Insulin abgeben darf und einen hohen Zielwert erlaubt. Das schalte ich etwa 70 Minuten vor dem Training ein und lasse es noch solange während des Sports eingeschaltet, bis ich sehe, dass die blutzuckersenkende Wirkung des Sports einsetzt (das dauert bei mir etwa 20 Minuten). Dies ist gut an den Trendpfeilen erkennbar, nämlich daran, dass der gewollte Blutzuckeranstieg nicht mehr stattfindet. Pfeil nach rechts/Pfeil leicht nach unten.
    • Ist der Fall eingetreten, starte ich ein weiteres Override „nach Sportart benannt“, dass auch einen Zielwert von bis zu 160 mg/dl erlaubt, aber die temporäre Basalraten nur noch auf 40 – 80 Prozent (je nach Sportart) für eine festgelegte Zeit absenkt. Damit kann ich ewig lange Sport treiben.
    • Bereits 30-45 Minuten vor Ende des Sports schalte ich das Override wieder aus, um Blutzuckerspitzen nach dem Training zu verhindern. Der Loop schafft es, diese zu unterbinden, indem mehr Insulin zugeschaltet wird (falls nötig), als es die normale Basalrate erlauben würde.
    • Es gibt Sportarten, wie das Langdistanzlaufen, für das ich noch ein weiteres Override festgelegt habe „nach dem Sport“, dieses erlaubt eine Insulinzufuhr von 120 % und einen Zielwert von 80. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich bei solchen Tortouren, zusätzliches Insulin benötige, weil die Fettverbrennung nach diesem Sport noch auf Hochtouren läuft und den Blutzucker nach oben treibt.

Weiterhin möchte ich noch erwähnen, dass bei langen nüchternen Trainingseinheiten (diese sind für meine Trainingsziele wichtig) Vorsicht geboten ist. Es kann passieren, dass der Loop über Stunden kein Insulin abgibt, weil der Zielwert nicht erreicht wird.  So kann es zu einer Ketoazidose kommen.

Allerdings ist es DIY und man hat (fast) alle Möglichkeiten der Welt, auch hier geeignete Lösung zu finden, etwa dem Loop nicht zu erlauben, länger als eine Stunde nicht einen Tropfen Insulin zuzuführen. 

Gibt es beim DIY-Loop so etwas wie einen Aktivitätsmodus

(Wie erwähnt, nutze ich aktuell aber überwiegend iOS LOOP, bzw. teste gerade CamAPS mit DanaRS, deswegen nutze ich diese Funktion nicht, bzw. habe keine eigenen Erfahrungen damit sammeln können)

Soweit ich weiß, soll es auch bereits ein automatisiertes Sportprofil beim DIY-Loop geben, bzw. einen Aktivitätsmodus, den AndroidAPS bereits vorsieht. 

Ich habe von einigen Freizeitsportlern gehört, dass dieser auch sehr gut funktioniert. Bei Veränderung des Zielwertes, etwa auf 160 mg/dl, soll dieser automatisch, je nach gesetzten Zielwert, die Basalrate halbieren und den Korrektur- und Kohlenhydratfaktor verdoppeln. Sicher eine gut funktionierende, großartige Lösung für den Freizeitsportler, allerdings setze ich für meinen Teil, besser auf meinen eigenen, gut ausgetesteten und bewährten Sportprofile. Für mich und meine Sportvielfalt ist es wichtig den Zielwert und die temporär abgesenkte Basalrate unabhängig voneinander festlegen zu können.

So es ist an der Zeit, ich hoffe, ich habe nichts Wichtiges vergessen? Weitere Fragen, bitte gerne in die Kommentare.

Ein kurzes Fazit? Mein Motto bleibt: „Diabetes ist Ausdauersport“ (in jeglicher Hinsicht)!!!

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