Welt Diabetes Tag: Ist mein Wunsch nach Glukoseregulation wie bei Nicht-Diabetikern BLAU-äugig?

Am 14.11. ist es wieder so weit, es ist Welt Diabetes Tag! An diesem Datum wurde vor 126 Jahren Sir Frederick Banting geboren.  Er hat gemeinsam mit Charles Best 1921 das für uns lebenswichtige Insulin entdeckt. Bis 1922 sind wir Personen mit Diabetes noch an Diabetes gestorben, siehe Geschichte der Diabetologie. Damit sollte klar sein, wie dankbar wir Diabetiker den Entdeckern sind und warum wir diesen Tag zelebrieren. Wer auch immer es letztendlich wirklich entdeckt und an den Diabetiker gebracht hat 😉 (da gibt es zu viele Gerüchte, Spekulationen).

1991 wurde der Welt Diabetes Tag jedenfalls von der IDF und der WHO als weltweiter Aktionstag eingeführt. Seit 2007 ist er ein offizieller Tag der Vereinten Nationen (United Nations, UN). Jedes Jahr zelebrieren wir ihn unter einem bestimmten Motto. Rund um dieses Motto finden an den verschiedensten Orten der Welt Aktionen und Veranstaltungen statt. Das Motto in diesem Jahr lautet: Diabetes – beweg(t) dein Leben.

Die meisten von uns werden den Welt Diabetes Tag wohl am 19.11. in Berlin gebührend feiern. Ich freue mich schon drauf, euch dort zu treffen. Im November ist generell viel los in Sachen Diabetes. Es finden derweil schon zahlreiche Veranstaltungen, Challenges in den Sozialen Netzwerken statt. Zudem gibt es dann noch den blauen Freitag. Freitags wird im November jedes Jahr Blau getragen oder gegessen ;). Welt Diabetes Tag

Warum aber Blau und ein blauer Kreis als „Diabetes-Logo“?

Nun, ein Kreis symbolisiert das Leben und die Gesundheit, während die Farbe Blau die Länder „unter dem Himmel“ vereinigt. Blau ist auch offizielle UN-Farbe. Das Logo ist somit ein Zeichen für die Einigkeit im Kampf gegen Diabetes. Anlässlich des Welt Diabetes Tag wurden in den letzten Jahren weltweit (!) zahlreiche Gebäude blau erleuchtet, damit sollte der Diabetes „ans Licht gebracht“ werden.

Das ideale Insulin… Gedanken am Welt Diabetes Tag

Diabetes mellitus rückt also jedes Jahr am 14.11. und generell im November verstärkt in den Mittelpunkt. Na ja… bei den meistens Diabetikern wohl eher jeden Tag ;).  Dennoch mache ich mir im November einerseits oft wieder bewusst, wie dankbar ich sein kann, gut mit Insulin versorgt zu sein. Nicht allen Ländern steht es ausreichend zur Verfügung. Andererseits interessiert mich auch, wie das Insulin und dessen Wirkung noch optimiert werden können, denn bis heute ist es noch weit von der physiologischen Glukoseregulation entfernt, wie sie bei Stoffwechselgesunden vorhanden ist.

Insulin steht uns nur unzureichend bedarfsgerecht zur Verfügung

Wir verabreichen uns das Insulin (noch?) subkutan. Das Insulin nimmt somit den Weg über das Blut, statt entlang der Alpha-Zelle über die Pfortader und Leber ins richtige Gewebe. Hinzu kommt, dass Faktoren wie Hauttemperatur, Beschaffenheit des subkutanen Gewebes, Kapillarbett-Dichte, die Durchblutung etc. die korrekte Wirkung des Insulins  negativ beeinflussen. Diese unnatürliche Regulation geht mit einer hohen so genannten peripheren Hyperinsulinisierung einher (einfacher gesagt: zu viel Insulin am falschen Ort), die zu Gewichtszunahme führen kann. Weitere Folgen der subkutanen Insulinzufuhr sind Hyperglykämien nach einer Mahlzeit und nächtliche Hypoglykämien.

Was bringt die Zukunft in Sachen Insulin?

Es wird viel geforscht, etwa wie die Wirkung von Insulin verkürzt, beschleunigt, verlängert oder entschleunigt werden kann. Aber auch in Sachen Darreichungsformen, etwa ob Insulin als Pille, zum Inhalieren oder über ein Pflaster zu verabreichen sinnvoller wäre…

Im April 2017 hat es Fiasp in Deutschland auf den Markt geschafft. Mich persönlich und viele andere Diabetiker, mit denen ich darüber gesprochen habe, begeistert die schnellere und kürzere Wirkung. So lassen sich damit Hypos schneller ausbalancieren, Aktivitäten und Essen spontaner planen. Das Einhalten eines SEA (Spritz-Ess-Abstand) ist nicht mehr nötig. Auch die Blutzuckerspitzen nach dem Essen (postprandialer Bereich) sind Schnee von gestern. Meinetwegen darf gerne noch ein bisschen mehr „Speed“ rein. Die Landkarten-Kegelschnecke könnte uns dahingehend behilflich sein. Forscher fanden heraus, dass sie sich mit einem Giftgemisch wehrt, dass mitunter aus einem ultraschnell wirksamen Insulin besteht. Damit schießt sie ihr Beute blitzschnell in die Unterzuckerung. Ultra-langwirksame Insuline interessieren die Insulinpumpenträger eher weniger. Für „Penner“ oder Typ2er sind sie aber dafür umso interessanter.

Smart-Insuline

Ideal wären natürlich intelligentes Insulin, das nur dann wirkt, wenn wir es benötigen, sprich: wenn der Blutzucker ansteigt. Das wäre PERFEKT, HAMMER, UNSCHLAGBAR GENIAL… Dem Körper stünde ein Insulindepot zur Verfügung, aus dem bedarfsgerecht Insulin abgegeben wird. Das erspart schon mal den Umweg über das Unterhautfettgewebe. Das Insulin koppelt sich an ein Trägerprotein. Dieses verhindert, dass Insulin vom Gewebe absorbiert wird, genau solange bis der Blutzucker steigt. In dem Fall wird das Insulin freigesetzt, um den Blutzucker zu senken.

Klar erscheint das noch visionär, aber zumindest hört man ab und an davon, dass sich solche „Smart-Insuline“ in der klinischen Entwicklung befinden. Damit wäre in jedem Fall eine Revolution in Sachen Insulinapplikation zu erwarten! Ich finde, es ist an der Zeit! Bis wir die Vorteile für unsere Gesundheit erfahren dürfen, bessere Blutzuckerwerte und Körpergewichtskontrolle, einfacheres Blutzuckermanagement, … hängt nur leider nicht nur von der Forschung ab, sondern auch von gesundheitspolitischen Entscheidungen. Ich sag nur: G-BA, IQWIG, AMNOG…

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  • Ramona Stanek

    Sehr interessanter Beitrag, Staeff 🙂 Das mit den Smart-Insulinen find ich besonders interessant, bin ich auch in der Tat noch nie drüber gestolpert. Aber vielleicht ist die Landkarten-Kegelschnecke ja noch schneller zur Hilfe. 😀

    • Stefanie Blockus

      Danke für dein Feedback :). Hehe, ja schauen wir mal, wie schnell die Schnecke zu uns ihren Weg findet :D.