Das Blutzucker messen vergessen

Neulich habe ich von einem Diabetiker erfahren, dass er immer wieder vergisst, seinen Blutzucker zu messen und seine Blutzuckerwerte deshalb oft auf die schiefe Bahn geraten. Mal ehrlich, vergisst man es als Diabetiker wirklich, seinen Blutzucker zu messen? Ehrlich gesagt ist mir das noch nie passiert. Euch? Ich „vergesse“ den Diabetes nicht, er erinnert mich viel zu oft daran, dass er da ist.

Beweggründe, den Blutzucker nicht zu messen

Beweggründe, warum ich meinen Blutzucker mal nicht messe, sind vielmehr:

  • „gerade keine Lust“,
  • „gerade in Hektik“,
  • „passt gerade nicht“ oder
  • „ich will meinen Blutzuckerwert just mal nicht vor Augen geführt bekommen, weil mich der Diabetes nervt“.

Zugegeben ist das vielleicht ehrlich, aber nicht gerade vorbildlich, doch (Diabetes-)Manager sind eben auch mal demotiviert bzw. wollen gerade mal nichts vom Diabetes wissen, haben sich gerade mal andere Prioritäten gesetzt, „Wichtigeres“ zu tun. So lange es nicht zu häufig vorkommt oder gar zur Gewohnheit wird und zu Lasten des Blutzuckers geht, ist das doch vollkommen okay und bedarf keiner Rechtfertigung, oder?

Blutzucker messen schmerzhaft, unangenehm?

Wir sind doch schließlich alle nur Menschen.Von einigen Diabetikern habe ich auch gehört, dass sie das Blutzucker messen zwar nicht vergessen sondern es nur so selten vornehmen, weil sie es als schmerzhaft empfinden. Andere wiederum empfinden es als unangenehm, in der Öffentlichkeit ihren Blutzucker zu messen. Das kann ich von mir nicht behaupten. Ihr von euch?

Ein "Knoten im Finger" erinnert mich daran regelmäßig den Blutzucker zu messen ;)

Ein „Knoten im Finger“ erinnert mich daran regelmäßig den Blutzucker zu messen 😉

Besser mit Bauchspeicheldrüse on Tour, wer geht schon ohne Organe aus dem Haus?

Ein weiterer Beweggrund nicht zu messen, wenn er auch selten, aber dennoch auch mal vorkommt ist, dass ich keine Lust habe mein Blutzuckermessgerät, die Blutzuckerteststreifen, die Stechhilfe und die Lanzette bei mir zu führen. Allerdings kommt das nur dann vor, wenn ich nicht weit weg und auch nicht länger als eine Stunde außer Haus bin.

Hierbei hat mich der OmniPod in den letzten 1,5 Jahren gut erzogen, denn ohne PDM (Personal Diabetes Manager, der gleichzeitig auch als Blutzuckermessgerät und Fernsteuerung der „Insulinkäfer“ dient) ziehe ich nicht mehr los. Liegt ganz einfach daran, weil ich mit ihm ja quasi meine externe Bauchspeicheldrüse, sprich ein Organ meines Körpers steuere. Und wer geht schon gerne „ohne“ seine Organe aus dem Haus?

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  • Ich muss (zu meiner Schande? 😉 ) gestehen, dass es vorkommt, dass ich tatsächlich über einen längeren Zeitraum vergesse, den BZ zu messen. Vielleicht weil ich gerade so vertieft bin in eine Arbeit, unterwegs bin, bei einem Event fotografiere usw. Oft ist es aber genau umgedreht. Mich interessiert mein BZ-Wert und auch eine Tendenz. Die kann man oft schlecht durch eine einmalige Messung erfahren. Daher messe ich gerade vor dem Schlafengehen oft 2 mal, im Abstand von einer halben Stunde, um eben einen Trend zu erfahren. Und dann kommt oft das schlechte Gewissen, da ich ja eigentlich sparsam mit den teuren (aus meiner Sicht im Verhältnis zu Herstellungskosten und zur Leistung/Funktionalität überteuerten) Teststreifen umgehen.

    Ganz klar erhoffe ich mir hier signifikante Vorteile und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität durch das neue Flash Glucose Monitoring in Form des FreeStyle Libre, das in diesen Tagen auf den Markt kommen wird. Den Namen empfinde ich als Programm: Libre = frei. Und auch darum geht es mir in meiner Diabetestherapie. Das Gefühl von Freiheit zu erhalten. Ich bin sehr, sehr gespannt!

    Vielen Dank für Deine Perspektive und die Reflexion Deiner persönlichen Erfahrungen, liebe Steff!

  • Stefanie Blockus

    Und lieber Michael, bist du noch vom FreeStyle Libre begeistert?

    • Liebe Stefanie, ich bin immer noch begeistert vom Libre. neben Schwächen, die ich als „Kinderkrankheiten“ ansehe, bringt das Libre einigen Mehrwert für Diabetiker. Ich sehe vor allem den Meilenstein, den Abbott mit dem Libre vollzogen hat. Plötzlich haben wir ein kontinuierlich messendes System, das nicht mehr unbezahlbar ist und mit konventionellen BZ-Teststreifen schon aus Kostenperspektive konkurrieren kann. Obendrauf gibt es ein Mehr an Freiheit, Unabhängigkeit und Sicherheit. Über kurz oder lang wird es auch in diesem neuen kostengünstigen Sektor intelligente Messsysteme geben, die selbstverständlich auch die Funktion der Alarme bei extremen BZ-Werten übernehmen, die aktuell nur den klassischen CGMS vorbehalten sind. Eben hier hat Abbott eine Tür aufgestoßen. CGMS werden in absehbarer Zeit kein Luxusgut für schwer einzustellende Diabetiker sein.

      • Stefanie Blockus

        Hey Michael, jepp so sehe ich das auch :). Das war definitiv ein Meilenstein seitens Abbott und ich hoffe, dass sich jetzt einiges tut und die Krankenkassen die Kosten übernehmen und Teststreifen Schnee von gestern werden :).